Ulrich J. Becker, Kiryat Ono


Ich fuehrte in StudiVZ mit einem – wie man so schoen sagt – gebildeten, aufgeweckten jungen Mann einen Dialog zum Thema Judentum und Konversion zum Judentum, an dem er sich interessiert zeigte. Schnell wurde klar, dass er weniger an den Tiefen, Dilemmas und Gedanken zum Thema Konversion und Judentum interessiert war, als eher daran zu ‘beweisen’, dass das Judentum eine sehr, sehr unmoralische Religion ist, die Nicht-Juden wie Vieh und Konvertiten wie Menschen zweiter Klasse betrachtet und behandelt.

Darauf folgte eine lange Debatte mit vielen Zitaten etc., in denen er weite Kenntnisse ueber die juedische Religion an den Tag legte. Am Ende setzte mir der ‘nette’ junge belesene deutsche Herr zum Thema, was das Judentum zur Stellung der Frau sagt, eine Bombe vor:

“Es wird gelehrt: Das Weib ist ein Schlauch voll Unrat, sein Mund ist voll Blut, dennoch laufen ihm alle nach.”

Was sollte man dazu sagen? Der junge Mann hatte daneben ordentlich und korrekt die Stelle des Zitats angegeben:


“Babylonischer Talmud, Traktat Shabbat 152a”

Und tatsaechlich fuer einen Augenblick haette mich ein Zweifel ueberstreichen koennen. Schliesslich hat der normal Sterbliche ja nicht alle 2.711 Grossformatseiten mit Kleinschrift im Kopf. Sollte der Talmud solche offensichtlichen Schweinereien ueber Frauen erzaehlen? Ist es vielleicht doch eine Religion von Chauvinisten, Elitisten und Menschenfeinden?

Und ich denke, der ‘normale Deutsche’ haette es hier so schlucken muessen. Er haette vielleicht hoechstens noch gedacht: “Vielleicht ist da was nicht richtig angeben oder falsch gelesen, aber wer weiss, vielleicht ist was dran.” Denn wer hat schon den Talmud bei sich zu Hause im Regal und versteht ihn zu lesen?

Nun, zum Glueck hatte ich gerade zufaellig den Traktat Schabbat am Start in dem ich auch ein bisschen gelernt hatte, und hochinteressiert, was ich finden sollte, blaetterte ich zur Seite 152a.

Und tatsaechlich, gibt es dort eine aehnliche Stelle, die spricht aber weder von “es wird gelehrt“, sondern von der Meinung eines Lehrers, noch wird uns dort ueber die Abscheulickeit der Frau berichtet (“Das Weib ist ein Schlauch von Unrat etc. …“), sondern es wird vielmehr die Triebgesteuertheit des Mannes kritisiert, dennselbst wenn es eine Frau gaebe, die ein Schlauch voll Unrat waere und ihr Mund wuerde voll Blut sein, trotzdem wuerden ihr die Maenner nachlaufen.” (Aehnliche Uebersetzung kann man auf juedischen und anderen wahrheitsgetreuen Seiten finden.) Auf der gleichen Seite steht dann uebrigens noch: “Das Jauchzen des Herzens ist die Frau“.

Hier hat man also mit zwei anscheinend kleinen Uebersetzungsabweichungen und vor allem durch Weglassen des Konjuktivs die gesamte Bedeutung des Satzes so veraendert, dass er in der Tat schrecklich waere, wenn es so geschrieben waere. Nur zum Glueck ist das nur antisemitisches Wunschdenken basierend auf tendenzioesen Talmud-’Uebersetzungen’, die die Unmoral des Judentums beweisen wollen. Das hat dann aber eher weniger mit den wirklichen Lehren des Judentums zu tun, als mit den verqueren Gedanken des Antisemiten. Dieser versucht naemlich staetig die eigene Unmoral zu relativieren, in dem er sie manipulativ gegen das Judentum aufwaegt, bis er nach einigem Zurechtbiegen der Wahrheit selber besser dasteht als das Judentum. Dieses moralische Relativieren kann man auf zwei Wegen tun: 1) Das Judentum schlecht machen und 2) sich selbst besser machen.

Manipulierte ‘Talmudzitate’ versuchen sich an 1) um im Enddeffekt auch auf 2) zu kommen.

Aber dies ist leider nicht nur ein Paradebeispiel von manipulierten ‘Talmudzitaten’, die heute zu tausenden durch das Internet geistern, sondern auch ein Beispiel fuer das Anknuepfen und Fortsetzen einer alten antisemitischen Tradition.

Hier, was die Spurensuche nur fuer dieses spezielle Zitat ergab:


So schrieb ein gewisser hessischer Serienantisemit mit Namen Erich Glagau (ein Thema an sich) einige ‘nette’ Buecher (u.a. “Globalisierte ‘Leid-Kultur’ oder Deutsche Leitkultur in Deutschland” und “Die Entlarvung des Antisemitismus-Schwindels”) und Aehnliches. Auch das serioes toenende Buch “Der babylonische Talmud - Ein Querschnitt” kommt von ihm. Dort findet sich u.a. genau der Satz, den mir der junge Herr bei StudiVz zitiert hatte:


Schabbath, Fol. 152a: ‘… Es wird gelehrt: Die Frau ist ein Schlauch voll Unrat, ihre Öffnung ist voll Blut, dennoch läuft ein jeder ihr nach!‘” http://www.vgt.ch/buecher/schaechten/talmud-querschnitt.pdf


