Danke an Renate fuer die Uebersetzung dieses Israel HaYom Artikels



Ägyptens neuer Präsident, Mohammed Morsi, hat in der vergangenen Woche alle Experten überrascht, als er mit einem Schlag seine sämtlichen hochrangigen Sicherheitsbeamten entlassen hat, einschließlich seines Verteidigungsministers, der bis zu diesem Zeitpunkt der mächtigste Mann im Land war. 

 

 

Zu den Überraschten zählen auch der amerikanische und der israelische Geheimdienst.

 

Gleichzeitig wird in der Al-Masry Al-Youm Zeitung Morsis Rechtsberater zitiert, der mitteilte, das Morsi eine Abänderung der Vereinbarungen von Camp David in Betracht zieht, um die militärische Anwesenheit Ägyptens auf dem Sinai zu erreichen. Er erklärte, dass Ägypten gegenwärtig keine volle Souveränität über die Halbinsel habe.

 

Im Jahr 1973 gelang den Ägyptern eine strategische Überraschung. Der Grund der Überraschung war die irrtümliche Analyse der Situation, bekannt als “das Konzept“, das den damaligen Verteidigungsminister Moshe Dayan verkünden ließ, dass Ägypten auf gar keinen Fall einen Krieg gegen Israel führen würde, weil dies nicht im ägyptischen Interesse sei.

 

Den schweren Schlag, den wir durchmachten, haben viele meiner Altersgenossen mit dem Leben bezahlt und ihre Gräber sind auf Militärfriedhöfen. Die Folge war, dass diejenigen, die überlebten, nun einen verstärkten Instinkt dafür entwickelt haben, wenn es heißt, dass wir uns auf “politische Entwürfe“ verlassen sollen. Jetzt werden wieder einmal beruhigende “Entwürfe“ an uns herangetragen, die durchaus direkt vor unserer Nase zerplatzen könnten.

 

Sämtliche Analysen der gegenwärtigen Situation beruhen auf einer einzigen Annahme – dass es im Interesse Ägyptens sei, das Friedensabkommen mit Israel aufrechtzuerhalten. Als Erklärung dafür wird angegeben, dass die Ägypter die beständige amerikanische Unterstützung so dringend brauchen würden, wie die Luft zum Atmen. So lautet die Annahme, und das ist genau der Weg, auf dem wir damals 1973 überrascht und überfallen wurden.

 

Denn diese Analyse ignoriert die unmissverständlichen Aussagen, die die neue ägyptische Führung Tag und Nacht von sich gibt. Dies wird ignoriert, weil sie zu der Annahme, dass der Friedensvertrag im Interesse Ägyptens sei, nicht passen.

 

Der Realität, der sich Morsi heute gegenübersieht, besteht aus einer kollabierenden Wirtschaft infolge der Revolution, die ihn an die Macht gebracht hat. Gleichzeitig findet weltweit ein dramatischer Anstieg der Nahrungsmittelpreise statt. Ägypten ist nicht in der Lage, der Nahrungsmittelnachfrage seiner Bürger nachzukommen und daher auf massive Importe aus dem Ausland angewiesen, und dies zu einem Zeitpunkt, da die Preise steigen und die staatliche Schatulle leer ist.

 

Der einzige Weg in einem Dritte-Welt-Land wie Ägypten politisch zu überleben, wenn man sich hungernden Horden gegenübersieht, besteht darin, die Wut der Massen auf eine ausländische Partei zu lenken. Und gegen welche ausländische Partei lässt sich der Zorn der ägyptischen Massen, besonders wenn diese hungrig sind, am leichtesten lenken, wenn nicht gegen Israel. Das mag durchaus der Hintergrund sein, vor dem Morsi seinen Rechtsberater mit der Ankündigung ausgesandt hat, dass der militärische Vertragsteil im Camp David Abkommen revidiert werden soll.

 

Im Jahr 1955 hat der damalige ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser alle Analysten überrascht, als er das tschechisch-ägyptische Waffenabkommen unterzeichnet hat, mit dem Ägypten aus dem Einflussbereich des Westens in den der Sowjetunion übergewechselt ist. Der Präsident hat daraufhin Waffenlieferungen der Sowjetunion erhalten, die, was Israel betraf, das Mächtegleichgewicht in unannehmbarer Weise zerstört haben. Zusätzlich erhielt er die finanziellen Mittel, um den Assuan Damm zu bauen, Finanzen, die die Amerikaner zurückgehalten hatten. Der russische Präsident Vladimir Putin ist sehr interessiert daran, militärische Stützpunkte im Nahen Osten zu errichten, vergleichsweise dem bisherigen Stützpunkt in Syrien, den er voraussichtlich bald verlieren wird. Ist jemand bereit, darauf zu wetten, dass da nicht bereits Gespräche zwischen Morsi und Putin im Gang sein könnten, die zu einer ähnlichen Überraschung führen, wie jener, die Nasser seinerzeit bewirkt hat?

 

Eine Schwächung Israels ist im russischen Interesse, der Grund sind die natürlichen Gasvorkommen, die vor der Küste Haifas gefunden wurden. Denn diese Vorkommen bedrohen das russische Monopol als Lieferant an Europa und verringern den russischen Machteinfluss auf die europäische Politik.

 

Wobei wir das Thema China noch gar nicht erwähnt haben, das eine Politik vorzuweisen hat, bei der es Dritte-Welt-Länder übernimmt, indem es deren Wirtschaft stärkt.

