Arye Sharuz Shalicar, Jerusalem


Immer mal wieder fuehle ich mich gezwungen ueber den Geburtsort meiner Eltern zu schreiben. Iran. Das insbesondere weil ich in Israel lebe und mit vollem Stolz fuer die israelische Armee arbeite. Aber auch, weil die Lage sich unuebersehbar zuspitzt.

Iran vs. Israel – Israel vs. Iran…noch vor wenigen Jahren haette ich mir nie und nimmer vorstellen koennen, dass gerade diese beiden Laendern, mit denen ich persoenlich verbunden bin, sich oeffentlich demuetigen und bedrohen und nur die wenigsten an einen friedlichen Ausgang dieses Duels glauben. Alles weist auf einen moeglichen und vielleicht sogar baldigen Konflikt hin. Niemand weiss jedoch wann und vor allem wie er ausgetragen wird. Zwischenzeitlich ruestet man sich auf und bereitet sich auf das Uebelste vor.

Am 9. Januar hat The Economist einen ziemlich (zumindest mich deprimierenden) Artikel veroeffentlicht mit dem Titel “The gathering Storm”. Im vierten Absatz heisst es da: If Iran gets nuclear weapons, the Middle East will look like hell,” says one senior Israeli official. “I cannot imagine that we can live with a nuclear Iran.” For Israel, 2010 is the year of decision…

2010 ist jetzt. Heute. Morgen. Bald.

Ich frage mich schon seit enormer Zeit wie es ueberhaupt soweit kommen konnte. Wie kann es sein, dass ein Land wie Iran, das noch vor wenigen Jahren nichts zu melden hatte im “internationalen Spiel” und definitiv nicht unter den 20 Top-playern war, ploetzlich im Zentrum des Weltgeschehens steht? Ploetzlich ist wahrscheinlich uebertrieben, aber der Prozess war klar mitverfolgbar, oder? Ich meine, jeder, der die letzten Jahre interessiert war am Weltgeschehen, hat mitbekommen, ob er wollte oder nicht, dass die westlich-freie-demokratische Welt ihren Krieg gegen den internationalen Islamismus/Terrorismus zuerst im Irak, dann in Afghanistan, und mitlerweile, unter anderem, auch in Pakistan und Jemen kaempft. Iran wurde dabei uebersehen, vielleicht nicht ernst genommen. Vielleicht weil Iraner keine Araber sind? Vieleicht weil Iraner Schiiten sind? Keine Ahnung. Kann sein. Muss aber nicht. Vielleicht wusste der Westen, dass Iran nicht einfach mal so ueberrollbar ist. Ausserdem hat die iranische Fuehrung nie wirklich den Westen runtergezogen, bedroht oder angegriffen (jedensfalls nicht oeffentlicht). Die Ayatollahs haben sich “nur” offen gegen den zionistischen Staat ausgesprochen. Israel sei auszuradieren. Israel ist ein Verbrecherstaat. Israel Israel Israel…wie besessen geht es im Iran mitlerweile fast ausschliesslich um den winzigen Staat der Juden.

Iran spielt ein Spiel und es spielt es ziemlich gut. Iran ist sich sicher, dass ein sehr bedeutender Teil der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen mehr oder weniger die selbe Meinung ueber Israel hat. Iran´s Elite weiss auch, dass die Welt schwach ist. Schwach sich aufzustellen gegen einen Terrorstaat. Iran ist ein Terrorstaat per se. Und Sanktionen? Wen juckt das wirklich? Nord-Korea hat es ja schliesslich auch ueberlebt und lacht die Welt aus. Ist doch so, oder? Und sicherlich bin ich nicht der erste, der die ganze Situation ein wenig parallelisiert mit der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Apropos Polen. Apropos die Tchechoslowakei. Auch damals hat man daran geglaubt (oder auch nicht), dass Hitler spielt, bald wieder von seinem Hoehenflug runterkommt, an Krebs erkranken wird oder sonstwas…Fakt ist, dass die Alliierten einfach nicht in der Lage waren zu handeln.

Auch heute sind die “Alliierten” nicht in der Lage zu handeln. Hat man denn schon vergessen? Hat man denn keine Lektion aus Vergangenem gelernt?

Lektion hin oder her. Die Welt hat sich nunmal veraendert. Europa geht gerade im Pazifismus unter. Schaemt sich seiner eigenen Kultur und traut sich nicht dem internen Islamismus Grenzen zu setzen durch laengst ueberfaellige Integrierung und in bestimmten Faellen Abschiebung. Der Durchschnittsamerikaner ist Muede vom Irak und will auch nichts mehr ueber Afghanistan hoeren. Darueber hinaus tut US-Praesident B.H.Obama alles, um jedem angehenden Konflikt aus dem Weg zu gehen. So haelt man die Waehler gluecklich, denn nichts machen, ist im USA-Fall besser als sich in einen weiteren Konflikt reinsteigern.

Man hofft. Man betet. Auch in 1939 hat man gehofft. Vielleicht auch gebetet. Nichts sollte damals helfen. Nichts wird heute helfen, wenn man nicht bald aktiv wird. Zeichen muessen gesetzt werden. Auf den Tisch muss gehauen werden.Und wenn man nicht in der Lage ist auf den Tisch zu hauen, dann sollte man zumindest alles Moegliche unternehmen, um die “Green Movement” zu foerdern. Auch wenn nicht klar ist, wer wirklich hinter dieser Massenbewegung steht. Hauptsache man stuerzt die jetzige Fuehrung. Schlimmer kann es eh nicht werden. 


