Arye Sharuz Shalicar, Jerusalem

Und wieder eine Woche vergangen. Ich habe meine Einkaeufe fuer’s Wochenende erledigt im Shufersal-Deal auf der Pierre Koenig in Talpiot, zu Fuss, und sitze wieder, wie jeden Freitag, eigentlich auch jeden anderen Tag waehrend der Woche, vor’m Laptop und lese mich durch Berichte und Meinungsartikel zum Thema, na ja, nennen wir es doch einfach mal ”das heutige Israel”. Ich fuehle mittlerweile, dass ich sowas wie ein Informations-junkee geworden bin, soll heissen, ich kann einfach nicht mehr abschalten, nicht mehr aufstehen und den Tag mal ohne NEWS geniessen. Nein, ich tu es mir taeglich aufs neue wieder und wieder an: oeffne die Zeitung, checke Blogs, hoer im Radio und schau im TV die Nachrichten, wieder und wieder, obwohl ich doch weiss, dass ich danach wieder angekotzt sein werde, obwohl ich weiss, dass ich danach wieder Lust haben werde einfach nur schlafen zu gehen, um zu vergessen, um abzuschalten, denn es kann einfach nicht wahr sein, es darf einfach nicht wahr sein… 

Noch bis vor kurzem konnte ich problemlos fuer’n Wochenende verreisen, z.B. nach Eilat, warum auch nicht, einfach nur chillen gehen, am Strand liegen, die Sonne geniessen, und eine kalte Cola bestellen, am besten mit Pommes. Na ja, auch in Israel ist’s ein wenig kaelter geworden waehrend der letzten Tage, also mit Eilat wird’s ersteinmal sowieso nichts, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich je wieder abschalten kann, je wieder meinen Urlaub geniessen kann, ohne an das zu denken, was mich seit Operation “Gegosseness Blei” letzten Dezember-Januar  so veraendert hat, so verfolgt, Tag und Nacht.

Mein Volk und mein Land sitzen seit mehreren Monaten auf der Anklagebank. Seit Hr. Goldstone seinen Bericht veroeffentlicht hat in dem er Israel, einen UN-Mitgliedsstaat, beschuldigt, ein Kriegsverbrecher zu sein, interessiert niemanden im sogenannten Westen mehr, was die Terrororganistion Hamas im Gazastreifen abzieht, wo sie langsam aber sicher eine Sharia-Diktatur von feinsten aufbaut, in der niemand einen Ton mehr sagen darf, sonst wird er/sie auf die schnelle mal getoetet, inhaftiert oder wenn er/sie Glueck hat “nur” vergewaltigt. Ganz nach Vorbild des heutigen Irans. Niemanden scheint im Westen ploetzlich zu jucken, dass ca. 1/3 der Bevoelkerung Israels in staendiger Angst leben muss, sowie im Sueden als auch im Norden ansaessig – Tag ein, Tag aus, muss man dort damit rechnen, dass JEDERZEIT eine Rakete zum Fruehstueck im Garten landen kann. Wer kann sich das in Deutschland, Frankreich oder Schweden vorstellen??? Ist doch unglaublich, oder? Das ist die Realitaet in der die israelische Gesellschaft leben MUSS, ob sie will oder nicht, denn dem Terror setzt ”der Westen” kein Ende, ganz im Gegenteil, sie setzt die einzige Demokratie der Region auf die Anklagebank. Fein gemacht! 

Es scheint auch nicht besonders wichtig zu sein, dass ganze Staedte in Israel in einer Art Trauma leben. Warum auch, solange da kein Blut fliesst ist doch alles ok, nicht wahr, lieber “Westen”. Hunderttausende Menschen, die ihr Leben in Angst und Schrecken leben muessen, weil sie nunmal in Reichweite des Terrors leben, dass reicht natuerlich nicht, um darueber einen Fernsehbericht zu bringen. Krank, oder? Man sollte sich einfach mal vorstellen, so zum Vergleich, dass ca. 1/3 der Bevoelkerung Deutschlands jahrelang in Panik leben muesste, sagen wir mal an die 28 Millionen deutsche Buerger - waere das etwa keine “story” wert? 

