Ulrich J. Becker, Jerusalem, 07. Av 5772

Antisemitischer anti-Beschneidungs Comic, den ich hier besprochen hatte.

 

Vorweg: Zu den ueberaus berechtigten, ideologischen und menschlichen Gruenden der Beschneidung im Judentum hatte ich hier ausgehend geschrieben. Also nur ein paar kurze Anmerkung an die Fortfuehrung des Anti-Beschneidungstrend, bis ins Koelner Gericht. 

 

Gehen wir doch kurz einmal ein paar Jahrtausende zurueck und oeffnen die Torah im Kaptial 17. Nachdem Gott bereits einen Bund mit Awram (ja, noch nicht Awraham) geschlossen hatte, scheint jetzt nochmal eine Bestaerkung, Erweiterung oder fast schon ganz neuer Bund hinzuzukommen.

Es ist der Bund, der explizit und exklusiv die Beschneidung als Bedingung hat. Doch bevor Gott spezifisch dazu kommt, faengt er das Kapitel so an: “Ich bin der Ewige – wandele vor mir und sei perfekt.” Schon Rashi, der bedeutende franzoesische Rabbiner aus dem 11. Jahrhundert, dessen Torahkommentar fuer uns grundlegend ist, machte – auf dem Talmud basierend – noch einmal ganz klar was damit gemeint war: ‘sei perfekt’ bzw. ‘perfektioniere dich’, meint die Beschneidung.

Das naechste was Gott tut, ist auch den Namen von Awram zu ‘perfektionieren’ und ihn in Awraham zu wandeln. Und dann wird Gott noch einmal sehr explizit in Vers 10 bis 12:

 

“Das ist mein Bund, den du einhalten sollst, zwischen mir und dir und deinen Nachkommen, dass jeder maennliche von dir beschnitten wird. Und du sollst das Fleisch deiner Vorhaut beschneiden, und es sei zum Zeichen unseres Bundes zwischen mir und dir. Und im Alter von acht Tagen soll jeder Junge bei dir beschnitten werden, durch alle eure Generationen…”

 

Von dieser Seite aus, sollte es nicht klarer gehen. Um so erstaunlicher ist es, wenn gute saekulare Bildungsdeutsche, wie Herr Burow in der Tagesschau dann z.B. dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Graumann vorschlagen, doch mit der Beschneidung bis zur Volljaehrlichkeit zu warten, und dann koenne sich doch der Betreffende selbst entscheiden. Herr Burow: ”Waere das ein Kompromiss?

 Mal kurz mit einem kleinen ‘Kompromiss’ einen der Kernpunkte des Judentums umzustossen. Die Griechen hatten es versucht und einen juedischen bewaffneten Aufstand ausgeloest, aehnlich bei den Roemern, und sowieso jeder antisemitische Staat bis zu Hitler versuchte die juedische Beschneidung zu unterbinden. Und jetzt springt Deutschland genau in die gleiche Kerbe wieder rein?

Und nein, die Begruendung heute in Deutschland und damals z.B. unter den Griechen ist nicht weit weg:

Die Heiligkeit des Koerpers, der Wahn der ‘Unversehrtheit’. Die Wurzel dieser tief ideologischen Ansicht stammt aus einer Vorstellung, wonach die Natur und insbesondere der menschliche Koerper eine perfekte Schoepfung (Gottes oder ‘der Natur’) ist und nicht vom Menschen veraendert werden darf. Weiteres dazu schrieb ich wie gesagt hier:

Philosophie der Brit Mila – Was juedische Beschneidung mit Politik und Weltanschauung zu tun hat und warum Antisemiten dagegen sein muessen…

und will mich nicht wiederholen. 

 

Aber vielleicht waren ja die deutschen Richter nur um die Gesundheit der Kinder und die Risiken eines solchen Eingriffs besorgt?

Wir sollten hier zwei Dinge strikt auseinanderhalten: Eine Seite der Beschneidungskritik beruft sich auf den Schutz und die Sorge um die Gesundheit des Kindes, waehrend eine andere, unter Namen wie ‘Verstuemmelung’, ‘Koerperverletzung’, etc. den beschrieben Eingriff in die ‘perfekte Schopefung’ ablehnt – ganz egal welche gesundheitlichen Vor- oder Nachteile eine Beschneidung hat oder haben koennte.

Das erste Argument ist im Prinzip haltlos, denn Rabbiner oder juedische Eltern sind doch die ersten, die sich um das Wohlergehen des Saeuglings sorgen und helfen gerne mit, das halachische Beschneidungsritual noch sicherer zu machen. Auch gesetzemaessig koennte man dieses Problem relativ leicht ausraeumen oder gegen 0 vermindern, wie z.B. wenn der Beschneider eine ‘Lehrezeit’ bei einem Beschneider nachweisen muss, gleichzeitig Arzt sein muss oder ein Arzt anwesend sein muss, oder wenn er eine bestimmte Ausbildung oder Kurse nachweisen muss, etc. etc. – es gibt da viele Moeglichkeiten. Das waere alles nicht wirklich das Problem, wenn es hier nur darum gehen sollte, den Rest von Gefahren fuer das Neugeborene waehrend einer Beschneidung ausraeumen zu wollen.

Darum geht es aber nicht wirklich, sondern um den zweiten Punkt: Das Unbehagen, dass an der ‘perfekten Schoepfung’ etwas ‘entstellt’ wuerde.

Und hierbei ging es vornehmlich meiner Meinung nach doch eher um das Judentum, als um den Islam, auch wenn viele behaupten, dass die Richter eigentlich auf falsche Praktiken von Moslems reagierten und Juden es jetzt ausbaden duerfen.

Meiner Meinung nach hatten die deutschen Richter da einen ‘Gluecksfall’ vorgefunden: Ein Beschneider pfuscht und dann auch noch ein Moslem.

So kann man im Namen des Schutzes der Gesundheit des Kindes und ohne jeden Verdacht des Antisemitismus’ juristisch der ‘Beschneidung allgemein’ auf den Leim gehen.

 

Der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Holm Putzke dachte konsequenterweise bei der Erklaerung und Einschaetzung des Gerichtsspruchs auch zu aller erst daran, dass es ja nicht antisemitisch (nicht etwa ‘islamophob’) sein koenne, denn es sei ja nicht politisch beeinflusst.

