Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 19.04.5770
Boese, gefaehrliche Siedlermonster in ihrer Festung…
Wie berichtet, hatte ich vor der Ausstrahlung dieses Beitrags – nur aufgrund der Formulierungen in der Programmbeschreibung beim WDR - meine Bedenken ueber dessen Fairness geaeussert. Diese vorsichtige vorausahnende Kritik sah Herr Schneider als einen einmaligen Fall in seiner Karriere…
Anyway, ich habe jetzt den Film gesehen und wollte wissen, ob und wie weit ich daneben lag. Die Beschreibung beim WDR, die von “Hardliner, Fromme und Extremisten“ sprach, und Herr Schneiders Reaktion hatten mich doch neugierig gemacht, was hier nun los war. Und hier die Zusammenfassung:
Wie soll man es aber am besten zusammenfassen? Chronologisch durch den Film und seine Behauptungen gehen, oder eher vom Groben ins Detail? Fangen wir vielleicht einmal mit der kurz vor dem Film gesprochenen Ankuendigung eines Sprechers an:
“Radikale juedische Siedler. Ein Problem fuer den inneren und aeusseren Frieden Israels. Wie gefaehrlich ist ihr Vormarsch fuer eine weltoffene Zukunft des heiligen Landes?“
Vielleicht nicht von Schneider geschrieben, aber das ist so ungefaehr die Zusammenfassung des ganzen Films: Juedische Religioese sind eine Bedrohung (fuer das saekulare Israel, fuer die Palaestinenser, die Demokratie, den Frieden, die Wirtschaft usw.) und sie wird groesser.
Ja, man soll das sanfte Fuerchten lernen, vor diesen freundlichen und lebensfrohen Menschen. Nein, sie werden nicht als Monster dargestellt – da muesste man zu sehr gegen das Videomaterial arbeiten -, aber eine schleichende unterschwellige Angst wird erzeugt, und das macht man halt mit Suggestionen, unpassenden Kommentaren und ein bisschen Musikunterlegungen.
Das Traurige daran ist, dass Richard Schneider kein banaler Nahostkorrespondet ist, der anti-israelische oder anti-Siedler Aussagen und Ansichten grob rausposaunt und die Siedler als abstrakten Teufel an die Wand malt. Nein, er hat einige Ahnung ueber die Gefuehle und Hintergruende, gibt sich einfuehlsam gegenueber den Interviewten, um uns dann eher hoeflich zu Erklaeren, dass diese religioesen Juden eine Bedrohung fuer Israel, die Palaestineser, die Demokratie und somit weitergedacht auch fuer den Weltfrieden sind.
Auch lustig daran ist, dass er seine eigene saekulare Lebensweise als das Non-Plus-Ultra ansieht, als positiven Ausgangspunkt an dem sich andere zu messen haben.
Er erzaehlt uns aus einem saekularen, elitaeren, zentralisraelischen Sichtwinkel:
“Die Welt der ideologischen Siedler ist eine geschlossene Gesellschaft. Sie leben fernab von der israelischen Gesellschaft. Mit ihrer Mission jedoch bestimmen sie seit Jahrzehnten die Politik des Landes.”
Aus einem religioesen, peripheralen Sichtwinkel haette man genausogut behaupten koennen:
“Die Welt der saekularen Elite Zentralisraels ist eine geschlossene Gesellschaft. Sie leben fernab von der israelischen Gesellschaft. Mit ihrer Mission jedoch bestimmen sie seit Jahrzehnten die Politik des Landes.”
Denn wirklich, viele Saekulare Israelis kennen eher London oder New York als eine Siedlung von innen. Viele von ihnen waren nie in der ‘Westbank’ und wuerden dort auch nie hinfahren. Wenn sie es doch mal aus irgendeinem bloeden Grund da hin verschlaegt, haben sie Angst und haben keine Ahnung was sie dort erwartet. Dafuer stellen sie aber die politischen und gerichtlichen Eliten und bestimmen die Politik des Landes. Und viele saekulare Zentralisraelis haben keinen Schimmer vom Judentum, dass fuer eine Mehrheit der Israelis einen wichtigen Teil in ihrem Leben bedeutet. Sogar erscheckend viele waren nie in Jerusalem oder an der Klagemauer. Ich denke, man koennte auch da von einer “geschlossenen Gesellschaft” sprechen, die sich “abschottet“.
