Ulrich J. Becker, Jerusalem, 20. Tischre 5773
Eine vermutete Flugroute der Drohne nach Kanal 10.
Heute Morgen spielte sich ein kleines Luftdrama ueber Israel ab. Viele Teile der Details sind nicht freigegeben, aber es scheint sich eine Richtung durchzusetzen und die geht in etwa so:
Eine relativ moderne, grosse Langstreckendrohne wird aus dem Libanon gestartet und fliegt heraus ins Mittelmeer. Dann fliegt sie ausserhalb des israelischen Luftraums weiter nach Sueden, um dann in der Hoehe von Gasa auf Israel zu drehen. Die israelische Armee gibt an, die Drohne bereits vor dem Eindringen in den israelischen Luftraum (anscheinend gegen 10:00 Uhr) bemerkt zu haben. Israelische F-16 Kampfflugzeuge eskortieren die Drohne eine Weile, bevor sie ueber relativ unbesiedelten Gebiet im suedlichen Hebroner Bergland abschiessen.
Das Abschussvideo kann man hier sehen.
Soweit die trockene Version der Ereignisse und jetzt noch ein bisschen drum herum:
Es steht noch nicht fest, ob die Drohne wirklich aus dem Libanon oder woanders gestartet wurde und wer sie, wie genau steuerte. Man bemerke auch, dass die israelische Armee Informationen diesmal sehr viel eher zurueckhaelt, als noch bei Eindringen einer eindeutigen Hisb’Allahdrohne vor zwei Jahren (wir berichteten). Damals gab es Bilder von der zerstoerten Drohne.
Diesmal wurden selbst Stuecke der Drohne, die Soldaten eines speziellen Bergungsteams – das uebrigens offenbar sehr zuegig und erfolgreich arbeitete – von der israelischen Militaerzensur unkenntlich gemacht:
Die Soldaten tragen Teile der Drohne, wie im zweiten israelischen Kanal berichtet wurde, die Stuecke sind aber kuenstlich verschwommen dargestellt.
Auch kann man aus den Angaben der Armee schliessen, dass israelische Flugzeuge die Drohne in der Luft gut und scharf identizierten und filmten und so z.B. auch feststellten, dass sie keine Bomben oder Raketen traegt. Auch diese Bilder sehen wir (zumindest bis jetzt) nicht, sondern nur die schwarzweissen Pixelbildern von einer Rakete die einen fliegenden Punkt trifft.
Natuerlich kann es gut sein, dass die israelische Armee spaeter, nach eingehender Untersuchung, genauso Detailfotos wie damals von der Hisb’Allahdrohne veroeffentlicht, aber irgendwas scheint komisch an dieser Drohne zu sein.
Hinzu kam, dass einige ungeannte palaestinensische Gruppen in Gasa angeblich den Start der Drohne aus Gasa meldeten, waehrend die Hisb’Allah bis jetzt sich in keinster Weise zu der Drohne bekennt und sogar im Hauseigenen Sender Al Manar behauptet, dass die Drohne entweder aus dem Gasastreifen oder aus “Suedwest Aegypten” gestartet sei.
Wenn man eine unidentizierte, hochentwickelte Drohne in Suedisrael auftauchen hat, koennte man sich erstmal theorethisch mehrere Szenarien vorstellen:
1. Eine Drohne, gelenkt von der Hisb’Allah oder dem Iran, die im Libanon startete.
2. Eine syrische Drohne, die in Syrien startete (Syrien hat auch einige Drohnenkapazitaeten).
3. Eine Drohne, die in Gasa startete und von der Hamas oder dem islamischen Dschihad gestuert wird.
4. Eine Drohne, die im Sinai startete und von gut ausgeruesteten Dschihaddis kontrolliert wird.
5. Eine aegyptische Drohne, die im Sinai oder Aegypten startete (Aegypten kaufte erst vor kurzem realtiv leistungsfaehige Drohnen ein).
Diplomatisch, aussenpolitisch am Folgenschwersten waeren wohl die Varianten 4 und 5, da sie erneute Israel und das neue islamistische Aegypten aneinander bringen wuerden – etwas was sicherlich im Interesse des Irans/Syriens und der Hisb’Allah ist. Aber auch ein Konflikt zwischen Israel und der Hamas duerfte diesen willkommen sein.
Die offizielle Version, die Israel veroeffentlichte, ist Nr. 1, wobei anscheinend versucht werden sollte, es wie einen Start aus Gasa aussehen zu lassen, so dass Israel eventuell die Hamas beschuldigen koennte und es zu einem Schlagabtausch kommen koennte. Es scheint aber noch einen Grund zu geben, warum – wenn es denn die Hisb’allah war – man waehlte, ueber internationalen Gewaessern zu fliegen und erst ueber Gasa ostwaerts zu wenden: Ueber Gasa fliegen recht haeufig, recht viele israelische Drohnen und zwar anscheinend auch oft vom Meer in Richtung Osten. Diese Drohne, sollte anscheinend unbemerkt im Drohnenreichen Gasa-Luftraum durchkommen.
