Ulrich J. Becker, Kiryat Ono, 14.11.5770

Von Israel veroeffentlichte Hisb’Allahstellungen in einem ‘Beispieldorf’ in Suedlibanon. Hisb’Allah hat seine Waffenlage, Bunker und Kommandozentren etc. systematisch am liebsten neben Schulen, Krankenhaeusern etc. eingerichtet…


 

Zweiter Teil zum Thema des sich aufbauenden Vernichtungskrieg der iranischen Achse:

Israels Armee und Verteidigunsdoktrin hat sich seit dem 2. Libanonkrieg grundlegend veraendert und ist heute mehr als je auf die gemeinsame Front aus Hamas, HisbAllah, Syrien und Iran vorbereitet. Die Zauberworte sind Informationen, Schnellligkeit und Bodentruppen. Dank der momentanen rechten Reigerung unter Bibi ist man auch wieder bereit zu siegen, aber eine noch tiefere ideologische Frage schwebt immer noch in der Luft: Was macht man im Falle eines solchen Sieges (denn einen anderen moeglichen Ausgang wollen wir uns gar nicht vorstellen)?


Der Sommer geht schon wieder in grossen Schritten seinem Ende entgegen. Tischa BeAw ist gluecklich ueberstanden und trotzdem ist man in Israel noch nicht ueberzeugt, dass ein Krieg bis zum Herbst sicher abgewendet ist. Die Frage, wer den naechsten Krieg, aus welchem Anlass heraus und wann genau, beginnen wird, ist natuerlich schwer zu beantworten. Und auch wenn viele Freunde ringsum gerade jetzt und in den naechsten Wochen zu ihrem Reservedienst einberufen wurden und ziemlich viel von der hohen Chance eines Krieges diesen Sommer reden, muss dies nicht zwangslaeufig eintreffen.

Ja, es sieht so aus, als ob alle Parteien ringsherum ziemlich feuerbereit in den Graeben liegen und trotzdem erstmal abwarten. Koennten wir es hier mit einem ‘Gleichgewicht der Bedrohung’ zu tun haben, oder ist das nur naïve und fehleinschaetzende Weissmacherei? Die Hisballah hatte gerade erst wieder die Kriegsbereitschaft betont, gerade wieder tausende Truppen in den Sueden verlegt, Syriens Assad wird auch nicht muede davon zu sprechen – von Iran und Hamas ganz zu schweigen. Nach einigen Quellen seien aber diese Feinde alle noch nicht direkt an einem Ausbrechen eines Krieges interessiert. Iran koennte auch nur eine hochentzuendliche Drohkulisse hochhalten, um weiter an den Nuklearwaffen zu bauen, was ihnen in diesem Fall bis jetzt bestens gelingt. Demanch haetten sie keine Hast zu einem Krieg.

Und wie wir erfahren haben, scheint auch die USA gar keine Hast auf einen Krieg zu haben, sondern findet sich langsam aber sicher mit einem atombewaffneten Iran ab, auch wenn man immer wieder etwas anderes vorgibt. Aber wer weiss, vielleicht koennten staerkere verdeckte iranische Angriffe im Irak und in Afghanistan – u.a. jetzt als Rache fuer die Sanktionen -, die USA vielleicht doch zu direkteren Konfrontationen bewegen?

Die einzige Partei, die zumindest augenscheinlich den Faktor Zeit nicht auf seiner Seite sieht und an einem Praeventivschlag gegen Iran interessiert seien koennte, waere demnach Israel. Auch die angeblichen ‘beinahe’ Kriegsanlaesse der letzten Monaten, basierten auf Provokationen gegenueber Israel, die es nicht hinnehmen konnte oder wollte. Die USA setzen sich energisch dafuer ein, Israel davon abzuhalten, einschliesslich der ploetzlichen Charmeoffensive gegenueber Netanjahu, Versprechungen ueber Finanzierungen eines Raketenabwehrsystemes – man merke: keine Finanzierungs eines praeventiven Angriffsystems, sondern ein System dass mehr Sicherheit zum gar nichts tun vermitteln soll.

Aber hier in Israel weiss man, dass Israel im Notfall nicht auf die guten Ratschlaege angeblich tiefst besorgerter Freunde hoeren muss, sondern seine Buerger zu schuetzen hat, auch wenn andere denken, es liesse sich ganz gut mit einer nuklearen Zielkoordinate eines messianisch-antisemitisch-durgedrehten Systems auf deiner Stadt leben.