Wenn man mir erzaehlt, dass die religioesen Israelis eine Gefahr sind, muss man mal hinkucken worauf Herr Scheider das gruendet. Zum einen sieht er eine Gefahr fuer Pluralismus und Demokratie, dann angeblich, weil Religioese nicht arbeiten und weil sie anscheinend schlecht fuer den Frieden sind. Weiter erklaert wird das nicht.
Es wird nur furchtsam ueber die Siedlungen gesagt “Wo soll das alles enden?” Also, dass Ende kann ein schlechtes sein und Schuld daran sind die Siedler.
Aber bevor ich aber auf diese Vorwuerfe eingehe, haette man auch einfach mal das saekulare Israel als Bedrohung fuer die Existenz Israels beschreiben koennen und waere damit wohl genauso nahe und entfernt von der Wirklichkeit:
Das untraditionelle, ultra-saekulaere Israel steckt in der Krise. Es ist ideologie- und phantasielos und relativistisch. Saekulare Schulen vermelden immer neue Negativrekorde. Es gibt mehr Gewalt. Dummheit macht sich breit. Kinder werden immer frueher zu Alkoholikern. Haschisch ist ihr Pausenbrot. Man ist desillusiniert. Sogar der Friedenshype ist irgendwie albern geworden. Die Wehrdienstverweigerer (z.B. die Schministim) nehmen unter ihnen zu. Sie haben keine Verbindung mehr zum Land, zum Judentum und wofuer das alles da sein soll. Sie wollen Spass, Geld, Mode, Weltbuergertum. Sie verlassen das Land, oder kaempfen gegen die Religion oder fuer die Rechte ihrer vielen Hunde. Ihre Geburtenraten sind niedrig. Sie wissen manchmal mehr ueber das Christentum als ueber das Judentum.
Wenn sie und ihre Weltsicht sich vermehren und durchsetzen wuerden, dann waere Israel doch bedroht oder nicht? Keine Soldaten mehr und wenn dann nur bekiffte oder besoffene. Sie toeten sich vielleicht sogar vorher in einer Messerstecherei. Oder aber geben den Staat auf Grund ihres Pazifismus’ gleich an Nasrallah ab, denn zum Kaempfen hat man eh kein Bock, ist ja auch egal, man kann auch einfach nach New York umziehen, ist eh cooler.
Aber davon kein Wort. Das bedroht den juedischen Staat nicht, sondern das gelebte Judentum bedroht ihn angeblich.
Und sowieso scheint her Schneider eine Grundannahme zu haben, dass Demokratie und Judentum zwei gegensaetzliche Pole sind. Wenn er wuesste, wie wichtig Demokratie und demokratische Entscheidungen im Judentum sind. Eine beruehmte Stelle im Talmud berichtet davon, wie sich eine Versammlung von Weisen Rabbinern in einer Torahauslegung weigerte, eine goettliche Stimme und “Fingerzeige” Gottes anzuerkennen, denn sie hatten mehrheitlich anders gestimmt.
Die furchbare Bedrohung der Huettenbauenden juedischen Maedels in der Westbank. Hedonismus der Tel Aviv Blase sei beschuetzt!!
Schneider tritt auf das Toyota Gaspedal seines schicken weissen Jeeps (vielleicht mal ueberpruefen lassen) und faehrt vom “21. Jahrhundert“, wie er sagt, anscheinend in eine Art Mittelalter fuer ihn.
Super fand ich aber, dass er zeigt, dass 20 Minuten von Tel Aviv schon die ‘Westbank’ losgeht und vielleicht so mancher Zuschauer versteht, dass es eine grosse strategische Gefahr darstellt, diese abzugeben. Noch besser fand ich, als er wie nix durch den Checkpoint faehrt und darauf hinweist, dass auf der anderen Seite haerter kontrolliert wird, das Video uns aber zeigt, dass dort nur wenige Autos stehen und anscheinend auch sehr schnell abgefertigt werden. Soviel zum Thema Checkpoint.
Auch super, wie er zeigt, wie aus staubigen Huegeln in nur wenigen Jahren die Siedler gruene nette Wohnoasen bauen. Auch das fand ich gut.
