Ulrich J. Becker, Kiryat Ono

 

Bei der ganzen Debatte und Berichterstattung um die Krise mit der Tuerkei wird leider oft ausgeblendet, dass diese Krise schon eine ganze Weile anhaelt und jetzt nur ein weiteres trauriges Tief erreicht hat.

Angefangen und immernoch angefacht hat es vor allem Herr Erdogan. Er war es, der der israelischen Selbstverteidigung gegen die Hamas als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagte. Er war es, der versuchte Peres oeffentlicht in Davos zu blamieren,  am Ende aber nur sich selbst mit kindliche Szenen und Geschwaetz laecherlich machte. Dann die Absage an traditionelle gemeinsame Uebungsfluege, dann die antisemitischen Filme, und jetzt wieder diese Serie, die schon an traditionelle Blutluegen erinnert (boese Mossadmaenner entfuehren islamische Kinder in die israelische Botschaft, um sie dort zu schlachten).

Aber das Wichtigste, war wohl die letzten hassvollen Saetze Erdogans in Libanon, wo er Israel wiedermal als das grosse unmenschliche Problem der Region darstellte.

Natuerlich waere Israel wirklich ohne jegliche Selbstachtung, wenn es nicht regiert haette.

Und jetzt mal ein Bilderbuchbeispiel, wie man Israel kritisiert, ohne antisemitisch zu werden: So sehr man sich auch ueber die heutige Tuerkei aergern kann, ich fand diese oeffentliche Vorfuehrung des tuerkischen Botschafters wirklich unpassend und ueberfluessig. Was haben wir davon, ausser dass sich einige ihr Ego befriedigen? Aber, warum in die Tiefen eines persoenlichkeitsgestoerten Erdogan abrutschen?

Erdogan hat sowieso bewiesen, dass sich die Tuerkei aus dem westlichen Block verabschiedet hat und jetzt mit Iran, Syrien, Venezuela und Co. spielen geht.

Ich waere dafuer gewesen, mit kaltem Kopf und in Ruhe so gut wie alle Verbindungen zur Tuerkei zu kappen, militaerische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und sie von nun an als unfreundlichen Staat zu betrachten und in keine Vermittlerrollen oder Aehnliches mehr zukommen zu lassen.

Man sagt, dass Lieberman urspruenglich aus Protest den israelischen Botschafter aus Ankara abzuziehen wollte, was aber Bibi nicht zulassen wollte. Andere sagen, dass Lieberman Ehud Baraks baldige Tuerkeireise vermiesen wollte, nachdem dieser dem College in Ariel (“Westbank”) nicht den Universitaetsstatus anerkennen wollte, wofuer Lieberman sich eingesetzt hatte. Anyway, so sehr ich Lieberman hier verstehe und so sehr ich denke, dass Barak oft sehr links und gefaehrlich fuer Israel ist, den tuerkischen Botschaft so forzufuehren, sollte einfach nicht israelischer Standard sein. Vor allem, wo im Judentum eine oeffentliche Blamage aehnlich einem Mord gewertet wird und strengstens zu vermeiden ist. Haette man nicht mit eindeutigen Handlungen oder Drohungen hinter geschlossenen Tueren mehr erreicht? Schade.

Was aber nichts daran aendert, dass die Tuerkei die Hauptschuld an dieser ganzen Misere traegt und der Grund hierfuer ihre zunehmende Annaehrung an den Islamismus und an den Iran sind. Und alle Artikel, wie bei der Tagesschau, die bei den ekelhaften und antisemitischen Angriffen aus der Tuerkei bis jetzt geschwiegen haben, und jetzt ploetzlich wo Israel mal etwas deftig, aber immernoch im Diplomatischen reagiert, ploetzlich alle unbedingt berichten muessen, sind einfach unehrlich.



32 Comments to “Die Tuerkenschlacht – Wenn Erdogan Mist baut, ist’s halb so wild… Oder: Turkey, Welcome to the Axis of Evil!”