 

Prof. Dr. Holm Putzke

 

Auch scheint es da irgendeine mysterioese Macht zu geben, die einen “abschrecken” koennte:

 

“Das Gericht hat sich – anders als viele Politiker – nicht von der Sorge abschrecken lassen, als antisemitisch und religionsfeindlich kritisiert zu werden”.

 

‘Humanisten’, ‘Hellenisten’ und Christen muessen sich gegen die Beschneidung stellen. Fuer alle sie sind der ‘natuerliche’ Koerper, die ‘reine Schoepfung’ etc., heilig, und jeglicher Eingriff an dieser ‘Vollkommenheit’ ist ihr ein unnatuerlicher,, blasphemischer, bis aggressiver , verletzender Akt. Die angebliche ‘Harmonie der Welt’ wird dadurch erschuettert!

Im Judentum ist es natuerlich genau andersherum, wie erwaehnt: Der Mensch, bzw. der maennliche Teil dieser Gattung, ist nicht ‘perfekt’ [bzw. zeigt nicht den Willen zur Perfektion], wenn er sich nicht der Beschneidung unterzieht. Erst durch sie perfektioniert er sich und setzt ein Zeichen in der Materie, dass er in einen schoepferischen Bund mit Gott eintritt, sich und die Welt fortwaehrend immer weiter zu veraendern, ‘zu beschneiden’ und zu perfektionieren – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Weltansichten, sieht das Judentum die Welt und die Natur nicht als ‘perfekt’ an, sondern sie beduerfen staendiger Verbesserung – Juden nennen dieses Prinzip Tikkun Olam.

 

Nachdem das also klar ist, ist die Parallele zwischen antikem Hellenist und modernen deutschen ‘Humanist’ nicht weit. Die letzteren sollte aber bei allem nicht vergessen, in wessen Tradition sie sich dann aber noch stellen:

 

Und hier moechte ich nun einmal den Natur- und Tierfreund Adolf Hitler zitieren (auch wenn die ‘Gespraeche mit Hitler von Hermann Rauschning teilweise umstritten sind, sollte Hitler jedes Wort unterschreiben koennen):

 
“Das Gewissen ist eine jüdische Erfindung. Es ist wie die Beschneidung eine Verstümmelung des menschlichen Wesens. Ich befreie den Menschen von der schmutzigen und erniedrigenden Selbstpeinigung.” 
(A. Hitler nach H. Rauschning, Gespräche mit Hitler, Europa Verlag, Zürich 1940)
 
Sprich, Hitler haette das Koelner Gerichtsurteil sehr begruesst und zwar nicht nur in der Sache, sondern auch dessen ideologische Begruendung von der ‘koerperlichen Unversehrtheit’ bzw. dem Verhindern der ‘Verstuemmelung des menschlichen Wesens.’ Moegen die Herren und Damen, die sich enthusiastisch und energisch fuer das anti-juedische Beschneidungsverbot und gegen das Zeichen, dass die Welt verbessert werden muss, einsetzen, zumindest wissen, auf wessen Seite sie stehen…
Stuermeraehnliches Cartoon, ueber den Monsterjuden gegenueber dem guten christlich-arischen Recken.
 


39 Comments to “Vom letzten juristischen Angriff auf juedisches Leben in Europa. Oder: Vom Wahn der ‘koerperlichen Unversehrtheit’”

  1. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Das ist jetzt aber sehr billig es auf Dl.zu begrenzen und von da zum Antisemitusmus zu gelangen.Zu den religiösen Gründen werde ich mich nicht äussern es ist zwecklos so als ob man sich über Geschmack streiten wollte ausserdem kann sich der Gläubige bequem auf höhere Kräfte berufen,sorry ich kriege meine Befehle von einer höheren Stelle da kann aber nichts machen.Die Diskussion über die Beschneidung wird in ganzen Westen geführt.Australien USA um einige zu nennen.San Francisco hat es glaube ich verboten der Governator wieder erlaubt.Das zeigt dass in vielen Ländern darüber gesprochen wird.Es als einen rein deutschen Angriff auf das Judentum in DL.zu beschreiben ist eine bewußte Falschinformation

  2. “Die Diskussion über die Beschneidung wird in ganzen Westen geführt. Australien USA um einige zu nennen. San Francisco hat es glaube ich verboten der Governator wieder erlaubt.”

    Da hast du Recht, ich haette auch auf andere Laender eingehen sollen (und in dem Artikel, den ich verlinkte habe ich das teilweise auch).

    “Es als einen rein deutschen Angriff auf das Judentum in DL.zu beschreiben ist eine bewußte Falschinformation”

    Nein, denn es gibt momentan weltweit kein anderes Land, wo ein Gericht aktiv die Beschneidung verboten hat. Falls du eins findest, lasse ich mich gerne belehren.

  3. jerry says:

    Thomas von der Osten-Sacken, bekannt vom WADI-Blog, der djungle world und der Initiative gegen weibliche Genitalmutilation, scheint extratief ins Sommerloch gefallen zu sein und kommt da, wie es aussieht, von alleine nicht mehr wieder raus. Aber warum sollte es ihm in diesem Punkt auch anders gehen als der Mehrheit in diesem Land?

    Von Gerrit Liskow

    Herr v.d. Osten-Sacken und sein Umfeld sind geeignet wie nichts Zweites, um den Extremismus´ jener Mitte zu illustrieren, deren Avantgarde die beiden bilden möchten; und nur als solche, in ihrer Funktion als Exempel, sind Herr v.d. Osten-Sacken und sein Sozialzusammenhang an dieser Stelle relevant.

    Seit Pionierjurist Holm Putzke in den rechtlichen Fragen der Abschaffung des Judentumes den Durchbruch bei el-Alamein mit den Mitteln der praktischen Juristerei nachgeholt hat, hält v.d. Osten-Sacken die argumentative Stellung für die Vorhaut der Avantgarde in diesem Land. Vorerst nur in Germany, aber auch in beiden Alpenrepubliken formiert sich inzwischen der legitime Widerstand der Volksgemeinschaften gegen “barbarische, alttestamentarische” oder sonstwie “talmudische” Rituale; übertrieben “islamkritisch” gibt sich die Mehrheitsmeinung derzeit noch nicht, da sei Prof. Benz vor.

    Seit mehr als drei Wochen geht das so, und religiöse Menschen werden sich fragen, ob es ein Zufall sein kann, dass dies ausgerechnet in den Wochen vor Teisha b´Av geshieht, dieses Meinungs-Pogrom, das sich selbst als eine “Beschneidungsdebatte” wähnt und missversteht, und das sich einen Dreck um die Meinung der Betroffenen schert, denn wo kämen wir denn da hin, wenn wir auf deren Meinung etwas gäben, nicht wahr? Bei einer Vergewaltigung fragt doch hinterher auch keiner, wie es für das Opfer war!