Dann das Treffen mit den jungen Siedlern. Das fand ich eher peinlich. Da kommen junge Maedels an, wandern durch die Gegend und Herr Schneider weiss schon, dass sie nicht einfach so wandern, naturverliebt und gesund oder so, sondern, nein, das Wandern allein schon ist ein halbkrimineller Akt:
“Die jungen Siedler wandern regelmaessig. So nehmen sie das Land buchstaeblich Schritt fuer Schritt in besitzt.“
Wenn man also demnaechst mal Deutsche im Spreewald wandern sieht, lasst euch nicht von der Idylle taeuschen, das ist in Wahrheit eine Besitztnahme von Sorbenland, Schritt fuer Schritt!
Das war echt ein Kracher. Er kommt nicht auf die Idee, dass die saekularen Playstation verwoehnten Kinder und Computerjunkees in Tel Aviv vielleicht etwas lernen koennten und mal ein bisschen an der Luft wandern zu gehen? Ich selbst rechne mich, wie gesagt, der nationalreligioesen Schicht zu und man geht viel und gerne wandern, nicht nur in Judea und Samaria, sondern ueberall in Israel, besonders zu den Chol HaMoed Feiertagen und dies ist auch eine uralte juedische Tradition und nicht eine nationalistische Demonstration, wie Herr Schneider es darstellt.
Die Maedels erzaehlen ihm sogar, wie sehr naturverbunden sie sich fuehlen und ich muss sagen, es ist schon eine Leistung aus ein paar netten frohelichen unbewaffneten Jugendlichen eine extreme Bedrohung zu konstruieren. Vielleicht haette er mal zu Hisb’Allah- oder Hamas-Jugend gehen sollen und die fragen, was sie so denken. Die lernen nicht Sperrholzhuetten zu bauen, sondern etwas ganz anderes und nicht sehr konstruktives.
Ich fand es auch super, dass Herr Schneider zeigte, dass diese Siedler eben die Olivenbaeume in Ruhe lassen und sie nicht abbhauen, wie immer wieder gerne behauptet wird.
Sowieso sollte man mal hier ein Wort zur Liebe zum Land und seiner Natur sagen. Wenn man den Richterspruch Salomons anstatt auf ein Baby, auf das Land Israel anwenden wuerde und versuchen, anhand der in Taten gezeigte Liebe zu ihm, herauszufinden, wem es wirklich gehoert, wuerden die ‘Siedler’ gegenueber den ‘Palaestinensern’ klar gewinnen:
Man erzaehlt sich immer wieder, dass als damals Judea und Samaria erobert wurden, und man zum erstemal hineinfuhr, verstand warum man als Grenzbezeichnung von ‘gruener Linie’ sprach: Auf der israelischen Seite war es gruen und dahinter gelb-braunes Oedland… Seitdem sind Juden schon wieder fleissig an Ergruenungsprojekten. Man kann Siedlungen oft aus der Ferne von arabischen Doerfern an der Vegetation unterscheiden.
Erst vor kurzem wurde veroeffentlicht, dass Juden in den letzten hundert Jahren in Israel ca. 240 Millionen (!) Baeume geplanzt haben. Ich moechte hier mal behaupten, dass nicht mal in den 1300 Jahren islamischer Herrschaft so eine Zahl angepflanzt wurde, im Gegenteil, der Baumbestand sank.
Wer Israel kennt, weiss wie verwahrlost arabische Doerfer oft sind, wie egal es den Leuten dort ist, ob sie grosse Muellhaufen vor der eigenen Haustuer oder in der Natur haben oder nicht.
Kleine Anekdote dazu: Ich fuhr mal mit einigen befreundeten ‘Siedlern’ im Fruehling zu einem kleinen malerischen Fluesschen in Judea, um Picknick zu machen. Den Nationalreligioesen ist die Natur so wichtig, dass sie immer schoen Plastiktueten mithaben, um dem Muell einzusammeln. Manchmal sammeln sie auch fremden Muell, um ihr schoenes geliebtes Land sauber zuhalten. Als ich mal eine Blume pflueckte wurde ich entsetzt angeschaut. “Das weiss doch jedes Kind, dass diese Blumen selten sind und nicht geplueckt werden duerfen.” Sorry.
In der Naehe sassen auch arabische Familien, die grillten. Wir sahen, wie eine arabische Frau eine leere Grukendose einfach in den kleinen Bach schmiss, als sie zusammenpackten. Die Dose trieb zu uns runter und einer von uns fischte sie raus und brachte sie zu der arabischen Familie zurueck mit der Bitte um artgerechte Entsorgung. Die Reaktion?
