Ulrich J. Becker, Jerusalem, 15. Nissan 5771

 

Wenn das Goetheinstitut eine deutsche Gespraechsrunde ueber Nahost gleich um die Ecke ansetzt, die auch noch im DLF uebertragen wird, wollte ich fuer aro1 mal reinschnuppern und mal sehen wo die Befindlichkeiten ueber Nahost in dieser Runde des Goetheinstituts gerade so stehen.

Aber bevor ich hier zum Angriff gegen oeden Antiisraelismus uebergehe und ein paar Ueberraschungen erwaehne, sollte man dem Goetheinstitut doch zumindest ersteinmal dafuer danken, diese Runde in Jerusalem stattfinden zu lassen und sogar die Runde danach als Jerusalemer Gespraeche zu benennen.

Was daran so besonders ist?

Nun ja, ein Land wie Deutschland, dass sich weigert seine Botschaft in Israels Hauptstadt Jerusalem zu verlegen, sondern aus einem Hochhaus in der Tel Avier Frischstrasse diplomatiert, dessen oeffentlich rechtlichen Pressebueros in Tel Aviv liegen und wo auch schon mal in der hochheiligen Tagesschau Tel Aviv als Israels Hauptstadt genannt wird, ist es leider keine Selbstverstaendlichkeit und insofern danke an das Goetheinstitut dass es zumindest die Deutschlandfunkhoerer in Deutschland daran erinnert dass unsere Hauptstadt ‘Jerusalem’ heisst.

 

Aber nun zur Sache:

Wie laeuft die traditionelle, durchschnittliche, deutsche ‘Nahostveranstaltung’ ab?

Man laedt ein paar Israelis ein, die ihren Staat und ihre Regierung sehr zur Freude der Zuhoerer einseitig kritisieren und attackieren, und noch ein paar deutsche Israelkorrespondenten, die genau das Gleiche tun, und ‘Nahostexperten’, die genau das Gleiche tun, und vielleicht noch ein etwas Deutsch sprechenden ‘Palaestinenser’, der genau das Gleiche tut, und kuckt dann, ob man zwischen den foermlichen antiisraelischen Phrasen doch noch ein paar Nuancen untereinander findet, und lobt sich danach ueber die ‘vielfaeltige’ Zusammensetzung und die ‘lebhafte Diskussion’ (so nennen sie gegenseitige, selbstbestaetigende, antiisraelische Ballzuspiele und Profilierungen auf Kosten Israels und seiner Bevoelkerung).


Religioese Juden, Pro-Regierungs oder gar Likud-Israelis? Querkoepfe? Debattenpotential? Fehl am Platz. Und so hatte ich mir auch diesen Gespraechsabend vorgestellt.

 

Sprich, warum sollte man sich das als vernuenftiger Israeli antun, der sein Land liebt und schaetzt? Aber, auch wenn die Panelteilnehmer hauptsaechlich “Hoffnungen” ueber die Machtergreifung des arabischen Populismus aeusserten, gab es doch noch ein paar andere Fuenkchen von Hoffnung aus zionistischer Sicht… Continue reading →

Ulrich J. Becker, Jerusalem, 06.07.5771

Ein Krieg mit ueber 120 Projektilen auf Israel und 50 beinahe getoeten Schuldkindern ist nicht so wichtig, aber wenn die Israelis Hamaskaempfer toeten, sollte man es doch noch mit passender Ueberschrift erwaehnen…

 

Nur wer die Einseitigkeit und tendenzielle Berichterstattung der Tagesschau seit laengerem kennt, duerfte sich nicht wundern:

Wann immer Israelis in negativem Licht dargestellt werden koennen – sei es ein vergewaltigender Praesident, ein schwulenfeindlicher Moerder oder steinewerfende Ultraorthodoxe -, raeumt die Tagesschau die Buehne frei und stellt die Story ins Rampenlicht und sorgt dafuer, dass sie in fast jedes deutsche Wohnzimmer flimmert.

Aber jetzt, als ein israelischer, weit erkennbarer, gelb leuchtender Schulbus, nur drei Minuten nachdem er 50 Schuldkinder in einem Kibbutz an der Grenze zu Gasa abgesetzt hatte, von einer hochmodernen, weitreichenden lasergesteuerten Panzerabwehrrakete getroffen wird und den letzten im Bus verbliebenden Jungen durch Granatsplittertreffer in seinem Hinterkopf so gut wie toetet (es wird seit Tage um sein Leben gekaempft), und ganz Israel schockiert, ist es eine NO-STORY. Kein Wort!