Und auch zu rationale Denkmuster und eigene Interessenberechnungen muss man dem iranischen Terrorstaat nicht immer gleich unterstellen, auch wenn man das gerne so haette: Ein antisemitisch bessener Herrscher, nimmt schonmal grosse eigene Verluste in Kauf auf dem Weg zur letzten Version der ‘Endloesung’. Das bestaetigt auch Giora Eiland, Israels frueherer Sicherheitsberater, wenn er sagt, dass “Achmadinedschad den halben Iran opfern wuerde, um Israel auszuradieren“.

Hier sei auch bemerkt, dass es ein Irrtum ist, Iran werde ganz sicher eine Atombombe nur in eine ballistische Rakete einbauen und mit der koennte man ja schon irgendwie fertig werden, wie z.B. das Arrowsystem oder das neue Flugzeuggestuetze Lasersystem der Amerikaner LBA, etc.. Sobald Iran die Technologie einer nuklearen Zuendung beherrscht, reicht es vollkommen aus, eine Schiffskontaineratombombe zu bauen und diese in den Hafen von New York, London oder auch als “Gasa Flotte” vor Israels Kueste zu schicken, oder aber wahlweise mit einem LKW in der Naehe von israelischen Staedte hochgehen zu lassen. Mehrere ehemalige Geheimdienstler und ein Ueberlaeufer aus dem Iran sprechen davon, dass die groessten Massenvernichtungsanschlaege made in Iran (einschliesslich Al Kaida im Iran) erst noch bevorstehen.

Anyway, die Bedrohung sollte klar sein und man koennte schon wieder richtig depremiert werden, aber was kann Israel der iranischen Achse und ihrem Raketenvernichtungskrieg entgegensetzen?


 

Israel diesmal besser vorbereit…

Viele Uebungen simulierten diesmal chemische Angriffe…

 

Als erstes sollte erwaehnt sein, dass eine der groessten Lektionen aus dem 2. Libanonkrieg, die sich Zahal zu Herzen genommen hat, ist:

Es kann jederzeit zu einem Krieg kommen! Jeden Tag und jede Stunde, mit Vorspiel oder ohne Vorspiel, mit Geheimdienstinformationen oder ohne Geheimdienstinformationen. Die israelische Armee kann heute nach eigenen Angaben innerhalb von wenigen Stunden sehr weit mobilisiert und kriegsbereit sein. Die letzten grossen Uebungen hier zeigten bereits ein sehr veraendertes Bewusst. Auch Angriffe mit chemischen Waffen werden jetzt sehr ernst genommen. Hier ein simulierter chemischer Angriff auf das Rambamkrankenhaus in Haifa, hier ein simulierter chemischer Angriff aud das Verteidigungsministerium in Tel Aviv. Und selbst die Kollegen von der ARD kucken schon mal, wo der Luftschutzraum im Tel Aviver ARD-Buero ist. Und wer Miluimnikim (Reservedienstler) kennt, weiss, dass seit Jahren erstmalig wieder richtig ernsthafte Kriegsuebungen durchgefuehrt wurden.

Israel hat viel ins Training investiert. Es hat ganze Dummystaedte und Landschaften des Libanon, Gasa und der Westbank nachgebaut, wo die Soldaten Haeuser- und Gelaendekampf in moeglichst realistischen Szenarien ueben. Zahal hat anscheinend auch in Einheiten investiert, die sich in den Feind hineinversetzen – wie HisbAllah – und diesen in Uebungen nahezu perfekt nachahmen, um den israelischen Einheiten vor moeglichst echte Probleme zu stellen und diese dann besser zu loesen.

Sowieso wurde viel fuer die Libanonfront geuebt, sowohl Panzer als auch Infantrie. Die Infantrie – wie Golani – haben die versteckten befestigten und vertunnelten Hisb’Allahstellungen – die sogenannten ‘Naturschutzgebite’ der HisbAllah – gruendlich studiert, nachdem dort im zweiten Libanonkrieg besonders viele israelische Soldaten fielen. Fuer die auf solche ausgekluegelten und vorbereiteten Stellungen eher unvorbereiteten Soldaten wurden diese im letzten Krieg schnell zu Todesfallen. Diesmal soll es anders werden.

Auch die Panzer wurden damals relativ oft schwer getroffen (absolut eher wenig) und viele der Toten stammten aus Panzerteams. Jetzt ueben israelische Einheiten ganz speziell den Libanonkampf gegen versteckte Antitankschuetzen, bebautes und huegliges Gelande etc.. Wie weit das anti-Panzerfaust Trophysystem fortgeschritten ist und wieviele Panzer damit schon ausgestattet sind, darueber gibt es unterschiedliche Berichte. Sollte dieses System in groesseren Nummern eingesetzt werden und auch tatsaechlich gut funktionieren, duerfte es wirklich die Stellung des Panzers revolutieren.