Zuerst einmal log man. Die Dose waere gar nicht von ihr. Dann als er sagte, dass wir es aber gesehen haben, wie sie die Buechse ins Baechlein warf, gab die kopftuchtragende Frau diese faszinierende Antwort, die mir manchmal noch durch den Kopf schwirrt:
“Da muss sich der Staat drum kuemmern.“
Das war grossartig! 1. Ich verschmutze. 2. Ich luege und streite es ab. 3. Ich bin ‘ueberfuehrt’ und sage, dass es doch okay ist, wenn die Leute Dinge wegschmeissen, dass ist doch Sache des Staates das aufzuraeumen. (Wir reden nicht von einer allmorgentlich gereinigten Grossstadt, sondern von einem Stueckchen Natur draussen in Judea.) 4. Welchen Staat meinte sie? Den juedischen Staat Israel?
Anyway, was ist so schlimm daran sein Land zu lieben, seine Natur, gerne in ihm zu wandern? Fuer Herrn Schneier ein Anzeichen von “Inbesitznahme”.
Schneider zeigt sich auch bedrueckt und erschrocken, dass man ueberall Siedlungen sieht und neue gebaut werden. (Fuer mich eher ein Zeichen der Hoffnung, aber egal.) Kein Wort darueber, dass die arabische Seite das Gleiche tut, hier ein Huegel, dort ein Huegel, und verbinden von bestehenden arabischen Doerfern, beduinischen ‘Aussenposten’ und Einkesseln von juedischen Siedlungen, wie ich es selbst z.B. im Jerichoer Bereich ueber laengere Zeit verfolgen konnte. Mag Herr Schneider die Siedlungen kritisieren, aber zumindest ist das kein Spielchen nur von juedischer Seite. Mit einem Unterschied sogar: Die arabischen und beduinischen Blechhuetten reisst die israelische Armee nicht so einfach ab.
Und: Auch die Araber erheben einen alleinigen Anspruch ueber das Land. Auch lustig, wie er sagt, dass die juedischen Siedlermaedels ganz ausblenden, dass die ‘Palaestinenser’ auch einen Anspruch auf das Land haben. Genau, weil die blenden das sicher nicht aus…
Schade, dass man hier nicht mal zum Verlgeich in einem arabischen Dorf ein paar Interviews gefuehrt hat.
Dann das Gerede ueber das ‘Koenigtum Israel’. Fand ich ein bisschen komisch, da ich dies nicht als thematisiert kenne. Ja, man will einen juedischen Staat, ja, religioese Gesetze, San Hedrin eventuell, aber warum gleich Koenigtum? In der Bibel wird das eher vorsichtig negativ pragmatisch betrachtet und auch so in Israel gelehrt. Jedenfalls da wo ich war.
Ich finde es auch lustig, wenn man so nach den ‘radikalen’, ‘fundamentalistischen’ Siedlern sucht und wenn sie eine Rede halten, dass gleich mit “Gefuehle aufpeitschen” beschreibt. Ich konnte da keine grossen boesen, menschenverachtenden, rassistischen oder andere Reden entdecken. Also wenn das die superboesen Hardline-Siedler sind, dann hab ich echt keine Ahnung wo vor alle Angst haben.
Kleine theologische Korrektion: Herr Schneider sagt, dass Gott sich in den Huegeln von Samaria “offenbart” hat. War das nicht eher am Berg Sinai? Und der ist nicht gerade um die Ecke.
Mehrmals laesst Herr Schneider journalistisch unsauber seine eigenen sarkastischen Vermutungen als Wahrheit dastehen: Z.B. als er sagt, dass der Abriss des Aussenpostens eigentlich nur gemacht wird, um den Amerikanern mit den Bildern der zerstoerten Siedlung in den Abendnachrichten Friedensbereitschaft vorzugaukeln. Haeh? Das mag seine diffamierende Theorie sein, mit der Wirklichkeit muss es nicht etwas zu tun haben. Vielleicht ist diese Siedlung auch einfach ohne Genehmigung errichtet worden und wird deswegen abgerissen, auch ohne Amerikaner?