    Eben, liebe Mehrheitsgesellschaft, eben.

    So etwas Altmodisches wie Minderheitenschutz ist was für Schwache, ein überflüssiger Luxus, der abgeschafft gehört, frei nach der Devise: Höflichkeit ist eine Zier, doch besser lebt sich´s ohne ihr? “Debatte” finde ich das dann angesichts des empirischen Befundes von drei Wochen in Deutschland veröffentlichter Meinung jedenfalls sehr diplomatisch benannt.

    Es ist vor allem eins: Ein Selbstgespräch, dass diese Mehrheitsgesellschaft mit sich selber führt, oder für sich führen lässt, von ihrer Avantgarde, und das der kollektiven Selbstvergewisserung dienen soll und dienen möchte; wozu man vor dem Hintergrund historischer deutscher Sonderwege sagen muss: Wehe, wenn sie losgelassen!

    Die Vorhaut der Avantgarde

    Sich selbst scheint der Atheismus à la v.d. Osten-Sacken hinter der “Meinung” verschanzt zu haben, die Putzke-Offensive aus Köln dürfe nur der Anfang bleiben. Die wichtigste “politische” Forderung aller uffjeklärten Meinungspioniere müsse deshalb lauten: weltweites Beschneidungsverbot – jetzt! Käme auf einen Versuch an, oder? Beim UNHRC könnte diese Forderung sogar erfolgreich sein: in Saudi-Arabien und Uganda versteht man bestimmt sofort, was v.d. Osten-Sacken und der jungen äh, der djungle world auf dem Herzen liegen muss, liebe Atheisten.

    Vorsicht, verehrte Leserinnen und Leser: Der Atheismus ist argumentativ bewaffnet, ausreichend munitioniert und leider nicht nur zur finalen Selbstdemontage, sondern ach zum finalen Amoklauf bereit. Kommen Sie ihm nicht zu nahe, denn er feuert auf alles, was sich draußen bewegt – vor dem Fenster der gedanklichen Höhle, in der er sich befindet.

    Und damit zurück zu Herrn v.d. Osten-Sacken. Der wird auf Facebook angefeuert von seiner Clacque blitzgescheiter junger Menschen, in der auch Jontahan Weckerle nicht fehlen will, wenn es um die Lösung der Beschneidungsfrage geht. Richtig, Michael Spaney, das ist genau derselbe Weckerle, der sonst immer “Stop the Bomb…” gerufen hat, nun aber hinzufügen möchte: “…wir haben jetzt etwas Besseres – und es kommt nicht mal aus Teheran!”

    Jonathan Weckerle, Thomas v.d. Osten-Sacken, Ingo Way und wie sie alle heißen, sehen für jenes restlos uffjeklärte Volksempfinden mehr oder weniger typisch aus, das seit Wochen keinen Stein auf dem andern lässt, wenn es in Mainstream-Medien und Avantgarde um “talmudische” oder “barbarische” Riten geht; was das über sie verrät, muss jeder selbst wissen.

    Voilà, die Mehrheitsgesellschaft, die in Deutschland wütet, ohne dass ihr Appetit auf ein Verbot der Beschneidung bislang befriedigt werden konnte: Es sieht trotz allen den Worten der “Komikernation”-Kanzlerin zuwiderlaufenden Initiativen aus den Reihen ihrer eigenen Koalition so aus, als ob es bei der Gesetzesinitiative bleiben würde, die der Bundestag noch vor den Ferien beschlossen hat.

    Neuheidentum und Atheismus

    Nun ja, als letzte Hoffnung des nationalen Atheismus in seiner aktuellen Inkarnation bietet sich die deutsche “Linke” mit einer Verfassungsklage an, heißt es, denn bei der “Partei” der wissenschaftlichen Weltanschauung ist, das wissen wir, alles “politisch” in ach so “guten” Händen, wie sich das die restlos uffjeklärte deutsche Avantgarde und ihr “ritualkritischer” Mainstream nur wünschen könnten, sobald es um Israel und das Judentum geht.

    Alles blitzgescheite junge MenschInnen und Menschen, die zukünftige Elite von Parteien, Gesellschaft und Staat, die sich freuen, wenn v.d. Osten-Sacken zu einem neuen gedanklichen Amoklauf auf Facebook ansetzt und die nur zu gerne beweisen würden, dass die “Genitalverstümmelung” von Mann und Frau letztlich nicht bloß ein und dasselbe ist, sondern die männliche Beschneidung moralisch sogar noch viel verwerflicher wäre, als die der Frau.

    Warum? Weil die männliche sich nämlich “daran aufrichte”, dass das Lustempfinden durch sie nicht gänzlich zerstört werden kann. Ach so, sich also nicht etwa dadurch unterscheidet, dass ein Verlust der Orgasmusfähigkeit bei der Beschneidung im Gegensatz zur Genitalverstümmelung eben nicht biligend in Kauf genommen wird, sondern sich darauf auch noch etwas einzubilden wagt, verstehe.

    Gut wäre, wenn der Vorhut der Avantgarde auch mal zu den Problemen etwas einfallen würde, die sie mit den empirischen Fakten haben. Zuletzt wusste man in Kreisen wie diesen in den 70er Jahren, dass Kastration nur eine vorübergehende Lösung sein kann. Vielleicht geht also der Genosse, der sich so instinktsicher dafür eingesetzt hat, aus Beschneidung und Genitalverstümmelung eins zu machen, mit gutem Beispiel voran: Es genügen zwei Ziegelsteine, um in diesem Punkt endlich aufgeklärt zu sein.

    An irgendetwas muss man anscheinend glauben, seitdem man in der offiziellen Kirche kaum noch bei vollem Verstand das Verbot der Beschneidung nach moslemischem oder jüdischem Ritus fordern kann, ohne sich dafür zumindest einem zivilisatorischen Mindestmaß an Schelte auszusetzen. Im Rahmen der “Beschneidungsdebatte” hat sich der ungeglaubte Glaube eben neue Bahnen gebrochen und hört nun, wenn man ihn Neuheidentum oder Atheisums ruft; beides reimt sich ganz von allein auf den Rückfall in soziale Regression und gedankliche Barbarei.