Persoenlicher Bericht vom Panzeertraining im Sueden…

Uebrigens, ein guter Freund von mir, der gerade bei solchen Panzeruebungen war, hat mich gebeten unbedingt einen seiner Meinung nach grossen Schwachsinn bei den Uebungen zu erwaehnen, “falls du etwas in deinem Blog schreibst“.


Dem sei hier nachgekommen:

Seine Panzereinheit hatte, wie viele Panzer derzeit, eine Uebung im Negev durchzufuehren. Dazu wurde ihnen am Anfang mitgeteilt, dass man nachts auf jeden Fall Wache um die Panzer zu schieben hat, da die Gefahr besteht, dass Beduinen einzele Ausruestungsgegenstaende und Waffen stehlen koennten, da sich dies in letzter Zeit gehaeuft hat.

Beduinen sind in Israel sehr fuer ihren ‘euphorischen’ Metallhandel bekannt, von der Leitplanke, ueber das Verkehrschild, die Telefonleitung bis zum Schrottpanzer fuer Zieluebungen (und sogar schwere Maschinengewehre und andere Waffen und Munition), werden diese Dinge kurzerhand abmontiert, auseinandergenommen, etc. und sind weg, zum Bau der eigenen Wellblechhuette oder aber zum Verkauf. Monantelang konnte ich beobachten wie neben einem beduinischen Dorf in Judea immer wieder eine Leitplanke ueber einem gefaehrlichen Abhang ausgebessert wurde, um dann in ein paar Tagen wieder abmoniert zu sein. Mein Freund berichtete sogar von einem Fall wo ein Beduine beim Beschuss auf einen Zieluebungspanzer, den er gerade ‘bearbeitete’, verletzt wurde, den Staat Israel verklagte und Entschaedigung bekam.

Anyway, was mein Freund mir recht entnervt erzaehlte war Folgendes:

Sollten nun nachts Beduinen mit Pick-Ups etc. kommen, um Teile der Waffen und Ausruestung zu stehlen, duerfen die Soldaten diese nur verbal dazu auffordern, dies nicht zu tun. Jeglicher Waffengebrauch, auch Warnschuesse, sind strickt verboten, da es sich hier um israelische Staatsbuerger handele, auch nicht, wenn diese gerade ein MG abmontierten. Mein Freund fragte daraufhin seinen Offizier sarkastisch, warum er ihm dann ueberhaupt eine Waffe zum Wacheschieben gebe, unbewaffnet und mit Megaphon waere doch dann viel angebrachter, oder nicht?

Naja, wer mal ein bisschen Schluterklopfenden beduinischen Kulturkitsch mit chauvinistischen Witzen sehen will, kann das in Richard C. Schneiders neusten Videoblog bei der Tagesschau tun.

Ein anderer guter Witz: Die Lager von Panzeruebungen muessen die Panzer immer im Norden des Lagers parken und geuebt wird auch nur in Richtung Norden, damit sich die Aegypter in keinster Weise und auf keinen Fall irgendwie im Entferntesten bedroht fuehlen. Die Aegypter selbst aber machen nebenan im Sinai grosse Armeeuebungen mit dem expliziten ‘Feind aus dem Norden’ zum Ziel. Anyway, dass sind die Verruecktheiten, mit den man hier leben muss.


Aber wieder zurueck zu den Kriegsvorbereitungen:

Neben Panzern und Infantrie ist auch die Artillerie entscheidend verbessert worden, auch wenn es sich um schon recht alte Modelle von Selbstfahrgeschuetzen handelt: Sie sind jetzt alle an ein Aufklaerungssystem – u.a. mit Hilfe von Drohnen – angeschlossen, dass ihnen eine sehr schnelle und recht genaue Rekationsfaehigkeit auf alles, was ‘beim Feind in Reichtweite’ vor sich geht, ins Besondere der Raketenbeschuss kann jetzt viel effektiver und schneller beantwortet werden. Ein befreundeter Artellerieroffiziert sagte mir, dass die Artillerie, auch wenn es oft nicht gerade High-Tech-Waffen sind, aus einem zukuenftigen Krieg kaum wegzudenken sind, weil es Dinge gibt, die nur sie koennen, wie Schneisen ‘freischiessen’, eine Gegend unpassierbar machen, Rauchschirme oder Nachtbeleuchtung verteilen etc..