Aber was, Israel ist Schuld. Da ist man sich sicher. Fast einstimmig. Warum? Ist doch klar, weil Israel eine starke Armee hat, die sie bereit ist einzusetzen, wenn sie nunmal keinen anderen Weg mehr sieht. Man hat gewartet. Jahre. Wirklich Jahre. Die Terroristen der Hamas haben es einfach uebertrieben. Haben einfach nicht aufgehoert zu provozieren und zu schiessen. Hunderte und tausende von Raketen sind waehrend der letzten 8 Jahre auf Israel abgeschossen worden. Hat das je jemanden im “Westen” dazu gebracht, seine/ihre Stimme zu erheben, gegen den Terror? Nicht wirklich, oder? Selbst als der Terror seine dreckige Fratze in Madrid und London gezeigt hat, selbst waehrend der Zeit der Mohammed-Karikaturen in Daenemark und der Strassenrevolten in Frankreich, selbst da hat man die Fresse gehalten, um keinen “Buergerkrieg” zu provozieren.

Israel hat es genau mit dieser Art Feind zu tun: den selben Terroristen von Madrid und London. Den selben Psychos, die wegen Charikaturen bereit sind Amok zu laufen und die ganze Nachbarschaft in Schutt und Asche zu verwandeln. Den selben verwirrten Jugendlichen der Pariser Vorstaedte, die nicht unsere Werte der Freiheit und Gerechtigkeit und Demokratie und Emanzipation und Erziehung und und und teilen. Genau das sind auch unsere Feinde. Genau das sind auch Europas Feinde. Genau das sind die Feinde der freien Welt…des “Westens”.

Der “Westen” muss endlich auf den Tisch hauen. Dialog ist eine gute Sache. Ich bin sehr fuer Dialog. Aber wenn aus Dialog Monolog wird, wenn naemlich der Partner nicht mehr zuhoert und keine Reaktion zeigt, einen bestenfalls auslacht und weiterhin fleissig weiterbaut an seinen Atomreaktoren (oder weiterhin Raketen auf ein demokratisches Land abfeuert), dann sollte man dem ein Ende setzen, bevor es zu spaet ist. 

Auch ich moechte wieder in den Urlaub gehen, abschalten, mit der Sicherheit, dass die Welt versteht, wie sehr sie Israel eigentlich dankbar sein muesste, dass sie den Terror aufhaelt///denn wenn Israel einmal nicht mehr ist, dann kann auch der sogenannte “Westen” einpacken.     



3 Comments to “Sind die Tage des sogenannten “Westens” abgelaufen?”

  1. Noa says:

    Ein guter Artikel, Arye, ich weiss nicht, warum sich fuer solche Statements wie deine, niemand interessiert z.B. in Deutschland.
    Und zum Thema Dialog. Wer hat einmal gesagt, “Frieden kann man nur solange machen, wie der Nachbar es will.”
    Noa

  2. [...] fühlen sich Israelis angesichts des Umgangs der „Weltgemeinschaft“ mit ihnen? Arye hat aufgeschrieben, wie ihn das letzte Jahr verändert hat – und was er vom „Westen“ [...]

  3. Früher waren die Deutschen Weltmeister im Morden, heute sind sie Weltmeister, wenn es darum geht, Israel zu lehren, wie man “Frieden herstellt”, denn schließlich soll Israel ja aus der Geschichte lernen.

    Am 9. November – und bald wieder Ende Januar – werden regelmäßig, pflichtschuldigst und routiniert Krokodilstränen vergossen. Dann hat die deutsche Spießerseele sich wieder so “erleichtert”, dass man seelenruhig zusehen kann, wie rechte, linke und muslimische Judenhasser sich nach SA-Vorbild auf Deutschlands Straßen austoben:

    http://castollux.blogspot.com/2009/01/von-der-sa-gut-gelernt.html

    Sehr gut geschrieben, Aro!

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