Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 25.09.5770

Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Und was soll man machen, wenn man sich in Achmadi und antisemitische Komplexe verknallt?


Die Israelis kapieren schnell wenn ein Land austickt. Das Reiseziel Nr. 1 der Israelis wurde uebernacht zum Erdostan, aus dem man nur noch weg will.


Im israelischen Fersehen wurden Reisende interviewt, die gerade aus dem Tuerkeiurlaub kamen. Sie berichteten, wie noch ein Tag vor dem Gasa-Flotten-Kampf israelische Fahnen vor dem Hotel standen, dann waren sie ploetzlich komplett weg und kamen auch nicht wieder. Israelis wurden uebernacht als Untermenschen schikaniert. In Geschaeften kuckte man sie verdeachtig an, fragte  woher sie kommen und wenn sie ehrlich antworteten, wurden sie nicht mehr bedient. Fertig. Du bist Israeli? Vorbei mit Lustig. Im Hotel wurde israelischen Gaesten kein Wasser mehr gegeben, zahlreiche Stromausfaelle trafen ausgerechnet israelische Hotelabteilungen und ueberall boese Blicke, boese Worte, kleine Schikanierungen, kleine Stichelleien, ‘Palaestina’fahnen in den Strassen, ‘Tot-Israel’ Rufe, islamistische anti-Israel Demonstrationen ueberall.

Viele Reisende, deren Rueckflug erst in ein paar Tagen ging, verriegelten sich in ihren Zimmern und sassen die Zeit ab, immer in Angst attackiert zu werden. Viele trauten sich nicht mehr auf die Strasse und wollten nur, dass dieser Alptraum ein Ende hat. Erst als das El Al Flugzeug israelischen Boden beruehrte, atmeten viele auf und warnten im Fernsehen so deutlich es nur ging die israelischen Zuschauer:


Fahrt nicht in die Tuerkei! Auf keinen Fall! Das ist jetzt ein uns feindliches Land.


Im Flughafen interviewte man Leute, die einen Flug nach Istanbul nahmen. Man konnte so gut wie niemanden finden, der nicht von dort aus weiterflog. Es hat sich schnell rumgesprochen: Tuerkei ist jetzt hoehere Gefahrenstufe als Sinai. Israel hat offiziell alle Soldaten aufgefordert nicht in die Tuerkei zu fahren und alle Botschaftsfamilien evakuiert. Erdogan hat seinen iranischen Kurs ganz wunderbar hinbekommen – natuerlich ‘gezwungendermassen’, weil die Israelis, deren hoechstes Ziel es war keine Zivilisten zu verletzten, im Kampf mit Terroristen, deren hoechstes Ziel es war, israelische Soldaten zu toeten und zu kidnappen, die Frechheit besassen, sich zu wehren.

Aber Israelis, wie gute Israelis, sind pragmatisch und weinen den tollen Clubs im roten Sternchen nicht lange nach, sondern schon nach den Horronachrichten aus der Tuerkei und den Massenstornierungen von Urlauben und Fluegen kamen die Bulgarien und Rumaenien Werbespots rein. Wollen uns die Tuerken nicht, okay, dann legen wir uns halt in Bulgarien ans Meer, geniessen rumaenische Landschaften. Israelis sollen angeblich 5% des tuerkischen Tourismus ausmachen. Nicht gerade viel, aber auch nicht unbedenklich.

Israelische Buisnessleute leiden wohl am meisten an dem Schlamassel, das Erodgan gerade uns allen einbrockt. Teilweise arbeiten sie seit Jahrzehnten in der Tuerkei, lieben Istanbul, haben ihren Lebensunterhalt dort, ihre Haeuser, Familien etc.. Im Fernsehen wurden einige interviewt. Sie packten in Nacht- und Nebelaktionen die Koffer und sagten mit einer Traene im Knopfloch ‘Good bye’ zu der tollen Stadt, die kein Platz mehr ist fuer Israelis und von der sie sagten, sie nicht sicher sind, wann sie sie jemals wiedersehen werden. Sie sind aber nicht wirklich ueberrascht, denn sie berichten, dass man diese Entwicklungen schon lange riechen konnte, aber jetzt ist die islamistische Blase geplatzt und die Israelis bringen sich in Sicherheit vor dem Zorn des antisemitischen Mobs.

Ein Israeli, der eine Textilfabrik nahe Instanbul hat, ist auch traurig und sagt sogar er verstehe die Tuerken, was immer er damit meint, und auf die Frage, was mit seiner Fabrik wird, meint er:


Man hat mir jetzt angeboten, die Fabrik in Rumaenien neu aufzubauen, ich denk ernsthaft darueber nach. Ja, vielleicht.


Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass wo Extremismus und komplexbeladener Radikalismus ein Land uebernimmt, nicht viel Gutes dabei rauskommt. Die Tuerkei schadet sich selbst. Israelis gehen zuerst, danach werden sich vielleicht europaeische Touristen ueberlegen, ob man dort Urlaub machen sollte und was soll aus der NATO Mitgliedschaft werden, wenn man sich der iranischen Achse anschliesst? Obama sollte schleunigst die amerikanischen Atomwaffen aus der Tuerkei abziehen, aber irgendetwas sagt mir, dass Herr Hussein Obama auch hier wieder pennen wird. Naechstes Jahr sind Wahlen. Wird Erdogan als bejubelter Volksseelenbefreier abziehen oder sich von seinem Kumpel Achmadi erklaeren lassen, wie man ein bisschen nachhelfen kann, wenn die Waehler nicht so durchgeknallt sind wie er?

Das tuerkische Schiff hat Leck geschlagen und beginnt vollzulaufen. Wir sind keine Ratten (auch wenn bestimmte Leute in der Tuerkei das sicher anders sehen), aber haben genug Grips das Schiff zu verlassen, solange es noch geht. Vielleicht wacht ja noch jemand auf und geht an die Arbeit das islamistische Wasser rauszupumpen, momentan sieht es leider nicht so aus…



18 Comments to “Israelis verlassen das sinkende Schiff: Tuerkei heute wie Deutschland in den 20igern?”

  1. Erdogan, der eigentlich in der Türkei 1998 zu LEBENSLANGEM POLITIKVERBOT verurteilt wurde, ist ein Hetzer übelster Couleur und bedient die im türkischen Volk seit Jahrzehnten gezüchteten nationalen und besonders islamistischen Strömung bestens.

    Dabei tritt er die Vision einer säkulare und modernen Türkei Attatürks mit Füßen – hat aber die das sonst verhindernde Armee sukzessive durchsetzt und längst nach und nach möglichen politischen Widerstand ausgeschaltet.

    Hope’n'Change…Yeah – besonders Change! Alles wird anders, aber bestimmt nicht besser!

  2. greekmolonlave says:

    Shalom!
    Herzlich Willkommen in Griechenland.
    Auch bei uns kann man einen schoenen Urlaub verbringen.
    Bei uns gibt es Stifado statt Intifada.:-)

  3. willow says:

    Nach den Äußerungen der lieben türkisch-islamischen Genossen sollte jetzt eigentlich auch dem letzten Deppen klar sein, wie sehr Paech & Mankell gelogen haben, als sie vom gewaltlosen Widerstand schwafelten:

    “Zu den treibenden Kräften gehört der IHH-Vorsitzende Bülent Yildrim, der selber auch auf der “Mavi Marmara” war. Er traf in der Nacht zum Donnerstag mit einem der Flugzeuge ein, die hunderte der von Israel festgenommenen pro-palästinensischen Aktivisten zurück nach Istanbul brachten. Auch die Leichen von neun Getöteten waren in einem Flugzeug – alle Türken, einer von ihnen mit US-Staatsbürgerschaft. “Wir machen weiter, bis das Embargo aufgehoben ist”, sagt Yildrim. Seine Organisation wolle die ganze Welt an noch größeren Konvois beteiligen, die auch von See aus geplant seien.

    Yildrim sagt, die Aktivisten an Bord hätten sich mit Eisenstangen gegen die israelischen Spezialeinheiten verteidigt und mehrere Soldaten überwältigt. Sie hätten zehn Schusswaffen der Israelis in ihre Gewalt gebracht und benutzen können, diese aber über Bord geworfen. “Selbst wenn wir sie benutzt hätten, wäre es Selbstverteidigung gewesen”, sagt Yildrim.”

    http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/meinung_und_debatte/meinung_und_debatte/?em_cnt=1727686

  4. Carl says:

    Ich würde nicht sagen, dass sich die Türkei der neuen Achse anschließen will.
    Sie hat es bereits getan.
    Indem Erdogan Iran’s Atomprogramm billigte war das schon ein sehr deutliches Zeichen.
    Ich denke, dass die Einmischung der Türkei für Iran sehr vorteilhaft ist, weil der Westen mal wieder total auf Israel fixiert ist.
    Keinem der arabischen, türkischen oder iranischen Machthaber geht es um die pal. Araber – das ist sozusagen ihr Spielgeld.
    Keiner wird auch nur eine Träne weinen.