  1. Roman says:

    Die Tagesschau hat die antisemitischen Auswüchse zumindest erwähnt: http://www.tagesschau.de/ausland/israel792.html

    Von der Materie haben sie aber trotzdem keine Ahnung. Tal der Wölfe ist ja eine nicht ganz so junge Fernsehserie, der Film lief auch in den deutschen Kinos! Bei den jüngsten Auswüchsen geht es aber um eine andere Reihe, von anderen Machern und anderen Konflikten.

  2. Tobias says:

    Ich glaube, wir sind uns drüber einig, dass beide Seiten ihre Schuld haben. Allerdings kenne ich die Serie nicht und kann daher die Schwere der “Hetze” nicht beurteilen. Allerdings haben Kommentatoren auf (von euch so verhasst) tagesschau.de schon recht, wenn sie auf das nicht gerade zimperliche, aber doch akzeptierte Hollywood verweisen.

    Worüber ich also anderer Meinung bin, ist die Gewichtung der Schuld. Beziehungs-Kriese hin oder her – so ein Verhalten wie das eures Außenministeruims ist absolut lächlerlich und erinnert mich stark an Charlie Chaplins “Hinkel”-Hitler. Wenn also diese Serie im privaten türkischen Fernsehn wirklich sehr, sehr antisemitisch ist und wenn auch vorige Gesprächsversuche nichts bewirkt haben, dann ist bei diesem Vorfall trotdem das israelische Außenministerium der Dümmere.

  3. Ulrich J. Becker says:

    Na klar, werden jetzt auch Dinge ueber den Hintergrund der Geschichte berichtet, aber vorher wurde es nicht eines Artikels wuerdig geachtet, z.B. als Ankara demonstrativ die gemeinsamen jaehrlichen Luftmanoever absagte und Israel als Verbrecher bezeichnete. Das war okay und nicht weiter der Rede wert. Jetzt, wenn ein israelischer Chefdiplomat ein bisschen durchdreht, ist es natuerlich einen Artikel wert, schliesslich ist er Israeli und Erdogan nur ein Tuerke…?
    Und Tobias: Die Serie ist uebel und man kann Teile in Youtube finden, aber aussenpolitisch viel wichtiger: Erdogan haut seinen eigentlichen Verbuendeten immer wieder in den Bauch. Es war klar, dass das Verhaeltnis Israel-Tuerkei leider an einem Ende sind. Schade, dass Israel jetzt der Tuerkei einen Anlass fuer Scheinkulisse gegeben hat, sodass so getan wird, als wenn Israel daran Schuld war. Die Tuerkei will einfach auf der iranischen Hochzeit tanzen und nicht auf der israelischen. Das ist verdammt gefaehrlich fuer Israel, aber Israel sollte es schnellsten kapieren und die Konsequenzen ziehen und vielleicht kriegt es Obama auch in ein paar Jahren mit ;)

  4. Roman says:

    @Tobias: Naja, mein Außenminister ist immer noch Westerwelle. Ich wüsste auch nicht, dass Hollywood gegen die Türkei oder sonstige muslimische Staaten hetzt. Hast du Beispiele?

    Einen Ausschnitt aus der aktuellen Serie kannst du auf meiner Seite finden:

    http://blog.maschiach.de/15-10-2009/tuerkei-hetzt-weiter-gegen-israel/

    Das hat mit Freiheit der Kunst nichts mehr zu tun, das ist staatlich finanzierte Hetze. Der Botschafter ist also richtig ausgewählt worden.

    Vielleicht hätte man es aber genau so machen sollen und hätte einen Film über die durchaus realen Verbrechen der Türken drehen sollen? Etwa über die 30 000 ermordeten Kurden? Ein Sujet könnte sein: Türkische Soldaten machen Döner aus kurdischen Kindern und verkaufen sie dann an türkische/kurdische Mütter in Berlin-Kreuzberg. Nein, doch lieber nicht, das ist irgendwie nicht “unser” Stiel.

  5. Sinan says:

    Liebermann hätte keinen besseren Weg gefunden den Türken seine Meinung zu äußern. Leider, muss ich gestehen!