Fest steht, dass 2010 das entscheidende Jahr ist. Da hat The Economist wohl recht.








15 Comments to “1939 – 2010. Vieles hat sich veraendert. Einiges offensichtlich nicht!”

  1. Ulrich J. Becker says:

    Hey Arye. Super Artikel. Ich denke auch, im Iran is “Change” – im Gegensatz zu den USA – nur zum guten moeglich…
    Aber nicht vergessen, 1939 waren die Juden Freiwild, hatten keine eigenen Staat und Armee, diesmal kann es sehr sehr anders werden. Der ganze Staat Israel und die ganze zionistische Bewegung ist mehr oder weniger fuer diesen Moment erbaut worden, und diese Motivation duerfte es schwer werden zu brechen, selbst mit iranischen, syrischen etc. Rakten, Atombomben, Gas oder sonstwas. Sie unterschaetzen uns, wir unterschaetzen sie nicht. Wir haben keinen anderen Ort zu leben, ausser dieses Fleckchen und wir werden um unser kaempfen, waehrend sie nur fuer eine verbrannte Ideologie kaempfen. Wir werden sehen und sollten nur das beste hoffen und das ist erstmal, dass sie zur Vernunft kommen.

  2. Aro says:

    falls “the shit goes down”…ist voll und ganz klar, dass ein jeder hier sein Heimatland verteidigen wird…denn wie wir alle wissen, wir haben einfach keine andere…HEIMAT. und vertrauen koennen wir anscheinend leider nur uns selber…

  3. Roman says:

    Was hindert den Mossad, die CIA oder sonst wen, gezielt die iranische Führung auszuschalten? Es ist doch ganz einfach oder etwa nicht? Ein paar Raketen, Sprengsätze, vergiftete Steaks oder sonst was.

    Ich kapiers nicht.

  4. Sinan says:

    siehe Irak?

  5. Roman says:

    Ganz anderes Problem im Iran und dem Gazastreifen.

  6. Sinan says:

    hmm, ich denke der vielvölkerstaat iran könnte sich ohne die aktuelle führung noch schlechter verwalten lassen als der irak.

  7. Roman says:

    Ahja? Auf welche Daten stützt sich deine Aussage?

  8. CORE9 says:

    Ich glaube nicht, dass die (gewesenen) Strategen in Washington den Iran unterschätzt haben. Sieh dir an, wo Afghanistan und Irak auf der Landkarte liegen bzw. was dazwischen liegt. Ich fürchte nur, dass der Rückhalt in den USA für Israel unter Obama sinkt und Israel letzendlich selber entscheiden muss, ob es mit einem nuklear aufgerüsteten Iran leben will. Für mich betrüblich ist in diesem Zusammenhang die Feigheit besonders der europäischen Regierungen und ich befürchte hier hat sich die Einstellung breit gemacht, es sei besser Israel zu opfern in der Hoffnung, den politischen Islam zu besänftigen. Das ist ein Trugschluss, denn: stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu dir!

  9. Sinan says:

    intuition braucht kein empirischen datenmüll. ein blick auf die bevölkerungszahlen auf wiki reicht um zu sehen was “abgehen” könnte, wenn keiner mehr da ist der die souveränität des gegenüber anerkennt.

  10. Roman says:

    Na, eben dieser Blick hätte dir auch nicht geschadet. 90% Schiiten, eine fast homogene muslimische Bevölkerung, sowie eine sehr starke Opposition, die praktisch von heute auf morgen die Macht übernehmen und das Land steuern könnte.

    Man braucht nicht zu erwähnen was passieren würde, wenn der Iran als demokratischer Staat wiederauferstehen würde. Da würde sicherlich nicht nur Geld aus dem Westen fließen.

    Noch homogener sieht es im Gazastreifen aus. Keine Juden, keine Christen, keine Schiiten und auf der anderen Seite eine mehr oder weniger anerkannte palästinensische Verwaltung. Rollen heute bei der Hamas die Köpfe, dann kann die Fatah relativ schnell übernehmen. Nur der Terror ist eben nicht so leicht zu bekämpfen als im Iran.

    Vielleicht liefert uns Arye seine Einschätzung.

  11. Roman says:

    Ich sehe in deinem Video keinen Widerspruch zu meiner Behauptung. Im Gegenteil!

    Wenn das Regime im Iran durch prowestliche Kräfte ersetzt wird, sollte es zu einer Befriedung in der Region kommen, denn dann nehmen die schiitischen Perser weniger Einfluss auf die umliegenden arabisch-sunitischen Staaten.

    Andersherum, wenn die Perser an Atomwaffen kommen, dann MÜSSEN die Araber ebenfalls nach Atomwaffen streben, um ihre Vormachtsstellung nicht zu verlieren.

    Im Irak herrscht eine gänzlich andere Situation, die eben dazu geführt hat, dass das Gleichgewicht noch weiter aus den Fugen geraten ist.

  12. Sinan says:

    sollte jetzt keine gegenthese sein. versuche nur deinen standpunkt zu verstehen und die zu frage lösen, warum dein konzept bisher vermieden wurde.

  13. Roman says:

    Und das machst du indem du mir ein Video zeigst, dass mit dem Iran nur am Rande zu tun hat? Nichts für ungut.

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