 

Israel sollte sich dringend darauf vorbereiten, dass zusätzlich zur iranischen Bedrohung eine Situation eintreten könnte, bei der Morsi die angekündigte Vision seiner politischen Gruppierung realisiert, indem er in einen bewaffneten Konflikt mit Israel eintritt, nachdem er die bereits begonnene Vorarbeit beendet hat.

 

Es mag noch eine Weile dahin sein, aber wir dürfen uns nicht gestatten, der tröstlichen Täuschung zu erliegen, die in ein hübsch gestaltetes, blendendes, neues “Konzept“ verpackt ist — damit wir nicht noch ein einziges Mal von Ägypten überrascht werden.

 

 



4 Comments to “NEUE SERIE: Islamistische Machtergreifung in Aegypten und die Folgen fuer Israel – 4. Teil: Lasst euch von Ägypten nicht noch einmal täuschen”

  1. Nachamu says:

    Ich bin mal gespannt, was passiert, wenn Mursi aus Tehran zurückkehrt, nichts Gutes sicherlich.

    Und was die Russen abziehen verstehe ich sowieso nicht, sie beliefern die Allahisten und das obwohl sie selber unter dem islamischen Terror zu Leiden haben.

    Nur um den Amis eins auszuwischen? Nur um Geld zu machen?

  2. codinenc says:

    “Und was die Russen abziehen verstehe ich sowieso nicht, sie beliefern die Allahisten und das obwohl sie selber unter dem islamischen Terror zu Leiden haben.”

    Den Russen ging es um erneute Einflussnahme in der Region, die sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verloren haben. Israel war in einer hervorragenden Position, nachdem man 2007 unter Absprache mit der Bush-Administration einen sich noch im frühen Stadium befindlichen Nuklearreaktor nordkoreanischer Bauart erfolgreich bombardierte und die Syrer kurz danach per Satellit dabei beobachtet wurden, wie sie nuklearverseuchte Erde abtrugen. Dazu kam die Hariri Ermordung und die syrische Verantwortung für die allgemein instabile Situation des Libanon.

    Eigentlich die perfekte Ausgangslage für die USA und Israel um Syrien international zu isolieren und langsam an einem Regimewechsel zu arbeiten (dazu kommt, dass die USA noch eine Rechnung mit Syrien offen hatten für die Unterstützung der Aufständischen im Irak).

    Leider kündigte der Dummkopf Olmert kurz darauf bedingungslose Friedensgespräche mit Syrien an (obwohl Israel bestens informiert war über die Syrien-Iran Achse und die syrische Unterstützung für Hisbollah, PIJ und Hamas und nicht darauf bestand, dass diese zuvor eingestellt wird – wir sollten auch nicht vergessen, dass Assad Samir Kuntar nach dessen Freipressung den höchsten syrischen Orden verlieh!).

    Zwei Monate später durfte Syrien (mit ausdrücklicher Genehmigung Israels) am Annapolis Gipfel teilnehmen, der zum Ziel hatte einen Palästinenser (Terror-)Staat vor 2009 zu gründen. Dort durften ranghohe syrische Offizielle über den Golan sinnieren (leider gibt es auch in Israel immer noch viel zu viele Leute, die glauben, dass Syrien einen legitimen Anspruch auf den Golan hat), auch wenn das gar nicht Thema war.

    Kurz danach warb Assad in Europa um neue diplomatische Beziehungen, was bei den Täubchen dort natürlich erfolgreich war, schliesslich hatte Syrien Friedensgesprächen zugestimmt. Kurz nachdem eine Delegation von franz. Geschäftsleuten Syrien ihren Besuch abgestattet hatte, flog Assad nach Moskau um auch dort die ehemals guten Beziehungen aus dem kalten Krieg wiederaufzunehmen.

    Ganz oben auf der russischen Wunschliste stand die Wiedereröffnung der ehem. navalen Militärbasen in Tartus und Latakia.

    Gemäss ägypt. und jordan. Geheimdienstquellen erhielt Assad dafür die Möglichkeit zum Einkaufspreis (haupsächlich finanziert vom Iran) Missile Verteidigungssysteme, Flugzeuge, anti-tank und anti-aircraft missiles zu erwerben. Darunter auch surface to surface missiles, die letzte Generation von Iskander Raketen, sowie Scud-D Raketen, deren Reichweite ganz Israel abdeckt und die wie die Iskander Raketen lasergelenkt werden und zusätzlich unkonventionell bestückt werden können.

    Ein weiterer Grund für Russland soll auch daran liegen, dass Israel Teile der georgischen Armee trainiert und ausgerüstet haben soll – Israel streitet das ab, räumt aber ein, dass private, israelische Firmen dies getan haben mit Wissen des Verteidigungsministerium.

    Das Syrien keine Vergeltungsschläge nach der Bombardierung seines Reaktors ausgeübt hat, liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die syrische Raketenabwehr noch Lücken hatte. Das ist jetzt nicht mehr so, dank Olmerts kurzer Romanze mit Syrien.

  3. Nachamu says:

    Danke codinenc für die ausführliche Antwort.
    Weißt Du, ich kann das logisch überhaupt nicht nachvollziehen, wie man als Staatsmann, der Verantwortung für ein ganzes Volk trägt, solche fatalen Entscheidungen treffen kann.

  4. [...] Islamistische Machtergreifung in Ägypten und die Folgen für Israel  [...]

Leave a Reply