    Die “Politik” des Körpers

    Hier nun aber zwischendurch mal die Worte des praktizierenden Nahostexperten, Vorhauthumanisten, Ritualfeindes und Sprecher des Arbeitskreises “Klerikalfaschismuskritik” der djungel world sowie des selbsternannten “Israelfreundes” Thomas v.d. Osten-Sacken, wie er sich in einem seiner lichteren Momente um Kopf und Kragen scherzt, und das im vollen Ernst:

    “Ich schlage noch vor eine dritte Kammer grundgesetzlich zu verankern, der Kleriker aller Weltreligionen sitzen und Gesetze fortan auf ihre Vereinbarkeit mit der Religion überprüfen. Das wäre in jeder Hinsicht gut, auch außenpolitisch, die Saudis würden dann noch lieber in Deutschland investieren und der Dialog mit Iran und Hizbollah (letzteren wurde ja gerade EU-zertifiziert, keine Terrororganisation zu sein) fiele auch wesentlich leichter. Für weitere Vorschläge ist man natürlich offen. (Ach ich vergaß: Abtreibungen sollten natürlich ab sofort auch noch verboten werden, erste passende Argumentationsmuster wurden dankenswerterweise ja schon von der Achse der Guten zur Verfügung gestellt.)”

    Sie sehen, verehrte Leerinnen und Leser: Am ganzen Nahen Osten haben nach seiner Meinung zwar nicht Israel und die Juden, aber immerhin die “Weltreligionen” und mithin auch der Jud´ als solcher ein kleines bisschen schuld; und wenn nicht der, dann eben seine “Kleriker”, die Fundis und Orthos, sowie deren Praxis der Beschneidung. Was sich im Umfeld der djungle world dann auf “Klerikalfaschismus” reimt: Die Juden sind also im gleichem Maß “Faschisten”, wie die Moslems – das macht einen dann “politisch” bestimmt sehr bündnisfähig mit den Pro-Parteien, PI-News und dem übrigen “politisch” gewendeten Neuheidentum – aber welchen sozialen Vorteil hat das sonst?

    Nun wird sich der uffjeklärte Atheismus natürlich rausreden wollen, indem er darauf hinweist, dass er im Unterschied zum rechten Rand eben keineswegs den Skandal bloß darin sehe, dass Juden und Moslems ihrem männlichen Nachwuchs die Vorhaut abtrennen, sondern vilmehr: dass sie sich damit der universellen Aufklärung widersetzen, und darauf verweisen, dass die Differenz zwischen Symbol und Gegenstand einer ums Ganze wäre. Aber: Es wird diese Unterscheidung irrelevant, im selben Maß, in dem das Symbol zum Gegenstand wird.

    Die Quintessenz der Dialektik der Aufklärung besteht und bestand auch bei Horkheimer/Adorno gerade darin, dass die Aufkläung notwendig unvollendet bleiben muss, wenn sie nicht genau den totalitären Behemoth, das Staat und Gesellschaft gewordene Urvieh, produzieren will, den zu verhindern sie sich zum Programm gemacht hat – die Grenzen der Aufklärung sind der Unterschied ums Ganze, den sich die Gesellschaft in ihrem eigenen Interesse bewusst machen muss, wenn sie sich selbst nicht unmöglich machen will.

    Und weiter zu obigem Zitat: So einfach ist die Weltformel einer restlos uffjeklärten, atheistischen Logik, wenn sie “politisch” werden will. Denn wer gegen “Weltreligionen” noch mehr als gegen Staaten sein will, muss nicht nur gegen generell alle Staaten, sondern zunächst mal gegen alle Religionen sein; ausgerechnet beim Judentum oder beim Islam eine Ausnahme zu machen, um sie von den Errungenschaften des ungeglaubten Glaubens auszunehmen, das würde gar antisemtisch sein, oder islamophob, und das sind bekanntlich immer nur die andern, nicht wahr, liebe v.d. Osten-Sacken-Fans?

    Und überhaupt: Ist es nicht einfach fies, wie dieser beschnittene, äh: jüdische Staat den ganzen Konflikt für sich alleine beansprucht, ihn für sich alleine haben will, ihn für seine Zwecke instrumentalisiert und manipuliert, um sich auf Kosten anderer zu inszenieren und profilieren, als Opfer einer Debatte?

    Fast noch schlimmer, als auch noch die Moslems in die so genannte Beschneidungsdebatte “mit rein zu ziehen”, was einem ja mittlerweile auch schon unterstellt wird; oder könnte etwas mehr Wahres dran sein, als einem lieb ist, wenn man die PA als einen Haufen Schmocks bezeichnet?

    Wenn aber der beschnittene Staat, das ist der der Juden und Moslems, zumindest nicht ganz allein schuld an der “politischen” Lage sein kann, dann aber eben die Beschneidung, oder? Es wird wohl daran liegen, was “da unten so rum” passiert, oder was da eben nicht passiert, beim “Frieden” und in der “Politik”, nicht wahr liebe Atheisten, sonst könnte man doch nur mit deutlich weniger Verve sagen “ihr seid doch selbst schuld, was habt ihr auch mit euren Kindern gemacht”?

    Hindernisse auf dem Weg zum ´Frieden´

    Als ob der Westen nicht mit dem Iran im Gespräch bliebe, auch wenn die Beschneidung weiterhin verboten bleibt – der selbe Iran, mit dem seit Jahr und Tag ein “kritischer Dialog” geführt wird (viele Grüße auch an Ruprecht Polenz, CDU). Und als ob man deswegen bei der Hizbollah die EU nicht mag – dieselbe Hizbollah, welche die EU so legal findet, wie ein SOS Kinderdorf oder einen Kegelclub.

    Am Elend des Westens wären also auch weiterhin die Anderen schuld, solange es nicht beim Verbot der Beschneidung bleibt. “Aufgeklärt” aber wäre das Judentum mit Reißverschluss vorne dran, wie Gil Yaron aus Tel Aviv den deutschen Spiegel-Lesern erklärt; das sind die, die “mehr wissen” – noch mehr!

    Die Lust der Moslems und der Juden, das sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, ist nämlich aus echt uffjeklärter Sicht gar keine vollständige, und somit keine vollkommene, denn ihr fehlt ja was: die Vorhaut. Es kann der Sex ohne Vorhaut die Lust individuell aber nicht befriedigen, und auch sozial kann das dann nicht befriedigend sein, oder eben befriedend – wie verheerend für den Volkskörper, und somit die Gesundheit von Nation und Staat, mon dieu! Dass “das alles nur Fickprobleme” wären, “wussten” indes nicht erst die 68er.