Dann fand ich auch interessant, das sowohl im ersten Teil mit den ‘Siedlern’ als auch im zweiten mit der Schass-Partei, von Interviewten angegeben wurde, dass ein Grund der Hinwendung zu Religion und Siedlungen die politische Lage ist und dass man sich politisch alleingelassen fuehlt. Was wuerde Herr Schneider zu dem Gedanken sagen, dass vielleicht die immer wieder bewiesene Unfreundschaft von europaeischen Staaten und anderen Teilen der Welt, die Leute so reagieren lassen? Sie wissen, dass sie dort keine Freunde haben, dass die Schweden und Spanier sie im Ernstfall nicht vor den Arabern in Schutz nehmen werden. Waere das nicht auch ein moeglicher Grund fuer Einiglung und Radikalisierung? Aber kein Wort davon hier…
Juedisch religioese Studien = Armut, Mittelalter und Unwissenheit
Anstatt den Wahlerfolg der Schass-Partei gegen eine echte oder wahrgenommene aschkenasisch saekulare Bevormundung und Diskreminierung als ein Zeichen und Beweis der funktionierenden Demokratie Israels zu deuten, wird es hier als eine Bedrohung dieser dargestellt.
Okay, ich kann Meinungsverschiedenheiten mit der Schass verstehen. Ich selbst hab meine eigenen Huehnchen mit ihnen zu rupfen, aber es ist etwas sehr einfach, sie als Sektengleiche Jugendfaenger darzustellen. Und was ist schlimm daran, Jugendliche von der Strasse zu holen und ihnen Werte und Normen wieder beizubringen? Der Junge, den Herr Schneider interviewt, war vorher auf der Strasse und jetzt hat er Arbeit als Kontrolleur, nachdem er Schass kennenlernte. Warum kommen nicht saekulare Organisationen und sorgen sich um Kinder und geben ihn einen Ausblick auf das Leben?
Herr Schneider scheint auch vollkommen davon ueberzeugt zu sein, dass Torahstudium gleich Arbeitslosigkeit und Armut bedeutet. Ein Jeschiwastudium heisst fuer ihn Sozialfall. Er hat keine Ahnung, dass die meisten fuer ein paar Jahre studieren und dann arbeiten. Gehen saekulare Kinder nicht auch fuer ein paar Jahre auf die Uni bevor sie Arbeit suchen? Wenn also in einer saekularen Schule Herr Schneider fragt, wieviele Kinder auf die Uni gehen wollen und alle die Hand heben, ist das ein Zeichen fuer deren kommende Arbeitslosigkeit?
Der Talmud spricht in den schaerfste Toenen davon, dass man sich selbst versorgen soll. Man soll lieber ein armes Schabbatmal essen und die niedrigste Arbeit annehmen, als von anderen abhaengig zu sein. (Babylonian Talmud, Tractate Bava Bathra, p. 110a; See also: Babylonian Talmud, Tractate Berachot, p. 17a;)
Und falls Herr Schneider es nicht weiss oder wissen will, religioese Israelis halten in den hoechsten Positionen im Lande mit, seien es Superaerzte, Richter, Offiziere, Geschaeftsmaenner, Forscher, was man will. Ich wuerde sogar tippen, dass das Talmudstudium aussergewoehnliche intellektuelle Faehigkeiten anerzieht, aber egal. Machen wir es uns einfach, wie Herr Schneider: Torah Studium = Primitivitaetszeugnis.
Selbst als man Herrn Scheider die saekularen Schulbuecher zeigt, will er ihnen nicht glauben. Passt nicht ins Weltbild?
Wir wollen lieber nicht noch zu sehr damit verwirren, dass Statistiken gezeigt haben, dass religioese Schulen in Israel besser als saekulare Schulen abschneiden, und zwar nicht nur in Disziplin, Gewalt unter Mitschuelern und Aehnlichem, sondern auch bei weltlichen Faechern wie z.B. Mathe.
Herr Schneider kritisiert aber nicht nur unbasiert, er hat auch besondere prophetische Faehigkeiten:
Der Junge “wird dem Studium der heiligen Schriften seine ganze Zeit widmen und wahrscheinlich beruflich nicht weiter kommen. Dank Schass. Sicher ist, er wird immer Schass waehlen.“
Aber hier endet die prophetische Begabung noch nicht. Herr Schneider weiss jetzt schon sogar, ob und wieviele Kinder der Junge bekommen wird und er prophezeit sogar fuer die naechste Generation:
”Eines Tages wird er Kinder bekommen, viele Kinder, die werden dann ebenfalls Schass waehlen.“
In einem Land, wo man oft nicht weiss, was am naechsten Tag oder in der naechsten Woche passieren wird, ist das schon ein ziemlich beachtliches Talent.