    Fakt ist, der Antisemitismus im türk. Fernsehen hat deutlich zugenommen bzw. wird seit jüngstem auch intensiv in der #1-Serie “Tal der Wölfe” thematisiert. Link zur bes. Szene: http://www.yazete.com/Iste-o-sahneler_34451.html

    Die Tendenzen zum medientauglichen Anti-Semitismus im türk. TV könnte man durchaus den islamischen Sympathien der Macher zuweisen, aber auch als gekonnte Geldmacherei bewerten. Es ist einfacher geworden Israel mit Vorwürfen zu konfrontieren oder die Notwendigkeit ist gestiegen, je nach dem wie man das sehen möchte.

    Erfolgreich ist die Serie mit dieser populären Linie in jedem Fall, das belegen die wöchentlichen Quoten. Das spricht auch dafür das mit diesem Medium ein breites Spektrum in der Bevölkerung erreicht wird. Das wiederum bedeutet eigentlich nur, das Liebermann genau wusste wem er “ans Bein pinkeln” würde, wenn er die politische Ehre einer Nation zertritt: dem türk. Zuschauer der die Inhalte zumindest toleriert bzw. billigt. Ankara signalisiert schon Eigenkritik aber verlangt auch eine Wiedererlangung der politischen Würde.

    Noch ein Zitat von einem weisen Mann: “Das Gute an alten Freundschaften ist, dass man sie oft genug auf die Probe gestellt hat. Masel tov!

  6. Ulrich J. Becker says:

    Sinan, danke fuer die Einblicke und den Link. Ich denke, die Serie ist wiedermal ein gutes Beispiel dafuer, wie eigene “Suenden” den Juden angelastet werden, indem man diese als Terroristen und Kidnapper darstellt.
    Anyway, ich denke auch, dass das tuerkische populaere Fernsehen in den letzten Jahren in einen Verschwoerungswahn versinkt, der sehr oft mit Antisemitismus gekoppelt ist und sogar ins tuerkische Kino kam.
    Und ich denke auch, dass Israel harte Konsequenzen ziehen sollte (vor allem auch wegen den politischen Entwicklungen), aber warum dieser Eiertanz mit Ehre und sowas? Einfach Beziehungen abbrechen, ohne Egotheater haette mir besser gefallen.

  7. tw_24 says:

    Als Benjamin Netanjahu im vergangenen November die Vereinigten Staaten besuchte, ließ die US-Regierung ihren Alliierten zunächst lange auf die Zusage eines Gesprächs mit Präsident Barack Hussein Obama warten. Und als es schließlich dazu kommen sollte, gab es für Benjamin Netanjahu, der in der Dunkelheit kommen mußte, keinen offiziellen Empfang mit Photographen und nur einen Nebeneingang zum Verlassen des Weißen Hauses.

    Wenig später wurde der libanesische Präsident Michel Suleiman im Weißen Haus begrüßt. Er durfte als Vertreter eines Staates, der gerade der Hisbollah, die er doch entwaffnen sollte, ein Recht auf Bewaffnung zugebilligt hatte, den Haupteingang nutzen und um “richtige” Waffen bitten, ohne einen Rauswurf befürchten zu müssen. Skandalisiert wurden weder die Brüskierung Israels durch den US-Präsidenten, noch die erstaunlich “normale” Behandlung eines Präsidenten eines Staates, der offen gegen die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 ignoriert.

    Das zeigt, daß Verstöße gegen “diplomatische Etikette” vermutlich nicht unüblich sind, aber nicht weiter bemerkenswert, treffen sie Vertreter Israels. Sollte hingegen Israel als “Täter” auftreten und zu zeigen, daß es sich eben nicht alles gefallen läßt, ist die Aufregung grenzenlos und wird darüber der Auslöser, Antisemitismus in der Türkei und der türkischen Regierung, “vergessen”. Wer noch nicht wußte, was Double Standards sind, kann sie hier ganz wunderbar besichtigen.

  8. Roman says:

    Ulrich, nicht ins türkische Kino! Ins deutsche Kino! Tal der Wölfe lief in deutschen Kinos und ista auf DVD zu haben.