Aber natuerlich – vielleicht hauptentscheidend – die Luftwaffe. Ich habe keine spezielle Ahnung inwiefern sich die Luftwaffe weiterentwickelt hat, aber was fuer die Luftwaffe existentiell ist – die sogenannte “Zieldatenbank” -, hat sich auf alle Faelle weiterentwicklet.


Israel Zieldaten-Coup gegen die Hisb’Allah

Wir wissen, dass im 2. Libanonkrieg die israelische Armee viele Zieldaten, teilweise sehr genau, hatte und innerhalb von Minuten die schwersten Raketen der Hisballah am Boden zerstoert hatte. Trotzdem waren diese Daten in vielen Faelle wohl nicht mehr so up-to-date und viele Raktenwerfer, Bunker und Waffenlager blieben ihr verborgen.

Diesmal hat man wohl hier in den letzten Jahren nicht geschlafen. Die Veroeffentlichung von detaillierten Plaenen von Hisb’Allahstellungen alleine in dem suedlibanesischen Dorf Al-Chiram sollte uns u.a. dies zeigen. (Das kurze 3D Video des Dorfes kann man hier sehen)


Man kann spekulieren, was die israelische Armee dazu brachte, gerade jetzt, gerade so ‘geheime’ Informationen wie Teile ihrer ‘Zieldatenbank’ zu veroeffentlichen?

Zum einen koennte es hier daraum gehen, gemaess einer neuen PR Taktik, nicht erst nach dem Krieg zu versuchen der Welt zu erklaeren, wer die Hisballah ist, wie sie sich in zivile Strukturen eingraebt, wie sehr sie an zivilien libenesischen Opfern interessiert ist, wie gefaehrlich und bewaffnet sie ist etc., sondern schon VOR einem neuen Konflikt darauf aufmerksam zu machen, damit niemand nachher sagen kann, man habe ihn nicht gewarnt, er habe davon nix gewusst etc..

Was vor allem bei den Plaenen auffaellt, und auch erklaert wurde, ist, dass die Hisb’Allah noch mehr von ihren Raketenabschussrampen, Waffenlagern und Bunker aus der Landschaft und den ‘Naturschutzgebieten’ raus und in die Mitte von Doerfern und Staedten verlegte, um so bei ernsthaften israelischen Angriffen die Welt schnell mit hohen zivilen Opfern schocken zu koennen und Israel PR maessig mit Hilfe der Welt in die Knie zu zwingen.

Die Veroeffentlichung von Zahal macht zumindest den Versuch, dem Zuvorzukommen und sagt: Leute, die haben ihre Basen inmitten von Zivilisten. Im Falle eines Krieges sollte sich niemand wundern, wenn es viele Tote gibt. Wieviel Gehoer diese Warnungen bekommen, und wieviel das die vorprogrammierte Empoerung im Falle eines Krieges befeinlussen kann, ist eine andere Frage.

Man geht uebrigens momentan davon aus, dass die Hisb’Allah allein (ohne Hamas, Syrien und Iran) taeglich 700 (Lenk-)Raketen auf Nordisrael und 100 auf das israelische Zentrum regnen lassen kann.


Die Veroeffentlichung dieser Zieldaten ist vor allem auch ein peinlicher Hinweis an die UN Truppen im Land, die in keinster Weise dran gehen, die militante Hisb’Allahstruktur in Suedlibanon aufzuloesen, wie es eigenlitch die UN Resolution 1701 von ihnen verlangt, sondern sich jetzt sogar schon von einer kleinen anti-UN-Intifada der HisbAllah in die Flucht schlagen liessen. Wurde in Deutschland berichtet, dass drei UN Soldaten von Steinwuerfen verletzt wurden und dass deren Jeeps und Schuetzenpanzer angegriffen wurden, Scheiben zertruemmert etc. ohne dass diese sich zur Weht gesetzt haetten?

Anyway, eine weitere Moeglichkeit waere ein Wink mit dem Zaunpfahl an Hisb’Allah, dass es fuer sie momentan sehr unklug waere einen Krieg zu beginnen, da Israel so ziemlich alles ueber sie weiss und jeder einzele Stuetzpunkt und Bunker sehr schnell vernichtet waere. Dies wuerde eher darauf hinweisen, dass Israel momentan nicht an einem Krieg interessiert ist, die Hisb’Allah aber schon einen Daempfer braucht und sich vielleicht erstmal damit beschaeftigen sollte, neue Verstecke und Raketenrampen anzulegen, nachdem die derzeitigen enttarnt wurden? Vielleicht zielt es auch in aehliche abschreckende Richtung ab, wenn Israel gerade am Tischa BeAw die Einsatzfaehgikeit des Kipat Barsel (VIDEO) (Iron Dome) verkuendet und mit Videos verbreitet?