Das spiegelt genau diese Einseitigkeit wieder. Wenn Herr Schneider sich wirklich einmal ein bisschen in der Saekularen und religioesen Gesellschaft Israels umgeschaut haette, haette er vielleicht mitbekommen, dass nicht nur die Grenzen fliessend sind, sondern auch die Akteure in einem staendigen Uebergang befinden. Wieviele Leute kenne ich, die frueher religioes waren und heute super-saekular, oder traditionell? Wieviele Supersaekulare, die heute traditionell oder religios sind? Wie viele Nationalreligioese, die ultraorthodox werden und umgekehrt. Ich selbst habe mal versucht mitzuzaehlen, aber im Ganzen kann ich wirklich nicht sagen, ob z.B. mehr Religioese dazukommen oder weggehen. Aber ich will Herrn Schneider nicht verwirren.
Den grandiosen Schlusssatz von Herrn Schneider lasse ich einfach mal unkommentiert, da ich sowieso schon das Meiste davon angesprochen haben:
“Tel aviv. Zurueck ins 21. Jahrhundert. Die Gottesfuertchigen sind auf dem Vormarsch und gefaehrden den Pluralismus und die Demokratie. Und sie erschweren einen moeglichen ausgleich mit den Palaestinenser.”
Dafuer aber mein alternatives Ende:
“Hoffnungsvoll komme ich zurueck im Wissen, dass es noch Menschen gibt, denen Israel und juedische Werte wichtig sind und die sich nicht von verirrten internationalen Rufen ins Verderben jagen lassen und den guten Ratschlag zum politischen Selbstmord hoeflich ablehnen. Sie erhoehen die Wahrscheinlichkeit des Ueberlebens diesen einzigartigen Staates.”
Fuer alle die das ganze gerne selbst beurteilen wollen, den Film aber verpasst haben:
Es gibt Wiederholungen:
-
am 5.2.2010 um 0:30 auf EinsExtra.
-
am 8.2.2010 um 14:30 im WDR.
P.S.: Vielleicht nicht so verwunderlich, dass das Palaestina Portal fuer den Film Werbung macht?

Zumindest hat er eingeräumt, dass Judäa und Samaria Israel sind.
Was die Siedler angeht, so ist es sehr leichtsinnig Kinder vor TV-Kameras zu lassen. Haben die keinen Pressesprecher, haben die keinen PR-Coach?
Hallo Uli,
ein interessanter Artikel. Auf der einen Seite der Herr Schneider als Vertreter der säkulären Sichtweise, der in der Gottesfurcht eine Bedrohung sieht. Und auf der anderen Seite du, als Vertreter der eher religösen Sichtweise.
Beide Sieten verunglimpfen sich auf das Äußerste und sehen jeweils eine gewisses Bedrohungpotntial im Anderen.
Was davon Fakten sind, kann ich kaum beurteilen. Aber es scheint mir als wenn sich ein Graben durch die israelische Gesellschaft zieht, der von beiden Seiten gerne noch ein wenig tiefer geschaufelt wird. Obwohl, meiner Meinung nach, keine Seite ohne die andere dauerhaft existieren kann.
Hallo Ben,
In Wahrheit sind die Gegensaetze nicht sooo gross, gerade eben, weil die Uebergaenge oft fliessend sind wie erwaehnt. Viele Israelis, wie ich z.b., leben in beiden Welten und haben Freunde aus beiden Welten und die Israelis wissen eigentlich gut damit auszukommen, nur wenn bestehende Status Quos gebrochen werden, gibt es Konflikte und die Grenzen und Beziehungen muessen neu ausgelotet werden. Aber eigentlich, denke ich, wird es schon gutgehen. Einen Buergerkrieg sehe ich nicht so schnell aufkommen, auch wenn das Siedlungsthema beide Seite sehr strapaziert. Eine aeussere Bedrohung ist sehr viel groesser und realer.
wie es scheint, sind nicht nur in Israel die “Gottesfürchtigen” auf dem Vormarsch, warum aber ausgerechnet die jüdischen so gefährlich sein sollen, erschliesst sich mir nicht, ich denke, hier soll ein Weg bereitet werden, jüdische Religiöse sind gleich zu setzen mit muslimischen Religiösen, sprich Extremisten, christliche Religiöse werden ja auch Hassprediger genannt, also alles, was Religiös ist, ist Extremistisch für Herrn Schneider, daß sich christliche und jüdische Extremisten nicht in die Luft sprengen, eben KEINE Hochhäuser mit geklauten Flugzeugen angreifen, keine Botschaften anstecken, keine Diskos, Busse ect. in die Luft sprengen übersieht Herr Schneider geflissentlich.