  9. Ulrich J. Becker says:

    Wenn man wie Herr Erdogan gerade von Israel als “Gefahr fuer den Weltfrieden” spricht, ist der Zug eh schon abgefahren…

  10. Roman says:

    Naja, dabei mordet die Türkei mit israelischen Waffen ja ganz schön und hält nebenbei auch syrisches Gebiet besetzt (Iskanderun). Das ist aber keine Tagesschau-Meldung wert :)

  11. Ulrich J. Becker says:

    Was ich auch nicht kapiere: Bevor man Israel irgendetwas in Bezug auf “pal. Staat” vorwerfen koennte, muesste man sich erstmal ganz ordentlich um einen kurdischen Staat kuemmern, oder nicht? Der wirft nicht mit Steinen, sondern mit Felsbrocken im Glashaus…

  12. Roman says:

    Erdogan versucht es ja teilweise mit einem kurdischen Staat und spielt dabei mit dem Islam. Zu einer echten Aussöhnung langts aber trotzdem nicht.

    Das Kurden-Problem ist aber ein europäisches! Die Europäer müssen es mit Druck auf die muslimischen Staaten lösen. Das wird nicht getan und darüber wird seit Jahrzehnten geschwiegen.

  13. Roman says:

    Sorry, nicht mit Staat, sondern einer gewissen Autonomie.

  14. Tobias says:

    Wisst ihr, ihr habt ja alle recht, wenn ihr auf die türkische Regierung schimpft. Und die berühmte “Steine-Glashaus” Metapher ist hier sicherlich auch sehr angebracht. Und Erdogan mag auch “persönlichkeitsgestört” sein, nur muss man ihm seine Bemühen um eine Lösung im Kurden-Konflikt schon anrechnen.

    @Ulrich und Roman: Der Auschnitt auf Romans Blog ist wirklich übel (und unglaublich schlecht gemacht). Und das Verhalten der (ich nehme mal an israelischen) Soldaten ist wirklich sehr unmenschlich dargestellt. Aber ist das gleich Hetze? Immerhin sind israelische Soldaten nicht das Hauptthema. In einem James Bond Film, kann ich mich erinnern, ist der Staat (!!) Nordkorea der Böse. Im Kinofilm (!) “Operation Kingdom” kommen die Saudis eher schlecht weg. In einem der Rambo-Filme schießt Rambi stundenlang Massen von “bösen” Nordvieatnamesen über den Haufen. Bei “Chainsaw Texas Massacer” kommen die Texaner übelst brutal rüber. Regt sich da jemand auf?

    Ich stimme euch voll zu, die Serie is übermäßig brutal und extrem schlecht, aber es gleich als “staatliche Hetze” (Roman, vierter Kommentar) zu bezeichnen, zeigt mal wieder, wie gerne ihr euch als die Opfer darstellt.

  15. Roman says:

    Die Antwort nimmst du eigentlich schon vorweg. Bei Rambo gibts nicht gleich ein Pogrom auf Vietnamesen und ihre Läden. Nach Erdogans Auftritten sind in den türkischen Geschäften und Hotels gleich Juden unerwünscht.

    Außerdem solltest du meinen Beitrag besser lesen. Ich sagte nichts von staatlicher Hetze, sondern sprach von staatlich finanzierter Hetze. Das trifft auf die Serie zu, sie wird von der Türkei mitfinanziert.

    Der Staat Türkei spielt mit antisemitischen Ressentiments und diese führen zu direkten Handlungen, seitens der Religion des Friedens.

  16. Sinan says:

    Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

    Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat seit langem einen Spitznamen. Er lautet “Kabadayı”, was so viel heißt wie “Raufbold”. In der Tat ist der Ankaraner Regierungschef jemand, der keinem Streit aus dem Weg geht. Allerdings vergisst er dabei manchmal, dass auf politischem Parkett Rüpeleien nicht gut ankommen und sie sich oft als Bumerang entpuppen.

    Ein gutes Beispiel war seine Entgleisung beim letztjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Da nämlich griff er Israels Präsidenten Schimon Peres polternd an wegen der von Jerusalem durchgeführten Gaza-Offensive. Der türkische Premier spielte sich als Anwalt seiner muslimischen Glaubensgeschwister in Palästina auf und verließ nach einem kurzen, aber heftigen Wortgewitter die Bühne.

