Arye Sharuz Shalicar, Jerusalem
Nach wirklich langer Zeit habe ich heute, im Gespraech mit einem aeusserst netten und einflussreichen Journalisten, der in Istanbul sitzt und fuer eines der groessten tuerkischen Tagesblaetter schreibt, meine Tuerkischkenntnisse einsetzen koennen.
Natuerlich haben wir uns auch ueber Berlin unterhalten. Neukoelln, Wedding, Kreuzberg…von der Sonnenallee bis hin zur Soldiner Strasse…Integration, 1.Generation, 2.Generation, Islamismus in Deutschland, Parallelgesellschaft hin oder her…ich habe ihm mit einigen flotten tuerkischen Redewendungen bewiesen, dass ich nicht wenig mit Tuerken zu tun hatte und erzaehlte ihm, dass ich bis heute noch sehr gut befreundet bin mit einigen Berliner Tuerken, die wie ich, einerseits in Berlin, bzw. Deutschland geboren wurden, andererseits aber dunkelhaeutig sind, und somit eine Art Doppelidentitaet haben (bei mir war es eigentlich eine “Dreieridentitaet”!).
Der junge Journalist, der es schon im jungen Alter zu einem verhaeltnismaessig hohen Bekanntheitsgrad geschafft hat in der Tuerkei, was fuer seine Arbeit spricht, kam mir schon nach sehr wenigen Gespraechsminuten wie jemand vor, Continue reading →
Arye S. Shalicar, Jerusalem
Mittlerweile lebe ich seit fast 9 Jahren in Israel. Haette mich jemand vor 10 Jahren gefragt, ob ich mir mein Leben in Israel vorstellen koennte haette ich hoechstwahrscheinlich geantwortet: ” Kann sein, muss aber nicht – Australien, Kanada, Brasilien und die USA sprechen mich auch an!”.
Kurz vor der Jahrtausendwende besuchte ich Israel fuer laenger als die ueblichen 4-6 Sommerferienwochen, und staerkte mein juedisches Selbstbewusstsein waehrend meines Kibbutz Palmachim-Aufenthaltes. Die hebraeische Sprache und die juedische Tradition und Religion interessierten mich mehr und mehr. Ich spuerte, dass ich fast 20 Jahre ohne diese Sprache, dieses Land und diese Traditionen gelebt hatte, in Berlin, obwohl sie Teil meines Ichs waren. Meine Eltern, beides persische Juden, fuehren bis zum heutigen Tag ein sehr “saekulares und modernes” Leben, weit weg von Tradition und Religion, hatten mich ohne besonderen juedischen Input in der Erziehung grossgezogen. Dennoch wuchs mein juedisches Selbsbewusstsein von Tag zu Tag in Berlin, nicht wegen meiner Eltern oder der juedischen Gemeinde, mit der ich kaum Kontakt hatte, sondern wegen meines Umfelds im Wedding, das mich als Juden “gebrandmarkt” hatte.
Nicht selten wurde ich als Jude und/oder Israeli angepoebelt (und das ist sehr sehr milde ausgedrueckt), obwohl ich eigentlich ueberhaupt keinen Plan hatte, was es heisst Jude zu sein, und sicherlich war ich auch kein Israeli, schliesslich war ich in Deutschland zur Welt gekommen. Continue reading →
Waehrend der letzten Tage ist Jerusalem des oefteren in den internationalen Nachrichten erwaehnt worden, in erster Linie wegen den Unruhen auf dem Tempelberg. Das gibt dem deutsch-, franzoesisch- oder englischsprachigen Leser, der in Koeln, Birmingham oder Lyon sitzt und den Spiegel, LeMonde oder The Guardian liest ein bestimmtes Bild von Jerusalem, der Hauptstadt Israels; der Stadt, in der ich lebe.
Mir ist klar, dass Menschen, die nicht hier in Jerusalem leben durch solcher Art Beitraege abgeschreckt werden Israel zu besuchen, denn man koennte annehmen, dass hier Kriegsstimmung herrscht.