Fundstück dazu:
Unsere Entschuldigung
Nach der letzten Greueltat in Jerusalem hat US-Außenminister Powell die Palästinenser gedrängt, die Sache in irgendeiner Form zu verurteilen. Premierminister Mahmoud Abbas beschwerte sich daraufhin, dass immer nur von palästinensischer Seite verlangt wird, den Terror zu verurteilen.
Wie vorauszusehen war, ist in der palästinensischen Verurteilung des Anschlags zu lesen „wir verabscheuen den Mord an Zivilisten auf beiden Seiten“. Vielleicht haben die Palästinenser ja recht. Deshalb möchte ich die Sache richtig stellen und bedauere im Namen des jüdischen Volkes folgende Greueltaten:
1. alle jüdischen Selbstmordattentäter, die jemals gegen Araber vorgegangen sind.
2. alle arabischen Busse, die von Juden in die Luft gesprengt wurden.
3. alle arabischen Pizzerien, Einkaufszentren, Diskotheken und Restaurants, die von jüdischen Terroristen zerstört wurden.
4. alle Flugzeuge, die seit 1903 von Juden entführt wurden.
5. alle Ramadan-Festlichkeiten, die zum Ziel jüdischer Bomben wurden.
6. alle Araber, die in israelischen Städten gelyncht wurden; alle arabischen Olympiateilnehmer, die von Juden ermordet wurden; alle arabischen Botschaften, die von Juden gesprengt wurden.
7. alle Moscheen, Friedhöfe und religiöse Schulen, die von Juden in Nordafrika, Frankreich, Belgien, Deutschland, England oder irgendeinem anderen Land entweiht oder angezündet wurden.
8. die Zerstörung von militärischen und zivilen US-Einrichtungen in Kenia, Pakistan, dem Iran, Saudiarabien und im Jemen, sowie die Ermordung von US-Marinesoldaten und diplomatischem Personal.
9. alle jüdischen Schulbücher, die behaupten, Araber hätten Brunnen vergiftet, christliches Blut zum Backen von Pita verwendet, die Finanzwelt kontrolliert und Jesus ermordet; oder auch die Ältesten von Mekka träfen sich, um im Geheimen die Übernahme der Weltherrschaft zu planen.
10. Ganz besonders schäme ich mich dafür, dass meine jüdischen Glaubensgenossen am 11. September das Welthandelszentrum, den Pentagon und die zivile Luftfahrt angegriffen haben, während andere auf den Straßen getanzt und diese Tat gefeiert haben.
Prof. Stephen Berger, Tel Aviv Medical Center
Warum sollen Gottesfürchtige eigentlich nicht demokratisch denken können? Ich denke, die Systeme, die bis heute auf Sekulär und antireligiös getrimmt waren, waren schlimmer als jeder westlich orientierte Gottesfürchtige, siehe den Kommunismus, siehe den Sozialismus. Die Gefahren liegen heute nicht bei den jüdischen Religiösen, sondern bei den muslimischen Extremisten, ob Herr Schneider das nicht erkennt?
[...] Richard C. Schneider, ARD – der hat oft gute und wichtige Berichte aus Israel geschickt und war z.B. im „Hanukka-Krieg“ 2008/09 einer der ganz wenigen, die nicht so einseitigen Müll verbreitete. Aber immer wieder bricht auch bei ihm mal was durch, das von Ahnungslosigkeit und Vorurteilen kündet, die man bei ihm nicht erwartet. Und so reagierte er schon überempfindlich, als es eine Frage nach Klärung zu den Inhalten einer Dokumentation gab, deren Ankündigung in der ARD Ahnungen aufkommen ließ. Nachdem der Film jetzt lief, lässt sich sagen: Schneider pflegt seine Vorurteile und verzapft Unwissen. Jedenfalls wenn es um religiöse Juden in Israel geht. [...]
Herr Schneider lassen die Siedlungen nicht los…
http://www.tagesschau.de/ausland/videoblogschneider100.html
[...] erst lehrte er uns in seiner WDR Reportage das Fuerchten vor jugendlichen Siedlermaedchen in Sperrholzhuetten. Jetzt ist er mit dem weissen [...]
Jaja, die bösen frommen Juden:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,675622,00.html