Waffen haben alle, die Ziele nur die, die hart arbeiten…

Man darf dabei nicht vergessen, dass Al-Chiam nur ein Beispieldorf im Suedlibanon ist, das fuer ueber hundert andere steht. Die israelischen ‘Zielbaenker’ muessen nicht wenig Ueberstunden gemacht haben in den letzten Jahren. Dies ist eine geheimdienstliche Bueffelarbeit, die die Hisb’Allah und der Iran so niemals hinbekommen, so sehr sich die Hisb’Allah auch selbst fuer Gleiches lobt und der Iran versucht, Agenten in Israel anzuwerben und Ziele auszuspionieren. Das systematische Erkunden und Festlegen von Zielen erfolgt in Israel in mehreren Schichten.

Zum einen gibt es Spionagesatelliten, deren Faehigkeiten nicht erahnt werden koennen, aber – so weit munkelt man jedenfalls im israelischen Fernsehen – sollen u.a. auch Roentgenfaehigkeiten (d.h. durch Erdschichten sehen) und Aufloesungen deutlich unter einem Meter moeglich sein.

Als naechste Stufe sind da die Drohnen, die den libanesischen Himmel immer wieder durchkreuzen, so lange die UNIFIL nicht ihrer Verflichtungen gegen die Hisb’Allah nachkommt, und wichtige Informationen und schaerfste Bilder liefern.

Dann gibt es natuerlich die Stufe der Abhoerung von Telekommunikation und Internet, dass gerade erst ein hochrangiger Hamasgefangener wahnhaft erwaehnte (“Die Israelis hoeren alles mit”). Einer der letzten angeblichen israelischen Spione im Libanon, die zur Zeit gerade zu Dutzenden verhaftet werden, soll Israel mit den Telefonverbindungen der gesamten militaerischen Fuehrungselite des Libanon und der Hisb’Allah versorgt haben. Nasrallah ist dementsprechend erzuernt und fordert sofortiges Umsetzen von Todesurteilen an allen Verdaechtigten.

Und nach dem Abhoeren sind da natuerlich auch die sogenannten ‘Maschtapim’ – verdeckte Mitarbeiter im Libanon.

Aber wirklich unerlaesslich fuer die Zielerkundung und genaue Festlegung, sind die Spezialeinheiten der sogenannten Schaldageinheit. Dies ist eine von Israels geheimsten und faehigsten Kommandotruppen, die sich hauptsaechlich auf die Informationsbeschaffung im Feindesland spezialisiert hat. Wenn man in dieser Truppe ist, kann es sein, dass man fuer Monaten oder laenger nicht nach Hause kommt. Diese Truppe arbeitet nach der langen Ausbildung vor allem im Ausland, vor allem im Ausland wo man Ziele festlegen muss fuer die Eventualitaet eines Krieges und das sind nun mal leider die meisten Laender der Region. Von Libanon ueber Syrien, Iran, aber auch vordergruending momentan weniger feindliche Staaten der Region, die ganz schnell mal ‘umkippen’ koennten.


Man erzaehlt sich folgende Anekdote ueber Schaldak:

Eine religioese Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, arabische Haeuser in Silwan zu kaufen, verabredete ein geheimes Treffen mit einem Hausbesitzer, der ueberlegte, sein Haus fuer viel Geld zu verkaufen. Einige junge Maenner der Gruppe kommen zu der verabredeten Zeit ungesehen in das Haus um den Vertrag zu besprechen. Sie setzten sich hin und begruessen sich kurz mit dem Hauseigener und eine Frau kommt, um allen Tee zu servieren. Ploetzlich merkt einer der jungen Kippatragenden Maenner, dass die Frau mit dem Tee ihm ins Gesicht starrt. Und auch er verharrt kurz gebannt im Anblick ihres Gesichts. Es werden noch kurz ein paar Blicke zwischen beiden getauscht und der junge Mann sagt seinen Kumpels leise, dass er das Haus sofort verlassen moechte. Trotz Unverstaendis des arabischen Hauseigentuemers – die Frau war wieder raus gegangen -, der gerne verkaufen moechte, verschwinden alle, um draussen ihren Freund auszufragen, was in ihn gefahren sei. Er sagt ihnen nur: Ich war bei Maglan. Neun Monate lang sass ich als Bettler vor einem Haus in [einer arabischen Hauptstadt] und diese Frau – keine Ahnung wie sie hierhergekommen ist – wohnte im Haus gegenueber und mein Gesicht war das erste, dass sie jeden Morgen erblickte und das letzte, dass sie jeden Abend sah.