Das ist natuerlich kompletter Schwachsinn und niemand weiss es besser als der Jerusalemer selbst, der hier, Tag ein Tag aus durch die Gegend rennt, Uni-Arbeit-Bus-Supermarkt etc. und Abends in einen der unzaehligen, manchmal sehr gut versteckten, Clubs und Bars in der Innenstadt ausgeht.
Von einem dieser Barbesuche moechte ich euch in den naechsten Zeilen erzaehlen, nur um klar zu machen, dass Jerusalem sehr viel mehr zu bieten hat, als sich manch einer von euch vorstellen kann, und der “kleine Mann” ueber die Presse vermittelt bekommt. Continue reading →
27.6.09
Fast genau 24 Stunden sind vergangen seit uns der King of Pop verlassen hat.
Irgendwie, obwohl ich sonst nie ueber ihn, seine Hautfarbe/n, seine Ranch Neverland, oder sein Leben und Schicksal an sich nachgedacht habe, hat es mich schon ziemlich mitgenommen, dass er jetzt weg ist. So vollkommen unerwartet. Wie konnte das geschehen, er war doch erst 50??
Und ploetzlich sah ich sie wieder. Ueber viele Jahre hinweg waren sie mir aus dem Kopf gegangen, doch gestern, fast gleichzeitig mit dem “Abgang” Michael’s sah ich sie wieder klar und deutlich vor mir: die Zombies im Thriller-Video.
Anfang der 80er, als das Lied rauskam und ich noch ein kleiner Hosenscheisser war, damals in Berlin Spandau lebend, bat ich “meinen grossen Bruder” Goekhan immer, das Lied wegzuschalten, wenn es im TV lief. Goekhan, der mir unter anderem das Fahrradfahren beigebracht hatte, lachte mich immer aus und meinte spoettisch: Reiss dich zusammen, das ist doch nur ein Video!
Leichter gesagt als getan. Ich war schliesslich erst 4 oder 5.
Dank Michael schwebten mir gestern Bilder meiner Kindheit im Kopf: Spandau, Goekhan, Till, Erkan, Fussball am Burgwall, Donald&Dagobert Duck, die Konkordia Grundschule, Fr. Emmrich…und vielleicht wie nie zuvor fuehlte ich gestern, wie sich mein Leben, teilweise gelenkt von anderen Menschen in meinem Umfeld, teilweise durch mich selbst, veraendert hat.
Ich koennte mein bisheriges Leben in 3 fast gleichlange Zeitabschnitte unterteilen: Kindheit in Berlin-Spandau, Jugend in Berlin-Wedding, 23+ in Israel. Jeder Abschnitt war ein Leben fuer sich: Waehrend sich meine Gedanken in Spandau fast ausschliesslich ums Fussballspielen drehten, wurde ich im Wedding zu einem Gangmitglied und bekanntem Writer, der, obwohl in Deutschland lebend, taeglich mit dem Israelisch-Arabischen Konflikt und seiner juedischen Identitaet konfrontiert wurde, die sich im dritten Abschnitt festigte, ob im Kibbutz, in der IDF oder an der Hebraeischen Universitaet…
Heute bin ich 31.
Das Leben kann hart sein und man kann tief, bzw. sehr tief fallen (Chio RIP, Spoer RIP, Buick RIP) wenn man nicht vorsichtig ist. Andererseits kann das Leben auch sehr viel Spass und Freude mit sich bringen…wahrscheinlich liegt das wahre Leben irgendwo “in between”, was das ganze auch viel spannender macht…
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Ich hoffe, dass euch mein Blog gefallen wird in dem ich vorhabe 1-2 mal woechentlich zu aktuellen (oder auch nicht aktuellen) Themen meine Meinung zu schreiben. Themen, die insbesondere meine Heimat Israel und den Mittleren Osten betreffen…und wenn ich Lust habe ueber was anderes zu schreiben, von Tookie Williams ueber die Copacabana bis Nord-Korea und Dani Alvez’ Freistosstor gegen Sued-Korea, dann werde ich das halt auch machen, ist ja schliesslich mein Blog, oder?
Uebrigens, auf Hot Gold lief gestern Nacht noch I Am Legend mit Will Smith, den ich mir dann natuerlich kurz vor dem schlafengehen noch reinziehen musste….diesmal mit der Gewissheit, dass die Zombies nicht echt sind!!!