Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 07.05.5770



Mir ist schon oefters aufgefallen, dass Leute, die sich viel mit Antisemitismus etc. befassen – auch die aller wohlwollsten -, oft zu dem eigenartigen Schluss kommen, dass Philosemitismus eigentlich nur die andere Seite von Antisemitismus ist; Philosemiten nicht viel besser als Antisemiten sind. Beide sind halt vom Judentum bessesen, nur der eine hasst es, der andere liebt es.


Oder sollte man besser in Henryk-Broder-Manier sagen, der eine hasst, der andere liebt Juden mehr als es ihnen eigentlich zusteht? (Ich denke, der Fehler hier ist u.a., dass er sich auf Juden und nicht auf das Judentum bezieht, denn Menschen koennen alles sein und viele Charaktere, gute und boese, haben, Lehren haben aber nur einen Charakter.)


Natuerlich bin ich fuer keinerlei unrealistische Bewertung, aber was soll denn so schlimm sein, das Judentum gut zu finden, sogar besser als andere Lehren und Kulturen?

Wenn jemand die Werte und Lehren des Judentums liebt, warum soll er sich dabei schlecht fuehlen? Wer will uns das einreden? Ehrlich, wer hat mit dem Quatsch angefangen?


Hier sei auf zwei Nichtjuden verwiesen, die grosse Literaten jeweils ihrer Nation waren, und die keinen Hehl daraus machten, dass sie das Judentum bewundern:

Tolstoi und Mark Twain waren Philosemiten und zwar welche, mit ganz tollen Einsichten…


Also an alle Philosemiten der Welt: Ihr koennt euch in guter Gesellschaft fuehlen, und braucht euch in nichts schaehmen. Philosemitismus hat mit Antisemitismus soviel gemein, wie Demokratie mit Diktatur, und sind sicherlich NICHT zwei Seiten der gleichen Medaillie…


LEO TOLSTOI ueber Judentum:

What is the Jew?…What kind of unique creature is this whom all the rulers of all the nations of the world have disgraced and crushed and expelled and destroyed; persecuted, burned and drowned, and who, despite their anger and their fury, continues to live and to flourish. What is this Jew whom they have never succeeded in enticing with all the enticements in the world, whose oppressors and persecutors only suggested that he deny (and disown) his religion and cast aside the faithfulness of his ancestors?!
The Jew – is the symbol of eternity. … He is the one who for so long had guarded the prophetic message and transmitted it to all mankind. A people such as this can never disappear.
The Jew is eternal. He is the embodiment of eternity.

 

MARK TWAIN ueber Judentum:

…If statistics are right, the Jews constitute but one percent of the human race. It suggests a nebulous dim puff of stardust lost in the blaze of the Milky way. properly, the Jew ought hardly to be heard of, but he is heard of, has always been heard of. He is as prominent on the planet as any other people, and his commercial importance is extravagantly out of proportion to the smallness of his bulk. His contributions to the world’s list of great names in literature, science, art, music, finance, medicine, and abstruse learning are also away out of proportion to the weakness of his numbers. He has made a marvelous fight in this world, in all the ages; and had done it with his hands tied behind him. He could be vain of himself, and be excused for it.

The Egyptian, the Babylonian, and the Persian rose, filled the planet with sound and splendor, then faded to dream-stuff and passed away; the Greek and the Roman followed; and made a vast noise, and they are gone; other people have sprung up and held their torch high for a time, but it burned out, and they sit in twilight now, or have vanished. The Jew saw them all, beat them all, and is now what he always was, exhibiting no decadence, no infirmities of age, no weakening of his parts, no slowing of his energies, no dulling of his alert and aggressive mind. All things are mortal but the Jew; all other forces pass, but he remains. What is the secret of his immortality?



3 Comments to “Was ist schlimm an ‘Philosemitismus’? Wer will uns sowas einreden?”

  1. Philologe says:

    Es wäre einer genaueren Untersuchung wert, wer aus welchen Interessen gegen wen den in den letzten Jahren vermehrt zu hörenden Vorwurf des Philosemitismus erhebt. Nach meiner Beobachtung sind es vor allem Linke – darunter sowohl Juden als auch Nichtjuden – die den Vorwurf des Philosemitismus gegen Leute richten, die explizit israelsolidarische Positionen vertreten. Denen wird dann vorgehalten, “rechts” zu sein. Egal, ob es sich um christliche, (neo)konservative oder “antideutsche” Freunde Israels handelt. Oft gehören sie auch keiner dieser drei Gruppen an, werden aber meist unter eine davon subsumiert. (Das macht das Weltbild übersichtlicher.) Der Vorwurf der Linken lautet dann: Die projizieren ja nur ihre eigene Agenda auf die Juden und schaden ihnen damit letztlich. Worin dieser Schaden besteht, wird meist nicht ausgeführt. Oder es heißt: Sie sind “falsche Freunde” Israels. Wo denn die wahren Freunde Israels sich verstecken und wodurch diese sich auszeichnen müssten, bleibt ebenfalls das Geheimnis der linken Philosemitismuskritiker. Vonseiten linker Juden ist auch oft zu hören: Diese Gojim sollen mal nicht so tun, als wären sie die besseren Juden und könnten als Gojim israelfreundlicher sein als wir als Juden das können. Damit unterstellen sie erstens, dass unter den Freunden Israels hierzulande ausschließlich Nichtjuden seien, was keineswegs der Fall ist. Und zweitens gelingt die reductio ad absurdum nicht, denn selbstverständlich kann ein Nichtjude, der Israels Recht, sich gegen seine Feinde zu behaupten, ein besserer Freund Israels sein als ein Jude, der Israel aus “moralischen” Gründen (in einer Perversion jeder Moral) de facto zur Selbstaufgabe drängt. Letztlich geht es hier um die Definitionshoheit von Linken zu bestimmen, dass nur ein Linker ein guter Mensch sein kann.

    Davon abgesehen muss man sich weder mit dem Judentum ausgiebig beschäftigt haben noch das Judentum besonders schätzen, um israelsolidarisch zu sein. Vielen genügt es, dass Israel eine Demokratie und ein freies Land ist, um es zu verteidigen. Oder es genügt ihnen ihr schlichtes Gerechtigkeitsgefühl, um nicht hinzunehmen, dass Leute bedroht werden und sich dafür von aller Welt noch Vorwürfe anhören müssen. Oder es genügt ihnen, dass da Menschen leben, die ein Recht haben, da zu leben, egal ob es Juden sind oder nicht, auch wenn es in diesem Fall nun einmal tatsächlich Juden sind. Wenn das Philosemitismus ist, dann soll es das eben sein, na und?

  2. [...] ist schlimm an Philosemitismus? Nichts, sagt Ulrich und schreibt ausführlich dazu, [...]

  3. Philologe says:

    Mich wundert, dass dieses Thema gar nicht diskutiert wird. Ich hätte gedacht, es würde mehr Reaktionen hervorrufen.

Leave a Reply