    Das mit der “Unfähigkeit zum Frieden” liegt jedenfalls nach Ansicht der Mehrheitsgesellschaft daran, dass der männliche Nachwuchs von frühetser Kindheit “verstümmelt” und “traumatisiert” worden ist, im “Extremfall” namens Judentum bereits nach sieben Tagen, so dass er für das Leben “verloren” und “gezeichnet” ist – durch den Bund, der in ihr Fleisch gestempelt ist; eine Annahme, für die es keinerlei emprisichen Beweis geben kann, und die deshalb umso fanatischer in den Rang enes Dogmas erhoben werden muss.

    Es so führt also aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft eine symbolische Kastration dazu, dass den hoffnungslos und unrettbar normalen Menschen in diesem Land das Leben vehement zur Hölle gemacht wird, von Na-Sie-wissen-schon-wem? So oder so ähnlich “denkt” es inzwischen im uffjeklärten Mainstream vom Esohorst bis zur Politursel, und auch in der Avantgarde von Nation und Staat.

    Es fehlt nur noch eins: Die Frage “cui bono?”

    Am Ende wird es möglich sein, zu behaupten, “Die Juden” stecken hinter dem Urteil aus Köln, und sie hätten es herbeigewünscht um sich “als Opfer interessant zu machen”, um ein Gesetz zu bekommen, dass ihre “altestamentarischen Riten” erlaubt – und sieht Holm Putzke nicht auch ein klein wenig “alttestamentarisch” aus, vielleicht “nur unten rum”?

    Und das Beste daran: Man wird all das in Deutschland sagen können, ohne dass jemand auf die Idee kommt, das wäre islamophob oder antisemitisch gemeint – abgesehen von den Betroffenen, und was sie zu sagen haben oder hätten, ist für die Mehrheitsgesellschaft oder ihre Avantgarde ohnehin nicht relevant.

    Also, liebe Mehrheitsgesellschaft, liebe Avantgarde: Warum scmeißt ihr nicht mal zusammen für eine schicke Operation, eine Vorhautrestauration; wäre das nicht das atheistisch-neuheidnische Äquivalent zur Taufe, ein Projekt zur Rettung der Juden und der Moslems vor sich selbst, vor allem aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum sozialen “Frieden” im restlos uffjeklärten, totalen Staat?

    Oder würde es euch dann über Gebühr bewusst, wie missionarisch, mithin freiwillig-unfreiwillig islamophob und antisemtisch, eure schwiemelige Uffklärung, euer scheinheilig ungeglaubter Glaube, vulgo: eure “Beschneidungsdebatte”, in Wirklichkeit sind?

  4. Yael says:

    “San Francisco hat es glaube ich verboten der Governator wieder erlaubt”

    Das stimmt nicht.

    “2011 versuchte eine Bürgerinitiative in San Francisco ein Referendum zum Verbot der Beschneidung zu organisieren. Die Volksbefragung wurde aber noch vor dem Urnengang von einem Gericht für verfassungswidrig erklärt. Kurz danach erließ der Staat Kalifornien ein Gesetz, das regionale Verbote von Beschneidung untersagt.”

    Es gibt kein Land in Europa was Beschneidungen explizit verbietet. Wo kein Kläger da kein Richter.

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13378

    Uli, es gibt kein Verbot der Beschneidung. Das kann nur der Gesetzgeber aussprechen. Ein Gericht hat es als Körperverletzung gewertet, ein anderes würde vielleicht zu einem anderen Ergebnis kommen, darauf weist das Urteil auch hin. Ein ehemaliger Bundesverfassungsrichter hat sich sehr kompetent zum Thema Körperverletzung versus Religionsfreiheit geäußert. Siehe Link (http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/pro-beschneidung-es-geht-um-essenzielle-glaubensinhalte_aid_786457.html).
    Ich denke, dass sind eben die Missverständnisse, bzw. eine völlig falsche Einschätzung der derzeitigen Situation. Das kommt natürlich auch daher, dass alle von einem Verbot der Beschneidung sprechen, vor allem die Medien, wo es gar keines gibt. Es besteht schlicht nur Rechtsunsicherheit und deswegen tun es die meisten Ärtze momentan nicht.
    Im Herbst wird ein Gesetz kommen, was die Beschneidung erlauben wird.

  5. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Hallo!
    Ullrich es wurde nicht verboten,rein technisch und alle Partein in DL. sind auf der Seite der Befürworter nicht der Gegner.Man ist dabei schnellstmöglichst ein Gesetz rauszubringen.Das klingt nicht nach einer Attacke auf das Judentum ausserdem reden wir von der Beschneidung nicht davon die Ausübung einer Religion in Dl. zu verbieten.Seit dem Urteil aus Köln hat man sich darüber bisschen informiert und wie gesagt es ist nicht auf Dl. begrenzt ja es gibt sogar eine Seite im Web wo Juden sich dagegen aussprechen.Es ist zu einfach den Leuten nur Antisemitismus zu unterstellen und das wars.
    So sehen die Gegner die Situation im Lande

    @Jerry
    Dir liegt aber das Thema auf den Herzen,oder?
    @Yael
    Hier,das klingt für mich wie Ban gegen den Ban

    http://www.huffingtonpost.com/2011/10/02/california-circumcision-ban_n_991493.html

  6. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Hier das Bild was ich vergessen habe
    So sehen die Gegner die Situation im Lande
    [url=http://www.bilderupload.de/bild.php/89301,beschneidungIHPDG.png][img]http://www.bilderupload.de/bild.php/2,89301,beschneidungIHPDG.png[/img][/url]

  7. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Letzter Versuch

  8. Gast,

    “Das klingt nicht nach einer Attacke auf das Judentum ausserdem reden wir von der Beschneidung nicht davon die Ausübung einer Religion in Dl. zu verbieten.”

    Im Falle des Judentums ist das eine das andere.

    Fakt ist, dass ein Gericht den Mohel in eine Situation gebracht hat, wo seine Beschneidung als kriminelle Tat gelten kann. Welcher Mohel kann heute in Koeln bedenkenlos eine Brit Mila durchfuehren?

    Und so ein Gesetzt wird wohl trotzdem die Bedingungen zur Beschneidung weiter einengen – wir werden sehen. Und immernoch: Dieses Gerichtsspruch ist einzigartig in der Welt und warum dann wieder ausgerechnet Deutschland?

  9. Antifo says:

    … warum dann wieder ausgerechnet Deutschland?