Sollte es Iran und/oder Hisb’Allah gewesen sein und man sagt ‘Suedisrael’, denkt man eigentlich automatisch Dimona, von dem Iran und die Hisb’Allah geradezu besessen sind. Hier aber faellt etwas Komisches auf:
Wenn die Drohne – wie berichtet – aus Gasa kommend und zwischen dem Jatir Wald und Hebron, in der naehe von Schima abstuerzte (eine schoene Gegend, war da erst vor ein paar Tagen), dann war sie auf keinen Fall auf einem direkten Kurs nach Dimona, wie teilweise behauptet wird, sondern irgendwo in Richtung leere Wueste und danach totes Meer. Etwa es war auf Umwegen auf dem Weg nach Dimona, oder seine Herkunft war anders oder es flog nicht nach Dimona. Wenn sie z.B. direkt vom Norden gekommen waere, wuerde Schima auf dem Weg liegen, aber man kann vermuten, dass die israelische Luftwaffe sie schon direkt an der Nordgrenze abgefangen haette, wie schon vormals, oder aber es gab andere Ueberlegungen oder die Drohne war gut getarnt, wie auch immer.
Was aber auf jeden Fall bemerkenswert ist, ist die relativ lange Reichweite der Drohne und dass sie nach Berichten offenbar ueber Satellit und einem Steuerwagen irgendwo gelenkt wurde. Sprich, solche Moeglichkeiten haben nur Staaten oder staatsaehnliche Gebilde, wie die Hisb’Allah, keine kleineren Terrorgruppen. In der Gegend wuerden also hoechstens Hisb’Allah, Iran, Aegypten, Syrien oder Tuerkei in Frage kommen. Syrien und die Tuerkei sollten momentan andere Sorgen haben. Aegypten ist theoretisch moeglich, aber auch eher weniger wahrscheinlich, waehrend natuerlich Iran und die Hisb’Allah die groesste Motivatin haben sollten, so eine Aktion zu starten, sowohl militaerisch, strategisch, propagandistisch und mit der kleinen Moeglichkeit Israel mit Gasa oder Aegypten in eine Auseindersetzung mehr zu verwickeln.
Ueber den Zweck der Drohne nimmt man an, dass sie geheimdienstliches (Fotos) sammeln sollte, obwohl mir eher scheint, dass eine zweite Denkrichung etwas schluessiger ist, wonach Iran die israelische Ortungs und Reaktionsfaehigkeit testen wollte und evenuell auch ein Singal setzen, dass man im Falle eines Krieges zu dieser recht hochqualitativen Drohnenmoeglichkeit rechnen muesse (und dann halt bewaffnet) und Israel es also besser bleiben liesse.
Warum hat sie Israel also nicht gleich noch ueber dem Meer abgeschossen? Man kann vermuten, dass Israel die Drohne gerne untersuchen wollte und eine Wasserbergung ist schwieriger als eine Landbergung und dazu brauchte man eine Gegend, die relativ wenig besiedelt ist, was nach der Armee der offizielle Grund war, die Drohne in der Gegend um Schima abzuschiessen.
Hoffen wir auf weitere Details der Untersuchung…
UPDATE: Ein Hisb’Allah-naher Sender schreibt der Hisb’Allah den Drohnenflug zu.




Hat die IDF zu lange abgewartet?
MK Ben Ari ist jedenfalls der Meinung:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/160588
Er meint, das Lob für den Abschuß ist unverdient;
und er spricht von einem ernsten Sicherheitsproblem:
“Wie ist es möglich, dass eine feindliche Drohne israelisches Staatsgebiet, ohne dass es eine vorherige Warnung gab, erreichen konnte, warum wurde sie nicht sofort abgeschossen, warum erst als sie mitten über israelischem Gebiet war?”
“Es ist an der Zeit, dass die Sprecher der IDF aufhören, sich wie die Sprecher der syrischen oder ägyptischen Armee zu verhalten, indem sie Versagen in Erfolge verdrehen”, sagte MK Michael Ben Ari.
totaler bloedsinn. israel ist in der lage jedes flugobjekt von tennisball groesse weit von staatsgrenzen zu orten.
zwar finde ich es auch komisch, dass man es erst so spaet abgeschossen hat, aber es ist absolut unwahrscheinlich, dass israel auf der einen seite kleine raketen orten kann, aber auf der anderen seite eine drohne erst spaet bemerkt.
man sollte solche spekulationen zwar nicht sofort abtun, aber man sollte sie nicht ueberbewerten und gaaanz bestimmt nicht als absolute wahrheit annehmen.
das Ding intakt zu kriegen wäre besser gewesen….
Hallo,
eine weitere Idee (Speklation), warum die Zaha”l so lange gewartet haben könnte: Man wollte herausfinden, wohin die Drohne unterwegs war, und konnte deshalb nicht gleich zuschlagen.
