Thomas Schreiber, Jerusalem, 24. 10.2012

 

Unverschämtheit, dieser Netanjahu, dass er nicht den Vorgaben der Obersten Regierungschefin Israels, Catherine Ashton, Folge leistet.

Ja, Israel hat jenseits der Grünen Linie in Jerusalem, in Gilo gebaut. Das ist in der Tat ungeheuerlich, zumal die rund 40.000 Einwohner allesamt vom Staat Israel offensichtlich dorthin „deportiert“ worden sind, denn die Illegalität der Siedlungen beruft sich auf die Genfer Konvention, die es dem Besatzerstaat verbietet, seine Bevölkerung in besetztes Gebiet zu deportieren oder (zwangsweise) zu transferieren.

Dass Gilo zudem ein Gebiet ist, das in den zwanziger Jahren von Juden aufgekauft worden, also kein arabisches Privatland ist, interessiert die Ashton natürlich auch nicht. 

 

Würde Natanjahu sich ganz den Wünschen der Ashton beugen, müsse Israel es stillschweigend hinnehmen und akzeptieren, vom Gazastreifen aus mit Raketen beschossen zu werden, allein 50 Stück heute Morgen. Israel dürfe auch keine Raketenstellungen angreifen, ehe von dort Raketen abgeschossen werden. Die Juden sollen es gefälligst akzeptieren, dass sie sich nach altem europäischen Modell wehrlos umzubringen haben.

Und da auch die „Mauer“ völlig illegal ist, weil sie die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränkt, auch jener, die als Selbstmordattentäter in Israel zu „Märtyrern“ werden wollen, sollten die Israelis sich freiwillig melden, wieder in Bussen und Restaurants sprengen zu lassen. Erst gestern wurde ein Palästinenser bei dem selbstverständlich „illegalen“ Checkpoint Kalandia mit 8 Bomben in der Tasche auf dem Weg nach Israel verhaftet. Das ist doch legitimer Widerstand und die Israelis hätten den durchlassen müssen.

Mich wundert nur, dass ausgerechnet Tacheles einen Artikel wie den untenstehenden veröffentlicht. Mögen die doch Farbe bekennen, und ihren jüdischen Lesern auch erklären, dass Juden nichts an der Klagemauer oder auf ihrem uralten Friedhof am Ölberg zu suchen haben, von den Patriarchengräbern oder dem Grab der Rachel ganz zu schweigen. Eigentlich haben die Juden in „Palästina“ gar nichts zu suchen und da sie in jedem anderen Land der Welt ja auch „Fremde“ sind, haben sie dort eigentlich auch nichts zu suchen. Also sollten die Juden, darunter Tacheles und seine Autoren wie deren Leser am besten gleich von der Erdoberfläche verschwinden, um mit G. Grass und Präsident Ahmadinidschad ganz ohne Übersetzungsfehler zu reden.

Bei allem Verständnis für politische Meinungen und Widerspruch gegen Siedlungen, sollten auch die Tachles Redakteure ihre Ansichten einmal bis zuende denken. Zudem sollte dem mit Mehrheit gewählten Netanjahu zugestanden werden eine Politik zu treiben, die offenbar von einer Mehrheit der Israelis getragen wird. Hätte Israel alle Ratschläge der Europäer befolgt, gäbe es den Staat heute wohl nicht mehr.

 

Der Artikel bei Tacheles “Netanyahu bietet der EU die Stirn“:

 

Im Vorfeld zu einem auf heute Mittwoch anberaumten Gespräch mit der EU-Aussenministerin Catherine Ashton besuchte der israelische Regierungschef Binyamin Netanyahu am Dienstag demonstrativ das Jerusalemer Wohnviertel Gilo, wo Israel zuvor grünes Licht erteilt hatte für den Bau von fast 800 neuen Wohneinheiten. Gilo liegt in einem Territorium, das Israel im Sechstagekrieg von 1967 erobert hat, weshalb die EU und zahlreiche Staaten die Baupläne verurteilt haben. «Das vereinigte Jerusalem ist Israels ewige Hauptstadt, und wir haben das volle Recht, hier zu bauen», sagte Netanyahu während seines Besuchs in dem Viertel, in dem heute rund 40’000 Israeli leben. Ashton sieht dies allerdings anders: «Siedlungen sind gemäss internationalem Gesetz illegal und drohen, eine Zweistaatenlösung zu verunmöglichen», sagte sie. Netanyahu blieb ihr in dem fernmündlichen Duell die Antwort nicht schuldig: «Wir haben gebaut in Jerusalem, wir bauen in Jerusalem, und wir werden fortfahren, in Jerusalem zu bauen.» Das sei Israels Politik, an der man festhalten werde.» Diese Worte müssen unter anderem im Licht der laufenden Kampagne für die Knessetwahlen vom 22. Januar 2013 beurteilt werden, für welche Regierungs- und Likud-Chef Netanyahu ganz offensichtlich Stimmen im rechtsnationalen Lager der Siedler und deren Freunde mobilisieren will. [TA]



1 Comment to “Kommentar von Thomas Schreiber ueber einen Tacheles Artikel: ‘Dann sagt doch, dass Juden nichts an der Klagemauer zu suchen haben…’”

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