    @Ulrich J. Becker
    Die deutsche Öffentlichkeit springt doch schon seit Jahren hysterisch auf jedes Thema mit Gewalt gegen Kinder an. Man denke nur an die Medienkampagne um Bischof Mixa, weil der Jahrzehnte davor mal Heimkinder geschlagen haben soll. Das richtete sich natürlich auch gegen den Katholizismus.

  10. Yael says:

    @Uli, dazu müsste erst einmal jemanden einen Mohel nach einer gesehenen Beschneidung anzeigen. Und ein Mohel vor Gericht kann sich dieses Land nicht leisten.

  11. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Hallo
    @Ulrich
    Ja sehen wir mal was der Bundestag machen wird.
    Im Falle des Judentums ist das eine das andere
    Wie gesagt es gibt auch Juden die die Beschneidung ablehnen und ich vermute mal dass die sich selbst auch als Juden sehen
    @Yael
    Dazu müsste erst einmal jemanden einen Mohel nach einer gesehenen Beschneidung anzeigen
    Ich habe gelesen dass die Rabbis in DL.nicht so lange warten wollen bis ein Gesetz kommt und dass sie weitermachen werden frei nach den Motto “Wo kein Kläger da kein Richter”
    Aber man kann sich auch so eine Situation wie in Köln vorstellen wo es Folgekomplikationen gibt,die Eltern gehen in ein Krankenhaus und die wiederum informieren die Polizei und die wiederum….

  12. mike hammer says:

    #Gastderzufälligvorbeikam
    als was sich jemand sieht ist völlig unerheblich.
    ich kann 50 mal den deutschen paß haben,
    das interessiert keinen deutschen.
    ein jude ohne brit ist wie
    eine päpstin, ein
    no go.

  13. jerry1800 says:

    stimmt, und viele Neueinwanderer mußen die Brit Mila mit 18 oder 25 Jahren machen, weil es dort keine Mohel gab und Brit Mila verboten war….

  14. Yael says:

    Gastderzufälligvorbeikam

    Ich habe noch von keinem einzigen Fall in Deutschland etwas vernommen, dass nach der Beschneidung eines Mohels irgendwas schief gelaufen ist und ein Baby deswegen ins Krankenhaus musste. Übrigens auch Ärzte die beschneiden, geben zu, dass das die Mohelim das um einiges besser können als sie selber.

  15. Nachamu says:

    Also ich finde diese deutsche Vorhauthysterie absolut lächerlich und unmöglich. Alle männlichen Babies sollten beschnitten werden, das ist meine Meinung.

    Und ich kenne keinen einzigen Mann, der beschnitten ist und deswegen rumgejammert hätte, oder es bereut.

    Naja, ich hoffe, daß der Rummel bald vorbei ist und es zu keinem gesetzlichen Verbot kommen wird.

  16. Nachamu says:

    PS: Und immer wenn ich einen Regenbogen sehe… ;)

  17. Rainer Lang says:

    um die Dinge mal klarzustellen, es geht nicht um eine Beschneidungsverbot, sondern die Beschneidung muss die freie Willensentscheidung eines volljährigen jungen Mannes sein.

    Ferner geht es auch nicht um uns Jüdische, Anlass war meines Wissens ein muslimischer Fall. Von daher ist Yael (Beitrag auf ihrem Blog zuzustimmen:

    ” Seit Tausenden von Jahren beschneiden Juden ihre Söhne, bis zum Urteil des Kölner Landgerichts hat das weder die Deutschen noch die Österreicher besonders interessiert, um nicht zu sagen, Null interessiert. ”

    Dabei wäre es auch geblieben, wäre nicht dieser Fall aufgetaucht.

    Dabei zeigt sich deutlich, dass traditionelle Religionen notwendig in Konflikt mit säkulären sozialen Systemen geraten. Anders gesagt: es kollidieren Rechtssysteme, dann man kann die gemeinten Religionen durchaus als solche interpretieren. In einem säkulären Rechtsstaat kann es allerdings kein Nebeneinander diverser Rechtssysteme geben.

    Im Konfliktfall für Ausgleich zu sorgen ist schwierig. Es nicht sein, dass einzig der säkuläre Rechtsstaat zu Zugeständnissen bereit sein soll!

    Gerade die BRD ist Heimat und Ursprung des liberal-progressiven Judentums. Ich sage es einmal so: hätte es diesen verfluchten NS-Teufel nicht gegeben, wäre auch das liberal-progressive Judentum nicht ausgelöscht worden und wir hätten diese Diskussion in der heutigen BRD gar nicht, da linear hochgerechnet, das liberal-progressive Judentum die Beschneidung nicht-Volljähriger längst abgeschafft hätte, hätte es kein abruptes Ende gefunden.

    Wer Interesse an weiteren alternativen jüdischen Sichten hat, der lese bitte hier weiter:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungsdebatte-unsere-seltsame-tradition-11827726.html
    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

  18. jerry1800 says:

    wir müßen doch unterscheiden, ob ein 8 Tage altes Baby oder ein 14 jähriger Junge beschnitten wird. Das ist unvergleichlich nicht derselbe Vorgang.

  19. Yael says:

    @Rainer

    wenn man sich als Erwachsener beschneiden lässt, ist es ungleich gefährlicher und schmerzhafter als bei einem Baby. Ich habe einige Komplikationen bei Gerim mitbekommen. Das ist alles andere als schön, wenn man, als Mann, es bewusst mitbekommt. Allein die Wundheilung ist bei einem Baby wesentlich komplizierter. Das mal nur am Rande.
    Die Hysterie ist allerdings wirklich nicht nachzuvollziehen, ich erinnere, dass auch Reformer und Liberale ihre Söhne, auch hier, beschneiden. Zu sagen, die früheren Reformer hätten es in Dtl. abgeschafft, halte ich für nicht haltbar.

    Siehe hier:

    http://www.hagalil.com/archiv/2012/06/28/beschneidung-5/

    Es gibt schon eine Feststellung des Bundesverfassungsgerichts, dass zur Religionsfreiheit auch “das Recht gehöre, „sein gesamtes Verhalten an den Lehren seines Glaubens auszurichten“. Ich sehe daher kein Nebeneinander diverser Rechtssysteme, die es ja auch nie gab.

  20. Rainer Lang says:

    Yael, man hat mich beschnitten, und zwar innerhalb der gewissen 8 Tage. Dabei habe ich Schaden erlitten, bis heute (fast 60), alter Knacker, mit Beschneidungstrauma.