Aber wie wuerde Israel nun genau vorgehen?

Das waren jetzt alles eher Zustandsbeschreibungen und Hintergruende. Wie Israel genau vorgehen wuerde, kann ich natuerlich nicht sicher sagen, aber man geht im Grunde davon aus, dass der naechste Krieg vor allem an der sogenannten Heimatfront bzw. im Inland bei den weichen zivilen Zielen entschieden wird.

Israel wird wahrscheinlich zum einen versuchen, so schnell wie moeglich die groessten Bedrohungen fuer die eigene Bevoelkerung auszuschalten, aber auf der anderen Seite keine (Boden)Einsaetze ueberstuerzen, wie Olmert im 2. Libanonkrieg. Idealerweise wuerde man also erstmal Alles auf schnelle und genaue Luftangriffe setzen, waehrend sich die Bodentruppen zuegig, aber gruendlich und unueberstuertzt fertig machen und langsam, vorsichtig und gruendlich vorgehen werden. Und ja, Bodentruppen sind nach den Erkenntnissen des 2. Libanonkriegs in der Doktrin jetzt unerlaesslich, um effektiv Raketenbeschuss zu stoppen.

Dementsprechend soll sich Israel schon seit Monaten auf das Erobern von Land und arabischen Doerfern und Staedten im grossen Stil vorbereiten, einige Nachrichten sprachen sogar davon, dass bereits ein Offizier als militaerischer Zivilverwalter fuer den Gasastreifen ausgewaehlt wurde, der sich schon an die Details der Versorgung der Zivilbevoelkerung im Feindesland setzt.

Man will angeblich diesmal die Bewohner einer Zielregion noch gezielter und grossalgegter als im Gasakrieg im Vorhinein warnen, das Kriegsgebiet zu verlassen, bevor man sich in Bewegung setzt. Man gewinnt dadurch vielleicht weniger zivile Tote, aber verliert wichtige Zeit und den Ueberraschungseffekt, aber was tut Israel nicht alles, um feindliche Zivilisten zu schuetzen.

Es kann spekuliert werden, wie weit die Armee bereit ist, vorzuruecken? Bis Nordlibanon? Bis Damaskus? Bis Nordsyrien, bis Iran? Man geht davon aus, dass Gasa komplett eingenommen werden wuerde und zumindest grosse Teil des Libanons, wenn nicht alles und vor allem Syrien und Damaskus scheinen sich immer mehr als Schluesselpunkt zu entwickeln. Sollte Syrien fallen, waere auch die Hisb’Allah ziemlich abgeschnitten und die Moral der iransich-syrischen Achse sollte stark leiden. Damaskus liegt ziemlich suedlich in Syrien und dicht an Israels Nordgrenze. Es ist denkbar und auch von israelischen Politikern angewarnt, dass Damaskus sehr schnell eines der wichtigsten Ziele der Luft- und Landangriffe werden wuerde. (So sieht es uebrigens aus, wenn eine israelische anti-Panzer Rakete einen iranischen Panzertyp trifft…)

Auf welches Land im Falle eines Koordinierten Raketenangriffs aus Gasa, Libanon, Syrien und Iran sich die Luftwaffe zuerst konzentrieren wuerde, oder ob man Einsatzgruppen fuer alle vier gleichzeitig losschicken will, kann ich nicht sagen, aber auch hier waere ein Praeventivschlag wesentlich effektiver als ein blosses Reagieren.

Man kann nur hoffen, dass Israel so untypisch und ueberraschend wie moeglich vorgehen wird, um zu gewinnen, wie z.b am Ende des 2. Libanonkriegs: Die Hisb’Allah hatte alles fuer ein Einfallen von kleineren israelischen Panzer- und Bodentruppenverbaenden im Suedlibanon vorbereitet und Israel lief geradewegs in die Falle. Erst als Israel begann, Dinge zu tun, die die Hisb’Allah nicht unbedingt erwartet hatte, wie z.B. maritime Landungen entlang Libanons Kueste, Abspringen von Spezialkommandos im Bekatal, etc. konnte man die Hisb’Allah wirklich unvorbereitet und schwer treffen.