    Meiner Meinung nach ist die Türkei bereits bereit Achmadinedschad in seinen Vorstellungen zu folgen, Israel zu vernichten.
    Dadurch hoffen sie unter anderem auch wieder ihre Vormachtsstellung im nahen Osten zu stärken.

    Der Westen pennt und Obama versucht wohl die Türkei auf dem westl Stuhl zu halten.
    Die Türkei hat eine boomende Witrtschaft und eine Demokratie.
    So, wie auch Brasilien, wollen sie jetzt mitreden.
    Im Grunde ergreifen sie Obamas ausgestreckte Hand und zeigen uns ihre Vorstellung der Welt – eigentlich legitim.
    Was nicht legitim ist, dass der Westen nicht angemessen darauf antwortet.
    Bis dort eine Demokratie, wie sie beispielsweise in Israel praktiziert wird, kann schon mal 1 oder 2 Generationen in’s Land gehen.
    Israel kann wohl kaum so lange warten.
    Dieser Artikel zeigt eine interessante Linie von der Politik Clinton’s und Bush’s bis zu Obama.
    http://blogs.the-american-interest.com/wrm/2010/06/05/terrible-twins-turkey-brazil-and-the-future-of-american-foreign-policy/

  5. Christian says:

    Ich habe mal Teile aus einer erschreckenden Rede Erdoğans aus dem Türkischen ins Deutsche zusammengefasst:

    »Jerusalems und Gazas Schicksal ist nicht von dem Istanbuls und Ankaras zu trennen. […] Die Welt mag [zu diesem Schicksal] schweigen, wir [die Türkei] werden nicht schweigen. Die Welt mag die Augen vor diesen Massakern schließen, wir werden unsere Augen nicht schließen.« Israel betrachte »unschuldige Babys in Windeln« als Bedrohung, bombardiere Krankenhäuser und werfe Phosphorbomben auf steineschleudernde Kinder – die Weltöffentlichkeit stehe aber hinter Israel, das »jegliche Art von Verwerflichkeit, Niedertracht, Gewalttätigkeit und Piraterie begeht«. Israel, die PKK und die Hamas miteinander zu vergleichen, verböte sich jedoch. Immerhin verteidige die PKK im Gegensatz zur Hamas nicht ihren eigenen Boden gegen einen Angriff von außen und die Hamas sei erfolgreich aus den Wahlen in Palästina hervorgegangen. Die Handlungen Israels hingegen seien Staatsterror und ein offensichtliches Beispiel für die krankhafte Seelenverfassung, die Paranoia und das Trauma, in welchen sich die israelische Regierung befände. Nicht die Welt stehe Israel unaufrichtig gegenüber, sondern Israel sei scheinheilig und verlogen, wenn es Stolz für Mörder empfinde und diese befürworte. So resümiert Erdoğan: »Ihr versteht Euch sehr gut darauf, zu töten!« und schiebt auf Türkisch, Englisch und Hebräisch nach: »Du sollst nicht töten!« Das applaudierende Publikum skandiert währenddessen u. a. »Erdoğan, Kämpfer für den Islam!« oder »Nieder mit Israel!«.

    (Quelle: http://www.radikal.com.tr/Radikal.aspx?aType=RadikalHaberDetay&ArticleID=1000790&Date=05.06.2010&CategoryID=97)

    Für eine Redaktion einer Zeitung an der Uni Heidelberg war der Text (den ich als Aufhänger in einem Artikel benutzt hatte) dann angeblich antiislamisch… Es sind erschreckende, schockierende Zeiten…

  6. Mark Müller says:

    An alle die hier voreillig die Türkei verurteilen, es herrscht momentan zwichen der Türkei und Israel ein Medienkrieg, das die deutschen so nen Mist wie hier berichten ist wie in der Davos Rede Erdogans eine Psychologische Schuldgefühl ausgelöst durch den 2 ten Weltkrieg. Ihr seit nicht besser, sofort die Türken verurteilen scheint ein Hobby der deutschen zu sein. Tut bitte nicht einseitig berichten, schämt euch !!!

  7. Sinan says:

    “Das tuerkische Schiff hat Leck geschlagen und beginnt vollzulaufen.”

    Die Frage ist, was macht man dagegen, außer wegrennen? Wegschauen? Wegbomben?

    Ich wüsste zu gern, was die Umfragen in Israel zu dem Thema ergeben..

  8. Carl says:

    @ Sinan

    Der immer noch europäische Partner könnte die Opposition massiv unterstützen.
    Vielleicht kann so erreicht werden, dass bei den nächsten Wahlen die AKP abgewählt wird.
    Unumstritten ist die AKP ja auch in der Türkei noch nicht.
    Eben nicht die Fehler, wie bei der grünen Revolution in Iran wiederholen und hier die Türken, die weiter in einer Demokratie, nach Attatürks Vorbild, leben möchten fallen lassen.