    Von daher bleibe ich dabei: nur wer volljährig ist und damit fähig zur freien Willensentscheidung soll sich beschneiden lassen.

    Und noch was: früher war es so, dass die Eltern im Prinzip mit ihren Kindern fast alles machen konnten, was sie wollten. Die Zeiten haben sich allerdings verändert. Heute ist das nicht mehr so und ich bin nicht alleine mit meiner Ansicht, das jede Generation unseren Glauben so interpretiert, wie sie es will. Das bedeutet, das wir veränderte Rahmenbedingungen berücksichtigen, zumal die Torah nicht eindeutig die Beschneidung nahe legt, wie so manche Rebe uns glauben machen wollen. Bitte lese: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungsdebatte-unsere-seltsame-tradition-11827726.html

    Wie gesagt, es geht nicht um die Beschneidung als solche, sondern um die freie Willensentscheidung und damit das Alter. Auch ich wäre froh, hätten meine Eltern es mir selbst überlassen und bin überzeugt, dass meine Beschneidung im volljährigen Alter nicht traumatisch verlaufen wäre.

    Es ist gerade der Pluspunkt unserer Religion, dass wir entgegen der dumpf am Text klebenden Muslime und den von Entscheidungen einer kleinen selbsternannten ‘Elite’ abhängigen autoritätsgläubigen Christen sozusagen basisdemokratisch die Torah und den Talmud auslegen. G-tt erlaubt uns dies und dafür sollen und müssen wir Elohim dankbar sein!

  21. jerry1800 says:

    man hat mich beschnitten, und zwar innerhalb der gewissen 8 Tage. Dabei habe ich Schaden erlitten, bis heute (fast 60), alter Knacker, mit Beschneidungstrauma.

    also, ich hatte genau dasselbe an einem Dezembertag 1952 und habe definitv KEIN Beschneidungstrauma…
    und da der Brit nicht perfect war hatte ich vor 2 Jahren eine Korrektur mit dem Laser, welches ebenfalls NICHT in ein Trauma resultierte.

    Ich versteh das ganze Trauma-argument total nicht !

  22. mike hammer says:

    #jerry1800
    ist so eine liebrallah sache, das verstehen wir
    juden nicht. :(

  23. Yael says:

    Rainer, ich will dir kein Trauma ausreden, aber woher weißt du, dass es mit der Brith Mila zusammenhängt? Psychische Traumata, wenn es bei dir darum geht, sind oft so diffus, dass man nicht weiß woran es liegt bzw. dass es sehr oft oder sogar meistens mehrere Gründe dafür gibt und nie nur einen einzigen. Ich finde das Thema ist immer sehr schwierig und sehr komplex.

    “Beschnitten werde bei euch jegliches Männliche und das dies zum Bundeszeichen werde zwischen mir und euch” (Gen. 17:10).”

    Was ist daran nicht eindeutig?

  24. Caner says:

    Die Zwangsverheiratung hat auch lange niemanden interessiert und wenn die 14 Jährige Aishe nach dem Urlaub nicht mehr in der Schule war dann ar das eben so…das ist doch kein Argument.

    Nach dem Gesetz ist es Körperverletzung.Es ist nich tmal mehr ein Klaps auf den Po erlaubt.

    Ausserdem steht im Gesetz das niemand zu Religiösen/Kirchlichen Handlungen gezwungen werden darf.

    Vor 130 Jahren oder so hat ein Deutsche Gericht entschieden das Juden beschnitten werden MÜSSEN!Und das obwohl der Vater konvertieren wollte-er war aber noch nicht…sie hätten sich an die Religiösen Riten zu halten.Ist das ein besseres Gesetz???

  25. flegma says:

    Ich denke, die salominischste Lösung wäre, wenn man es den Kindern selber überliesse, ihre Eltern zu verklagen (und von ihnen Schadenersatz zu fordern), falls sie bei der Beschneidung ein Trauma erlebten (wie Rainer) oder falls sie sonst aus irgend einem Grund nicht einverstanden sind.

    Ich nehme aber an, dass diese Möglichkeit heute schon besteht…

  26. flegma says:

    @Yael

    Wenigstens widerlegt die Aussage von Rainer Lang die Behauptung, dass die Brit Mila nicht traumatisch ist.

    Wie bei so vielen Sachen im Leben reagieren verschiedene Menschen verschieden, auch sind die Umstände nicht überall gleich (bei manchen geht es schief, auch wenn es wenige sind, muss man das berücksichtigen), und deshalb kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Die meisten Männer erinnern sich nicht an ihre Brit mit 8 Tagen, daher können sie keine Aussage darüber treffen, wie sie sich dabei gefühlt haben, manche haben daran oder an die folgen negative Erinnerungen. Auch diese Menschen müssen bei der Debatte berücksichtigt werden und können nicht einfach vom Tisch gewischt werden…

  27. Yael says:

    Hallo Rainer, ich hoffe, ich bin dir nicht zu nahe getreten. Wenn du magst, können wir das auch per Mail machen, denn mich interessiert deine Geschichte sehr. Toda.

  28. Gastderzufälligvorbeikam says:

    @Mike
    Ich weiß nicht von was für ein Land Du redest.Ich hab auch einen (Beute)deutschen Pass und noch nie hat mich deswegen jemand angemacht.Ehrlich gesagt ist es den Leuten ziemlich egal.Ausserdem ist es nicht unerheblich als was man sich sieht erst Recht in Glaubensfragen.
    @Yael
    Also was Du behauptest ist einfach unmöglich.Es ist ein Eingriff und wie jeder Eingriff kann auch was schiefgehen.1,5 bis 2% soll es Komplikationen geben und selbst hier im Blog hast Du schon jemanden der schreibt bei ihm ist es nicht optimal verlaufen.Aber Du bist trotzdem skeptisch weil es nicht dem entspricht was Du glaubst,oder?
    Religion und Geschmack es hat kein Zweck darüber sich zu streiten oder zu diskutieren
    Also ich finde diese deutsche Vorhauthysterie absolut lächerlich und unmöglich. Alle männlichen Babies sollten beschnitten werden, das ist meine Meinung
    Aha aber die Beschneidung für alle verlangen ist nicht hysterisch?Warum es nicht den Leuten selbst überlassen?