Aber am besten wird es noch, wenn man sich einmal die Werke eines anderen ankuckt, der naemlich 1920 als ‘gebildeter, junger deutscher Mann’ ein Buch verfasste, wo Folgendes aus dem Talmud ‘uebersetzt’ wird:


Es ist gelehrt worden: Das Weib ist ein Schlauch voller Unflat, dessen Mund voller Blut ist, und dennoch laufen ihr alle nach (Schabbat F. 152 a)

 

Dieser ‘nette Herr’, der es in seinem Sammelband von gefaelschten Talmudzitaten “Unmoral im Talmud” herausbrachte, war niemand anderes als der Hitlervertraute, Holocaustdurchfuehrer und fuehrende Naziideologe Alfred Rosenberg.

Alfred Rosenberg

 

 

 

 

 

Der Titel eines seiner anderen ‘netten’ Buecher haette auch von einem heutigen Internetantisemit verfasst sein koennen: “Der staatsfeindliche Zionismus” und schliesst den Kreis von modernen Antizionismus und faschistischen Judenhass und Holocaust.

Traurige Tradition und eine Warnung wohin hasserfuellte ‘Talmudzitate’ fuehren koennen…



9 Comments to “Judenhasser Talmudfaelscher aufgepasst! – Das antisemitische Phaenomen ‘Talmudzitate’ an einem Beispiel nachverfolgt…”

  1. IC says:

    Danke für den Bericht!

  2. Popeye says:

    StudiVZ ist ein Tummelplatz für Antisemiten unterschiedlichster Richtungen! Von ganz plumpen Sprüchen von der jüdischen Weltverschwörung bis zu perfiden Texten wie unten ist alles dabei. Nachzulesen in der Gruppe “Pro USA & Israel”

    JH schrieb am
    17.09.2009 um 02:40 Uhr
    “Das jüdische Volk ist ein Herrenvolk, was dazu bestimmt ist zu herrschen und die nierderen Rassen minderwertigen Blutes auszumerzen.
    Die Palästinenser müssen einsehen dass sie ihr Lebensrecht von Anfang an verwirkt hatten.

    Das Werk ist erst vollendet wenn das Heilige Land auch von dem letzen Überrest des untermenschlichen Abschaums gereinigt wurde.

    Erst wenn auch der Letze Araber aus dem ungeteiletn Jerusalem vertieben wurde kann das jüdische Volk in Frieden leben.

    Die Reinheit der jüdischen Rasse sollte für uns Deutsche grade wegen unserer Vergangenheit oberstes Gebot sein.

    Es ist nicht an der Zeit auf die Terroristenversteher Rücksicht zu nehmen und die Kinder aus falsch verstandener Moral zu verschonen.

    Nur eine radikale Maßnahme wird das Heilige Land vor der demografischen Zersetzung durch rassisch minderwertiges Leben bewahren.

    Der jüdische Charakter Israels hat für die westliche Zivilisation oberstes Gebot.

    Aber auch gegenüber Verrätern in den eigenen Reihen wie Izak Rabin oder Uri Avnery sollten wir keine Gnade zeigen.

    Auch sie verrieten das jüdische Volk und haben ihr Lebensrecht verwirkt.

    Wollt Ihr ernsthaft, das es Israel am Ende so ergeht wie Südafrika ?
    Wo der schwarze Hitler und Terrorist Nelson Mandela, den weißen Staat, den Arthur Harris damal mitgestaltete zerstört hat…

    Dies ist nicht nur ein Kapmf der Rassen sondern auch ein Kapmf der Zivilisationen:

    Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß!

    Niemand hat das Recht Israel Rassismus vor zu werfen, aber das Recht der Juden auf ein eigenes Land ist ein heiliges Recht.”

  3. Roman says:

    Danke für diesen Beitrag! Auf Maschiach.de werden angebliche Zitate von Juden gegen Nicht-Juden gesammelt und entsprechend kommentiert:

    http://www.maschiach.de/index.php?searchword=talmudf%C3%A4lschungen&option=com_search&Itemid=27

  4. aronchjl says:

    danke sehr fuer diesen bericht . eine sehr klare antwort auf eine sehr oft erwahnte frage . wie oft haetten wir viele meinungsverschiedenheiten durch eine feinere erklarung uns ersparen koennen . hoffe wir nehmen uns dies zu herzen !

  5. [...] schönes Beispiel für Fehlzitierung des Talmud (um das Judentum verurteilen zu können) hat Ulrich Becker auf Aryes Blog [...]

  6. mitte-linker says:

    Ist doch alles drin, ein paar Zitate von Olmert, ein paar von Begin und ein bisschen Herzl.

    Nichts davon erfunden, nur ein bisschen gemischt.

  7. Aristobulus says:

    Völlig erfundener Vorwurf, und das wissen Sie genauestens, Sie Lügner.
    Nichtmal der Verbrecher Kach hat sich so geäußert.

  8. Das Buch vom Berufsantisemiten Erich Glagau wurde im Verlag VGT veröffentlicht. Der gehört dem Tierschützer, nun mit Doktortitel für Zoophilie, Erwin Kessler. Kessler ist ein virulenter Antisemit, der sich gesellschaftlich mit seinem Tierschutz durchsetzen kann.

  9. jerry1800 says:

    stimmt, Alexander

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