Shavua tov!
naja, wir Sesselstrategen können sowieso nicht viel sagen
shavua tov
Jap. Aber sehr schluessig ist es nicht, dass jemand von Gasa auf dem Weg nach Dimona in der Gegend von Jaar Jatir / Schima abgeschossen wird.
‘Abgeschossene Drohne stammt vermutlich aus iranischer Produktion’
http://www.israelheute.com/tabid/179/nid/24951/Default.aspx
Mir fehlen da 3 Szenarien.
1. Drohne amerikanischer Bauart – geflogen von z.B. Ägypten
2. Drohne russischer Bauart – geflogen von z.B. Russen selbst (Syrien-Interessen)
3. Drohne aus chinesischer Produktion – geflogen von irgendwem, auch Iranern.
lasst uns realistisch bleiben. das waren hissbollah und iraner.
die ‘Iraner’ haben mindestens eine amerikanische Drohne erbeutet. Was spricht dagegen, dass sie diese nachgebaut haben?
Beeindruckend: Soweit ich sehen konnte, hat die Tagesschau nichts ueber diesen strategisch, militaertechnisch und politisch relativ praegnanten Vorfall gebracht. Aber natuerlich versaeumt sie dafuer nicht ueber den “blutigen Schlagabtausch” gerade in Suedisrael zu berichten…
Rainer hat recht
Rainer: alles
Wäre es nicht denkbar, dass versucht wurde, die Funkfrequenz zu orten, damit man eine Möglichkeit hätte, die Kommandozentrale der Drohne zu zerstören.
Es macht sonst keinen Sinn, die Drohe stunden über Israelischem Luftraum unbehelligt fliegen zu lassen.
@furbaz
die drohne befand sich zwischen 20 und 30 min im israelischem staastgebiet und nicht “stunden” wie du geschireben hast.
deine annahme ist moeglich aber meiner meinung nach unwahrscheinlich. eine funkverbindung kann man nicht orten, so lange man nicht weisst, nach welcher frequenz man sucht. und auch wenn man die frequenz hat welche die drohne benutzt um daten zu senden, so heisst es nicht, dass derjeniger, wer sie benutzt, dieselbe frequenz benutzt.
entwickelte armeen benutzen sateliten oder fliegende kommandozentralen um drohnen zu steuern. beides hat weder iran noch hisbollah. d.h. man hat einen schiff oder eine antenne benutzt. keine ahnung ob man so was schnell orten kann.
Furbaz,
“Es macht sonst keinen Sinn, die Drohe stunden über Israelischem Luftraum unbehelligt fliegen zu lassen.”
Wie gesagt sollen es nur knapp eine halbe Stunde gewesen sein und ich wuerde eher vermuten, dass man Sichtkontakt zu dem Ding haben wollte, bevor man es abschiesst, um zu vermeiden, dass man ein unidentifiziertes freundliches Objekt oder Flugzeug abschiesst oder einfach um vorher ein paar Aufnahmen vom dem Ding zu haben, anstatt nur Schrott zusammenflicken zu muessen. Und bis man Jets oben hat und in seiner Hoehe fligen, koennen schon mal ein paar Minuten vergehen (sollten aber eigentlich weniger, stimmt schon).
Antwort der arabischen Vergewaltiger des iranischen Volkes:
‘Die von der israelischen Luftwaffe abgeschossene Drohne zeigt die militärischen Fähigkeiten des Iran. Diese Ansicht äußerte der iranische Verteidigungsminister Ahmed Wahidi am Sonntag – und lobte die libanesische Hisbollah-Miliz, die das unbemannte Flugzeug in den israelischen Luftraum geschickt hatte.
„Gute Arbeit der Hisbollah“, sagte Wahidi laut der israelischen Zeitung „Yediot Aharonot“ im iranischen Staatsfernsehen. Er gestand der schiitischen Miliz das Recht zu, die Drohne nach Israel zu senden. Denn schließlich verletzten israelische Kampfflugzeuge regelmäßig den libanesischen Luftraum. Am Donnerstag hatte Hisbollah -Führer Scheich Hassan Nasrallah mitgeteilt, dass seine Gruppe für das unbemannte Flugzeug verantwortlich sei. Dieses habe Informationen über strategisch wichtige Orte in Israel gesammelt, bevor es abgeschossen wurde. Die Einzelteile der Drohne seien im Iran hergestellt, aber im Libanon zusammengesetzt worden (Israelnetz berichtete).
Der libanesische Staatspräsident Michel Suleiman äußerte sich am Freitag zu der Aktion der Hisbollah : „Dass eine Drohne über israelisches Feindesland geschickt wurde, zeigt einen dringenden Bedarf an einer neuen nationalen Verteidigungsstrategie, die untersuchen würde, welche Vorteile es hätte, die Fähigkeiten des Widerstandes zu nutzen“, merkte er laut des iranischen Senders „Press TV“ an.’
http://www.israelnetz.com//sicherheit/detailansicht/aktuell/iran-drohne-beweist-unser-militaerisches-know-how/