Leute in Deutschland, mit denen ich u.a. sprach, hatten davon natuerlich nichts gehoert und nichts mitbekommen. Wie konnten sie auch, wenn niemand darueber berichten will? Ich sagte am Telefon nur: “Keine Sorge, sobald wir auf den Terror regagieren, werden Sie berichten.” … Continue reading →

Ulrich J. Becker, 29.03.5771

Clemens Verenkotte hat Bibi Netanjahu beim Haendereiben erwischt…


Ja, die Israelis haben zur Abwechslung auch mal ein paar Rohstoffe gefunden – und vielleicht kann man davon sogar spaeter etwas an Europa verkaufen, wenn es sich ordentlich benimmt ;) -, aber ist das ein Grund (selbst wenn sein Bashing gerade modern ist) Israels Benjamin Netanjahu gleich mit der Teilueberschrift “Regierungschef reibt sich die Haende” zu bedenken?

Ist das nicht so a bissl negativ und auch in Bezug auf Juden und so a bissle problematisch besetzt? Sollte der Journalist nicht Meister der passenden Formulierung sein und die weitere Bedeutung von so einem Satz verstehen? Mhhm, uebertreibe ich es hier? Bin ich zu empfindlich? Kann man sich im Deutschen nicht auch ganz neutral “die Haende reiben“?

Ich habe mal einen kleinen Google-Test gemacht und die Ergebnisse sind ein wenig erschreckend… Continue reading →

April 11, 2010

Deutschland

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Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 27.06.5770 (12.Omer)


Sag mir welche Zeitung du liest, und ich sag dir wie du politisch drauf bist…


Gerade erst hatte ich Herrn Verenkottes Artikel zum Atomkipfel in Washington gelesen und dass da der ‘aengstliche’ Netanjahu nicht hingehen wollte (dass Obama den Gipfel kurzfristig von atomare Terrorbekaempfung/Iran auf ein Anklagen des israelischen Nuklearprograms – gegen alle Abmachung mit Israel – umlenken liess, ist ja nicht so wichtig). Am Ende des Artikel faellt mir wie nebenbei auf, dass ich ziemlich oft das Wort “Ha’Aretz” gelesen hatte. Ich kucke nochmal nach. Ja, dreimal zitiert Herr Verenkotte die linke Ha’Aretz. Aber nur einmal Jedioth Achronot – die groesste und verbreiteste Zeitung Israels. Mmh, vielleicht eine Laune von ihm?

Ich kuck nochmal auf Verdacht in den letzten Tagesschau Artikel davor von Herrn Engelbrecht: “Ha’Aretz” auch dort DREIMAL zitiert und keine einzige andere israelische Zeitung.

Jetzt wollte ich mir das ganze doch genauer anschauen und die Ergebnisse verbluefften sogar mich… Continue reading →

March 2, 2010

Israel

7 comments

Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 16.05.5770

ARD-Korrespondetengebiet Israel und Zypern (Wo ist Zypern?)


Das 17. Bundesland schlaegt wieder zu! Anscheind ein banaler Bericht: Umweltverschmutzung auf einem ehemaligen Armeegelaende, dass bebaut werden soll. Aber der Boden koennte verseucht sein, Grundwasser eventuell vergiftet, und Anwohner kritisieren die Entscheidung hier Wohnhaeuser drauf zu setzen. Vielleicht waere dieser Artikel in eine deutsche Lokalzeitung gekommen, wenn es sich hier z.B. um Kasernengelaende in Amberg oder Ansbach handeln  wuerde. Vielleicht wuerde es sogar auf den Inlandsteil der Tagesschau kommen. Vielleicht auch nicht.
Was muesste geschehen, damit solch ein Artikel aus China, Litauen, Russland, Indien, den USA etc. auf die Tagesschauseite kaeme? Keine Ahnung. Dreikoepfige Kuehe mit zwei Eutern auf dem Ruecken auf der benachbarten Wiese? Vielleicht.

Aber zum Glueck ist diese Story jetzt in Israel passiert und die Tagesschau stellt schwups di wups einen Artikel von Clemens Verenkotte – gestern den 1.3.2010 bis an die vierte(!) Stelle auf der Seite hochgearbeitet! Glueckwunsch! – auf die Homepage der wichtigsten Nachrichten in Deutschland. Die Juden vergiften die eigenen Brunnen? Verspricht doch auf jedenfall spannend zu werden, oder? Continue reading →