  29. mike hammer says:

    #Gastderzufälligvorbeikam
    angemacht hat mich auch keiner, aber mich als deutscher ausgeben oder für deutsche sprechen kannst ich nicht. bei mir ist da noch das aussehen,
    man sieht mir die nichtdeutsche abstammung an!
    keiner macht dich an, aber wenn du beim sport für
    deutschland jubelst freut sich der eine oder ander,
    würd er bei karlheinz müller nicht machen, und
    wenn sie hören jude, BOOOA EH!
    das ist der grund warum integration zumeist scheitert. es ist in deutschland russland, georgien, armenien, israel und eigentlich überall so. schau mal die juden 1914-1918 in deutschland an und dann 1933. dazugehören tu ich wenn fast alle sagen das ist unser mike hammer, er ist zwar
    ein irrer aber das ist unser irrer!
    du kannst dich noch so sehr als jude sehen, dafür ob du einer bist spielt es keine rolle. ;)

  30. A.mOr says:

    ” das ist unser mike hammer, er ist zwar
    ein irrer aber das ist unser irrer!”

    ;)

  31. A.mOr says:

    Gastderzufälligvorbeikam says: July 30, 2012 at 14:41
    (an Yael)
    „Aber Du bist trotzdem skeptisch weil es nicht dem entspricht was Du glaubst,oder?“
    Was redest Du da? Denkst Du nicht, daß Yael unter den Menschen lebt und durchaus von mehr berichten kann, als was sie „glaubt“?

    „Aha aber die Beschneidung für alle verlangen ist nicht hysterisch?“
    Was soll daran hysterisch sein? Es ist ganz normal. Es wird auch nicht “verlangt”.
    Die Hysterie kommt tatsächlich von den meist antijüdisch eingestellten Menschen, die mit dem „Kölner Beschneidungsurteil“ offenbar einen willkommenden Aufhänger haben.

    „Warum es nicht den Leuten selbst überlassen?“
    Bin nicht sicher, was gemeint ist. „Den Leuten“ selbst überlassen, ob sie ihre Kinder beschneiden?
    Wenn das gemeint ist, so ist das nichts neues, natürlich entscheiden „die Leute“ selbst.

    Das „Kölner Urteil“, vor allem aber die sich daran anschließenden „Einweg-Verurteilungen“ der Juden beinhalten die Forderung nach Entmündigung, mindestens aber ein Einschränken der Selbstbestimmung bei Juden. Keine Rede von „selbst überlassen“!

  32. jerry1800 says:

    ich muß dem mike zustimmen

  33. Yael says:

    Gastderzufälligvorbeikam

    Ich rede von psychischen Traumata, die meistens nie nur eine Ursache haben. Daher fragte ich nach und verurteilte das nicht. Ich kenne mich mit dem Thema Traumata sehr gut aus, also überlassen Sie doch mir, wenn ich deswegen nachfrage. Ich brauche nicht auch hier noch ständig eure Belehrungen. Merkt ihr nicht, dass ihr damit den Juden und Moslems unglaublich auf den Keks geht? Wahrscheinlich nicht, denn sonst wäre diese Hysterie schon längst mal abgeklungen.

    “Warum es nicht den Leuten selbst überlassen?”

    Warum es den Juden nicht überlassen? Ihr tut so, als würden wir eure Kinder zwangsbeschneiden.
    Kommt einfach mal wieder auf den Teppich, diese deutsche Hysterie ist ein nichtjüdisch, nichtmuslimisches Problem, macht es nicht ewig zum Problem anderer. Ihr habt ein Problem damit.
    Mich nervt das langsam ohne Ende und das werde ich auch schreiben, wenn es mir gefällt.

  34. codinenc says:

    “Die Zwangsverheiratung hat auch lange niemanden interessiert und wenn die 14 Jährige Aishe nach dem Urlaub nicht mehr in der Schule war dann ar das eben so…das ist doch kein Argument.”

    Was für ein Vergleich. Eine Diskussion über Zwangsheirat in dem Ausmasse, wie wir sie nun mit der Beschneidung erleben, ist dann aber komischerweise an mir vorbeigegangen?!

    “Die meisten Männer erinnern sich nicht an ihre Brit mit 8 Tagen…”

    Betonung liegt auf meisten? ;-)

  35. jerry1800 says:

    Austria’s Catholic, Protestant, Jewish and Muslim leaders united in defense of circumcision on Friday, Reuters reported, condemning calls to limit the practice as an attack on religion and demanding that the government clarify its legality.

    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/158432#.UBb7kZRccUI

  36. Gastderzufälligvorbeikam says:

    Wei ist hysterisch?Worüber eigentlich?Nur weil ich geschrieben habe man soll es denn Leuten selbst überlassen ob sie ihre Kinder beschneiden oder nicht als Antwort auf “Alle sollten beschnitten werden” was ist daran hysterisch
    @Yael
    Mich nervt das langsam ohne Ende und das werde ich auch schreiben, wenn es mir gefällt
    Ich auch,ich auch solange es geht
    Ich belehre hier niemanden ich nehme nur das gleiche Recht wahr wie Du es tust
    Ich werde auch weiter mich zu allen Themen äussern die mich interessieren und díe Leute in DL. betreffen auch wenn es nicht Deiner Meinung entspricht.Das hat nichts mit Belehrungen zu tun.
    Hast Du Dich noch nie zu muslimischen Zwangsheirat geäussert,Mädchenbeschneidung?NOch nie über katholische Priester geredet die Kinder misshandeln?NOch nie über das Christentum und Islam geredet und auch kritisiert?Ist alles okay aber über Beschneidung zu reden soll tabu sein?
    @Mike
    Ich würde nicht sagen die Intergration scheitert in DL.Okay es gibt Leute die wollen sich nicht intergrieren dagegen kann man nicht viel machen aber die Zahlen sprechen doch eine andere Sprache.Wenn jeder 4 oder 5 Migrationshintergrund hat wie es so schön heißt kann man doch nicht von Scheitern sprechen
    Ich würde ja jetzt Herzlich Willkommen sagen aber ich bin ja auch ein Beutedeutscher das könnte man als Anmaßung empfinden -:)

  37. Yael says:

    “aber über Beschneidung zu reden soll tabu sein?”

    Sagt wer? Es kommt immer darauf an, und wie die Diskussion in Dtl. momentan ist, ist es keine Diskussion, sondern eine Verurteilung und ressentimentgeladene Stimmung.
    Und wie codinenc schon sagte, so ein extremes Ausmaß habe ich bei keinem anderen Thema erlebt.
    Als würden Juden erst seit gestern beschneiden.

Leave a Reply