    Abgesehen davon, dass ihn einige übertreue Anhänger in Istanbul als Helden empfingen, ging Erdogan eher als Verlierer aus der Angelegenheit. Sein Image hatte nämlich empfindliche Kratzer bekommen. Dabei hatte sein Anliegen durchaus eine gewisse Berechtigung. Denn die israelische Militäraktion war international sehr umstritten, wie ja später der Goldstone-Bericht der Vereinten Nationen zeigte.
    Distanz zwischen Israel und Türkei wächst

    Die Entgleisung Erdogans war der Auftakt einer wachsenden Distanz zwischen Israel und der Türkei. So lud Ankara im Spätsommer israelische Militärs vom Militärmanöver “Anatolischer Adler” aus. Zudem strahlten türkische Fernsehkanäle mehrfach nationalistische Rambo-Serien aus, in denen es immer wieder zu unappetitlichen und deutlich anti-israelischen Szenen kommt.

    Eine dieser Serien hat nun der israelische Vizeaußenminister Danny Ayalon zum Anlass genommen, der Türkei eine Lektion zu erteilen. Er bestellte den türkischen Botschafter Ahmet Oğuz Çelikkol ein und demütigte ihn vor laufenden Kameras, in dem er ihn auf einem niedrigeren Sofa Platz nehmen ließ, ihm bewusst den Handschlag verweigerte und lediglich die israelische Flagge auf den Tisch postierte, statt wie üblich die Flagge von Gastgeber und Gast.
    Eklat könnte auf Israel zurückfallen

    Was Ayalon der Öffentlichkeit demonstrierte, hatte nicht nur Erdogansches Format, es ging deutlich darüber hinaus und verletzte zudem klar internationale diplomatische Gepflogenheiten. Darüber hinaus dürfte es ähnliche Folgen wie die Erdogan-Rüpeleien haben, nämlich den Bumerang-Effekt.

    Die Türkei ist das einzige Land im Nahen Osten, mit dem Israel bislang Freundschaft pflegte. Sollte diese nun zerbrechen, könnte das für Jerusalem einen größeren Schaden bedeuten als für Ankara. Die Türkei hat nämlich in den vergangenen Jahren die Beziehungen zu fast all ihren Nachbarn verbessert, was für Israel bedauerlicherweise nicht gilt. So gesehen dürfte der öffentlich inszenierte Eklat von Vizeaußenminister Danny Ayalon recht kurz gedacht sein.”

  17. Ulrich J. Becker says:

    ULRICH W. SAHM – Israel entschuldigt sich
    Jerusalem, 13. Januar 2010 – Der israelische Vize-Außenminister Dany Ayalon hat ein Entschuldigungsschreiben wegen der Erniedrigung des türkischen Botschafters in Tel Aviv nach Ankara geschickt. Staatspräsident Schimon Peres und Premierminister Benjamin Netanjahu hatten Ayalon unter Druck gesetzt, sich förmlich bei der Türkei zu entschuldigen. Mit dem Einverständnis von Außenminister Avigdor Lieberman, der zur Zeit Zypern besucht, habe Ayalon den Brief geschrieben. Am Morgen hatte Ayalon verlauten lassen: “Mein Protest gegen die Attacken der Türkei auf Israel bleiben gültig. Dennoch ist es nicht meine Art, die Ehre des Botschafters zu verletzen. In der Zukunft werde ich mein Position in einer diplomatisch akzeptablen Form vortragen.“ Diese Verlautbarung Ayalons enthielt keine förmliche Entschuldigung und reichte deshalb den Türken nicht aus, um den jüngsten diplomatischen Eklat zwischen beiden Ländern beizulegen.
    Zuvor hatte der türkische Außenminister ein Ultimatum für 20 Uhr MEZ gesetzt. Falls Israel sich nicht entschuldige, würde der Botschafter aus Tel Aviv abberufen. Das Entschuldigungsschrieben ging nach israelischen Medienberichten etwa eine Stunde vor Ablauf des Ultimatums gegen 19 Uhr MEZ in Ankara ein.

  18. Tobias says:

    Entschuldige, Roman. Ich hab falsch zitiert, ich meinte natürlich “staatlich finanzierte Hetze”. Und auch dieser Ausdruck ist einfach zu hart.

    Aber egal, das Thema is ja so zeimlich beigelgt, Israel hat sich entschuldigt, sehr anständig von ihnen und die Türken sollten über diese ohnehin elendig schlchte Serie nochmal nachdenken.