Aber die HisbAllah hat offenbar noch eine Ueberraschung fuer den naechsten Krieg parat: Weite Tunnelsysteme unter Israel Grenze – aehnlich Nordkorea, aber auch dafuer wird in Israel geuebt.

Hier moechte ich mit einer vorsichtig positiven Note abschliessen, indem ich aus einem Hamas-Terror-Buch ueber die Beschaffenheit der israelischen Gesellschaft zitiere:


“Die zionistische Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Einwanderern aus aller Welt, die sich einander nicht kennen, und selbst sich selbst nicht. Jeder Zionist denkt nur an sich selbst… Die Ansichten das Durschnittszionisten in Fragen des Gefangenenaustauschs haben nichts Ethik, Patriotismus oder Menschlichkeit zu tun, sondern sind auf der Angst, dass auch er entfuehrt werden koennte, gegruendet. Er denkt also zuerst an sich selbst. Das ist die zionistische Mentalitaet.”


Wenn unsere Feinde also anscheinend nicht wirklich eine Ahnung von den Grundzuegen unserer Gesellschaft haben und unsere Moral und Werte so dermassen falsch einschaetzen, sind sie wirklich nicht gut auf einen Krieg vorbereitet…

 

Was nach einem Sieg?

Bleibt die Frage, was Israel im Falle eines Sieges machen koennte oder sollte? Hier sei schon mal gesagt, dass es vielleicht nicht die schlauste Loesung ist, nach einem Sieg, sich wieder komplett zurueckzuziehen, sich auf die Schulter zu klopfen und von mehr ‘Abschreckung’ zu reden und gutglaeubig auf den naechsten Angriff zu warten – denn was hat der Angreiffer zu verlieren? Er weiss genau, dass die Welt auf seiner Seite sein wird, dass ihm nach dem Krieg wieder alles Gebiet, dass Israel erobern sollte, zurueckerstattet wird, Kosten hat er auch keine zu tragen, die Toten und Verwundeten interessieren ihn nicht wirklich,und fuer die zerstoerte Infrastruktur werden sich schon internationale besorgte Geldgeber finden lassen. Warum also nicht immer wieder draufhauen, wenn einem mal wieder danach ist? Dazu hoffentlich bald mehr…



12 Comments to “Israels Vorbereitungen und moegliche Antwort auf einen Vernichtungskrieg der iranischen Achse (2. Teil)”

  1. Julia says:

    Danke Ulrich für die Informationen!
    Wir, die Freunde der Juden und Israels, denken fest daran, dass egal was kommt, Israel siegen muss und wird!!!! Ich persönlich bin sehr zuversichtlich!

    “…dass es vielleicht nicht die schlauste Loesung ist, nach einem Sieg, sich wieder komplett zurueckzuziehen” Das sollte selbstverständlich sein, Israel soll Stärke und Standhaftigkeit demonstrieren und nur an seine eigenen Interessen denken. Nur die zählen.

  2. Und gerade hats 4 Kassams geregnet – nach den 2-3 von gestern.
    Beginn der diesjährigen Raketenregenzeit?
    Ich hoffe Bibi läßt sich das nicht jahrelang gefallen…

    Dankesbriefe übrigens bitte an den Deutschen Bundestag!

  3. mike hammer says:

    # Jschua Cohen
    das mit den dankschreiben wäre eine gute idee als offener brief von kindergartenkindern und grundschülern aus sderot usw. an representanten aus politik und presse, persönlich und auch als anzeige mit bild. ;)

  4. Julia says:

    @Enrico
    Vielleich kann du bitte den Link auch auf deine Webseite anbringen:

    http://www.palestinianzionistorganization.com/

    Danke!

  5. Zahal says:

    Fundstück, ich wusste gar nicht, daß Iran auch Besatzungsmacht ist.

    Araber fürchten Iran mehr als Israel
    von Omid Marivani – Mit der israelischen Atombombe haben sich die Araber abgefunden, eine iranische wollen sie nicht hinnehmen. Ein tausendjähriger Konflikt geht in die nächste Runde.

    http://www.20min.ch/news/dossier/atomstreit/story/Araber-fuerchten-Iran-mehr-als-Israel-31726515

  6. Zahal says:

    Friedliche, verhandlungsbereite PA – Minister rät: Folgt dem Terror von München 1972.