  9. lichtbote says:

    Hallo liebe Foristen!
    nachdem die Turken ihr eigenes Land fast ethnisch gesaubert haben und kaum noch ‘nicht Moslems’ dort leben, geht deren zukunftige Haltung was Akzeptanz gegenuber Christen, Juden, etc. quasi gegen Null.

    So ein ‘Bruller’ wie Erdogan wird die Masse der auch so edelmutigen Turken, die es ja bekanntlich lieben wenn man ihren Nationalstolz streichelt, mit Lockerheit gewinnen.

  10. jerry says:

    Mark Müller

    die Erdogan Regierung, nicht die ganze Türkei, provoziert momentan einen Konflikt mit Israel.

    Wenn die nächste Woche einen neue Flotte losschicken kannes gewaltig knallen, worauf Erdogan & co abzielen.

  11. jerry says:

    was die Umfragen in Israel zu dem Thema ergeben..

    die bereiten sich auf alle Möglichkeiten vor

  12. BTW: Erdogan ist ein Alptraum fuer sein Land und er wird, wenn er so weiter macht (und es gibt kein Grund anzunehmen, dass er aufhoehren wird) der Tuerkei grossen Schaden zufuegen.

    Erdogan soll seitdem Vorfall auf der Marmara JEDEN Tag mindestens ZWEI Reden an unterschiedlichen Orten zum Thema ‘boeses Israel’ gehalten haben. Sprich: Dieser Mann ist besessen. Er traeumt in der Nacht vom zionistischen Monstern, steht morgens auf mit Israel im Kopf, putzt sich die Zaehne und denkt an den juedischen Staat, usw. den ganzen Tag durch, bis er mit Israel im Bauch schlagen geht. Er ist besessen und das wird seinem Land schaden, da er alles andere vernachlaessig wird und eventuellen Schaden seiner erst beginnenden radikalen Linie nicht bedenkt. Die grossen Antisemiten haben den Juden arg zugesetzt aber sie sind am Ende immer selbst an ihrem eigenen Wahn kaputtgegangen und haben so ein, zwei Voelker auf dem Weg in den Abgrund gerissen. Tuerken, wenn ihr noch koennt, haltet den Verrueckten jetzt auf, bevor er der Tuerkei auf Jahrzehnte schaden wird!

  13. Mustafa Kemal says:

    Die Türken haben den Juden immer geholfen. 1492 und 1933. In Europa wurden getötet aber nicht in Anatolien. Die Türken haben kein Problem mit den Juden und Israel. Die Türken haben ein Problem mit Fundamentalisten die an Macht gewonnen haben. Bei den nächsten Wahlen wird die AKP abgewählt. Jeder Türke weiss das die Araber verräter sind und die Türkei würde die auf Seite der Araber stehen. Bitte die Sache objektiver betrachten, AKP ist nicht Türkei. AKP Anhänger ist nicht gleich alle Türken. Auf eine gute Zusammen Arbeit Israel und der Türkei

  14. Mustafa Kemal says:

    @lichtbote

    Wie haben Sie gesäubert? Im Westen der Türkei, wo die meisten Minderheiten anderer Religionen leben, leben in Frieden? Schonmal von getöteten Christen oder Juden im Westen gehört?

    Recep Tayyip Erdogan mag der Ministerpräsident der Türkei sein aber er represäntiert definitiv nicht alle Türken.

  15. Mustafa Kemal says:

    @christian

    Erschreckende Rede von Erdogan? Der Erdogan redet viel wenn der Tag lang ist. Am nächsten Tag vergisst er das einfach. Bald gibt es Wahlen in der Türkei. Die Opposition hat einen neuen starken Führer, deshalb muss Erdogan Punkte machen um an der Macht zu bleiben. Nur Fundementalistische Türken interessieren sich für Gaza. Mir als Türke ist es egal was in Gazza passiert. Die Araber haben 1917 mit den Engländer gegen die Türken gekämpft. Jetzt haben Sie Pech wenn Sie Ihr Land verloren haben etc…. Sollen Sie zu den Engländer.

  16. Mustafa, wie gesagt, hoffe ich, dass du Recht hast, aber in Deutschland waren damals auch nicht gleich alle Nazis. Ausserdem wuerde es mich interessieren, wie du erklaerst, dass die Tuerken die USA mehr hassen als andere Laender, z.B. arabische Laender, obwohl sie doch aber mit den USA in der NATO sind etc.?

  17. אברהם שטרן says:

    it’s a shame.

  18. jerry says:

    brainwashing

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