  19. Ulrich J. Becker says:

    Der genaue Wortlaut des Entschuldigungsbriefes:

    http://my.ynet.co.il/pic/news/13.01.10/Turkish%20ambassador.doc

    January 13, 2010

    H.E. The Ambassador of Turkey
    Mr. Ahmet Oguz Celikkol

    His Excellency,

    I wish to express my personal respect for you and the Turkish people and assure you that although we have our differences of opinion on several issues, they should be discussed and solved only through open, reciprocal and respectful diplomatic channels between our two governments.

    I had no intention to humiliate you personally and apologize for the way the demarche was handled and perceived. Please convey this to the Turkish people for whom we have great respect.
    I hope that both Israel and Turkey will seek diplomatic and courteous channels to convey messages as two allies should.

    Sincerely,

    Danny Ayalon
    Deputy Foreign Minister of Israel

  20. Ulrich J. Becker says:

    Ich denke, es ist gut, dass sich Ayalon bei dem Botschafter entschuldigt. Und jetzt duerfte man vielleicht von Erdogan eine Entschuldigung dafuer verlangen, Israel als “groesste Gefahr fuer den Weltfrieden” bezeichnet zu haben? Sollte man vielleicht auch ein Ultimatum von – sagen wir mal – morgen 20.00 Uhr festlegen?

  21. Sinan says:

    Wenn das nicht international als lächerlich eingestuft wird, kann man es ruhig versuchen. Aber ich glaube das mutiert zu einem Teufelskreis ^^

    Übrigens: Google blamiert China ohne sich entschuldigen zu müssen. Die Welt feiert Google, merkst du etwas?

  22. Roman says:

    @Tobias:

    Entschuldige, Roman. Ich hab falsch zitiert, ich meinte natürlich “staatlich finanzierte Hetze”. Und auch dieser Ausdruck ist einfach zu hart.

    Wenn dir die Realität zu hart ist, dann kann ich da leider auch nichts für.

    @Sinan

    Wenn das nicht international als lächerlich eingestuft wird, kann man es ruhig versuchen. Aber ich glaube das mutiert zu einem Teufelskreis ^^

    Ja, ja alle müssen sich bei der ewig beleidigte Religion des Friedens entschuldigen, andersherum ist es natürlich nur all zu lächerlich.

  23. Tobias says:

    :-D
    Und schon wieder seid ihr die Opfer und immer machen sich alle andauernd über euch lustig.

    Es erscheine mir tatsächlich lächerlich, wenn Israel jetzt auch ein Ultimatum verlangen würde. Aber weniger weil die Aktion alleine gesehen lächerlich wäre (wie z.B. die Demütigung des Botschafters), sondern weil es im gesammten betrachtet eine “Auge für Auge, Zahn um Zahn” Aktion wäre. Sowas kommt erstens total unkreativ und zweitens wurde solch eine primitive Mentalität doch schon längst von fortschrittlichen und aufgeklärten Ländern wie Israel überholt, oder nicht? Aus diesem Grund würde ich tatsächlich über die israelische Regierung lachen.

    Thema Google: Ich bin kein Fan von Google, aber sich aus China zurück zu ziehen weil sie dort ihre Datenschutzrichtlinien und meinungsfreiheitlichen Ideale nicht einhalten können, verstehe ich sofort. Außerdem darf man China in Sachen Zensur doch blamieren. Oder seid ihr etwa der Meinung, das China in dieser Hinsicht ein vorbildliches Land ist?

    @Roman: Unsere Wahrnehmungen der Realität liegen einfach, wie wir schon einmal festgestellt haben, recht weit auseinander. ;-)

  24. Sinan says:

    “Türkische Überheblichkeit ist fehl am Platz”

    Kommentar von Jewdy aus Tagesspiegel.de
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Tuerkei-Israel;art141,3002058

    “…

    Die Aktuelle Entwicklung ist sehr wichtig. Denn die Türkei ist nunmal, das Bindeglied zwischen Säkularismus und Religion im Staate. Auch wenns sich dieses Selten im Alltag zeigt.