    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/138760

  7. karl says:

    shalom ,schon vor einiger zeit habe ich geschrieben das die araber sich auf einen krieg vorbereiten. weiter habe ich geschrieben<<wenn der
    iran erst einmal seine atombombe hat,die sache
    krietisch wird. << irgendwas muss geschehen ,ehe
    es zu spät ist. israel muss die heimstatt aller
    juden bleiben. shalom karl

  8. Velvl says:

    @ulrich

    du hast ganz bestimmt schaldag und maglan verwechselt. maglan ist eine moechtegern-schaldag und egoz-einheit, sie ist eine sehr wichtige spezialeinheit, aber das was du oben beschreibst ist schaldag und nicht maglan.

    der einzige witz, der ueber maglan rumkreist ist, dass sie gerne die einheit egoz jaggen. sie sind direkt oder indirekt an den tod von 3 egoz elitekaempfer verantwortlich.

    und wenn ich schon egoz erwaehne, dann moechte ich folgendes zufuegen. man kann nicht ueber kampf gegen hisbolah schreiben ohne diese einheit zu erwaehnen. egoz ist ein anti-hisbolah kommandoeinheit. ihre hauptaufgabe ist es, hibolahkaempfer aufzuspuehren und zu toeten. in den letzten 15 jahren hat keine andere spezialeinheit so viele hisbollah oder hamas kaempfer getoetet wie egoz. unter anderem hat egoz den erstegeborenen sohn von nasrallah in einem kampf in libanon getoetet.

    jetzt lese ich erst mal weiter ;)

  9. Hi Velvl,

    noch schlimmer, ich hab sie nicht nur verwechselt, sondern sogar durcheinander gemixt, denn die Raketenjaeger ist dann doch eher die Maglan und worueber ich eigentlich schreiben wollte ist natuerlich die Schaldag. ;)

    klar, egos ist super wichtig in jedem zukuenftigen libanonkrieg, mir ging es hier aber eher um das beschaffen der genauen ‘zieldaten’…

  10. [...] zu entziehen, ignoriert. Fakt ist, dass es in Israel eine starke Strömung gibt, die bereits offen davon träumt, in naher Zukunft den ganzen Libanon zu okkupieren, Gaza wieder unter israelische Verwaltung zu [...]

  11. Bernhard (Lindwurm) Schalom,

    wenn man in einem Artikel beschreibt, auf welche komplizierten Szenarien man sich in Israel – angesichts einer neuen Aggression der islamistischen Feinde Israels – einstellt, hat das noch lange nichts damit zu tun, dass man von Besatzung “traeumt”.
    Ich weiss, dass Israelhasser sich diese boesen Ausmalungen gerne wuenschen, sie werden dadurch aber nicht wahrer.
    Glaub mir, wir Israelis wuerden vieles Tun, um nicht wieder arabische Territorien besetzen zu muessen und die Verurteilungen der Welt und die Leichen unserer Soldaten dafuer zu bekommen, und die Israelis die davon traeumen kannst du mir ja bei Gelegenheit mal vorstellen, denn ich kenne sie nicht. Aber in manchen Situationen kann man halt nichts anderes machen.
    Wenn du Vorschlaege hast, wie man einen Landstrich, aus dem man auf dich und deine Zivilbevoelkerung Raketen hageln laesst, stoppen kann, sag bitte bescheid, wir sind ganz Ohr.
    Oder meintest du mit deinem Kommentar, dass du es vorziehen wuerdest, dass Israel diese Landstriche Flaechenbombadieren sollte, anstatt sie verlustreich und chirurgisch zu erobern? Waere das besser, weil dann muss man nicht einnehmen, einfach nur bis zur Verwuestung beschiessen? War es das was du vorschlaegst?

  12. Stepanow says:

    ” Abspringen von Spezialkommandos im Bekatal”
    ALso ob daseine Überraschung war?? Das Beekatal ist die HOCHBURG der Hisbollah, dort sind auch Pasdaran und Agenten aus Iran und Syrien stationiert! Also ist doch klar dass die Hisbollah mit Kommandoaktionen im Beekatal rechnet! Und das Spionieren in israel und abhören von israelischer Komunikation kann dies hisbollah auch!! Und auch die Hisbollah aht dazu gelernt und sich weiterentwickelt und sooo einfach wie der liebe Ulrich hier schreibt wird der Marsch auf Nord Syrien garantiert nicht!! Wärst du Aluf in der Armee würde ich dir jedes Wort glauben, aber so als Reservist, oder falls du das überhaupt bist und Erzählungen von anderen Leuten sorry da kann ich auch den Kachelmann fragen!!

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