    Ohne ein funktionierendes Verhältnis zwischen Türkei und Israel, wird ein Friedenprozess ungleich schwerer. Und diesen haben nunmal alle Verdient. Alle Seiten.

    Das die Israelische Regierung nicht unschuldig an der aktuellen Situation ist, ist klar. Denn Sie bringt durch Ihren Harten Kurs, die Türkei in Bedrängnis. Auf der einen Seite stehen Symphatisanten für die Palastinänser und auf der anderen Seite soll sie als Vermittler auftreten. Zwischen der Israelischen und Arabischen Seite. Damit die Türkei nunmal Ihr Gesicht nicht verliert und beide Seiten bedienen kann, muss Sie aktuell Kritik üben.
    …”

  25. Roman says:

    weil es im gesammten betrachtet eine “Auge für Auge, Zahn um Zahn” Aktion wäre.

    Du hast keinen Schimmer, was diese Regel aussagt. Es hält dich trotzdem nicht davon ab, dich hier zu blammieren.

    @Sinan:

    Das die Israelische Regierung nicht unschuldig an der aktuellen Situation ist, ist klar.

    Soll sich Israel jetzt für die antisemitischen und von der türkischen Regierung mitfinanzierten Streifen jetzt auch entschuldigen?

  26. Tobias says:

    Ja, insofern verstehe ich die Türkei.

    Trotzdem muss auch die Türkei kritisiert werden, weil es nicht angeht, Israel immer wieder zu brüskieren in dem man sie kurzfristig von gemeinsamen Militärübungen ausschliest usw… Und sie sollte so viel Taktgefühl haben, ihre komische Serie da zu verbieten oder einzusschränken, wenns Israel so stört…

  27. Roman says:

    Nicht weil es Israel so stört, Schwachmatt..

  28. Tobias says:

    jaja, weils antisemitsch ist…
    (obwohl die “Hetze” doch eher gegen israelische staatliche Einrichtungen geht, was ja dann meiner Meinung nach nicht unbedingt was mit dem Judentum zu haben müsste)

  29. [...] Problem Türkei (in Sachen Israel) beschreibt Ulrich J. Becker auf aro1. Wobei es an Außenminister Lieberman einiges zu kritteln [...]

  30. Yael says:

    “Im Gefängnis entnimmt ein jüdischer Arzt Gefangenen Nieren und andere Organe, um sie nach Tel-Aviv, London und New York zu versenden. Bereits im H(ar)ilton-Luxushotel hatte ein durch Schläfenlocken und schwarzen Kaftan erkennbarer Jude nach dem Auftritt der Helden die Szene verlassen.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tal_der_W%C3%B6lfe_%E2%80%93_Irak

    Antijüdisches Klischee
    Viele Menschen erklären die Politik Israels gegen die Palästinenser mit typisch jüdischer Rachsucht – und sitzen damit einem christlich inspirierten Vorurteil auf. Denn in der Thora ist “Auge für Auge” zu lesen, nie “Auge um Auge”. Ein Essay zur Klärung einer Differenz

    http://www.hagalil.com/judentum/rabbiner/bollag.htm

    Auge um Auge

    Wie Nahost-Kommentatoren mit einem biblischen Zitat umgehen

    Von Richard Chaim Schneider
    Süddeutsche Zeitung, 13.4.02

    http://www.nahost-politik.de/israel/bibel.htm

  31. Yael says:

    “@Tobias: Naja, mein Außenminister ist immer noch Westerwelle.”

    Auch Bubis hat damit seine Erfahrungen machen müssen. Seine Antwort ist das Zitieren immer wieder wert.

    „Der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, erhielt von der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth eine Glückwunschkarte zu Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, mit der sie ihm Frieden für sein Land wünschte. Er antwortete, er freue sich sehr über ihre Karte und schließe sich ihrem Wunsch nach Frieden gerne an.
    Allerdings könne er sich an den letzten Krieg in Hessen nicht erinnern, der hessisch-bayerische Krieg liege doch nun auch schon wieder viele Jahre zurück.“

    :D

  32. Tobias says:

    Bitte?
    Woher soll ich denn wissen, dass Roman in Deutschland lebt?

    Die Antwort von dem kerl ist aber wirklich ziemlich gut ;)

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