Die elf ermordeten israelischen Sportler – fuer Deutschland war vor allem eins wichtig: dass die Spiele weitergehen…
Kommentar Ulrich J. Becker:
Passend zu dem hier kuerzlich besprochenen Film Muenchen 1970 und anlaesslich des 30-jaehrigen Todestags der Opfer, wurden jetzt neue israelische Geheimdokumente zu dem Massaker von Muenchen veroeffentlicht.
Sagen wir mal so: Wir wussten schon immer, dass die deutschen Sicherheitsvorkehrungen damals mies waren, dass Deutschland sich lieber auf ‘guten Fuss’ mit antisemitischen Terroristen stellen wollte, als diese zu bekaempfen und waehrend der ganzen Aktion alles von Schlamperei und Unprofessionalitaet bis hin zu Desinteresse strotze.
Die neusten Veroeffentlichungen stellen die bisherigen Einschaetzungen aber noch in den Schatten. Bedenkt man dazu noch die letzte Veroeffentlichung im SPIEGEL, wonach Deutschland mit den Terroristen des ‘Schwarzen Septembers’ “kooperierte”, bleibt einem einfach der Atem weg…
Vor allem wieviel Ruecksicht Israel auf Deutschland nahm, wohingegen dies genau das Gegenteil an den Tag gelegt hatte…
Hier der Artikel von Ulrich W. Sahm, der gut zusammenfasst:
Telegramme der israelische Regierung ueber den verwirrenden Stand der Dinge…
ULRICH W. SAHM – Geheimdokumente zu München (AUS ISRAELNETZ UEBERNOMMEN)
Jerusalem, 29. August 2012 – Aus Anlass des Gedenktags der Ermordung von elf israelischen Sportlern bei den olympischen Spielen in München 1972 hat das israelische Staatsarchiv 45 bislang „streng geheime“ Protokolle und Telegramme veröffentlicht. Bei einigen Dokumenten etwa des Außenministeriums wurden Berichte des Geheimdienstes sichtbar geschwärzt, wie man bei der Faksimile-Wiedergabe der Originale deutlich sehen kann.
Aus den Dokumenten geht die Verwirrung hervor, die auch in Israel angesichts der widersprüchlichen Nachrichten aus Deutschland herrschte, vor allem während der letzten Augenblicke des Dramas auf dem Flughafen Fürstenfeldbück bei München. Geheimdienstchef Zwi Zamir war vor Ort. Nach seiner Rückkehr beschrieb Zamir den erschütterten Ministern und Golda Meir die Abfolge der Ereignisse. Er kritisierte die Deutschen, weil sie Zamirs Vorschlag, zu intervenieren, zurückgewiesen hatten. Er beklagte das Chaos, das unprofessionelle Vorgehen der deutschen Sicherheitskräfte und ihr Desinteresse. „Sie haben nicht die geringste Anstrengung gemacht, Menschenleben zu retten. Sie haben nicht das geringste Risiko auf sich genommen, die Leute zu retten. Weder unsere noch die eigenen“, so Zamir wörtlich. Die Deutschen hätten die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen, um die olympischen Spiele fortzusetzen.

Auf eine Frage Golda Meirs, wieso es keine Sicherheitsvorkehrungen für die israelischen Sportler gegeben habe, zitierte Zamir einen Bonner Polizisten: „Was denken Sie denn? Hier herrscht olympischer Geist und nichts wird passieren.“ Bei einem internen Gespräch am Morgen nach dem Scheitern der Geiselbefreiung wurde über die Frage beraten, ob Israel einen Abbruch der Spiele fordern sollte und ob auch israelisches Versagen untersucht werden wollte. Ebenso wurde über die Auswirkungen auf die deutsch-israelischen Beziehungen gesprochen.
Verteidigungsminister Mosche Dayan sagte, dass es „in letzter Zeit“, also kurz vor München, eine spürbare Zunahme von Terroristen mit Anschlagsplänen auf dem Weg nach Europa gegeben habe, wobei Israel sogar deren Namen und Aufenthaltsorte kannte. Gleichwohl habe Israel keinen konkreten Hinweis auf den Anschlag in München gehabt.
Angedeutete deutsche Kritik, wonach Israel letztlich Schuld an dem Debakel gewesen sei, weil es sich standhaft geweigert hatte, arabische Gefangene im Tausch für die Geiseln freizulassen, wurde von den Ministern bei dem Gespräch zurückgewiesen. Minister Israel Galili äußerte Bedenken wegen der erstmals beobachteten Bereitschaft von Terroristen, im Kampf zu sterben. (Die „Mode“ von Extremisten, nicht nur in Nahost, für ihre Ziele freiwillig in den Tod zu gehen als „Selbstmordattentäter“, begann erst richtig zehn Jahre später, 1982 in Beirut.) In einem Dokument wird erwähnt, dass Kanzler Brandt angeboten habe, persönlich am Begräbnis der elf ermordeten Sportler teilzunehmen. Golda Meir habe das auf der Stelle abgelehnt.
Israelische Lageskizze…
Außenminister Abba Eban befürchtete, dass sich israelischer Volkszorn gegen Deutschland richten könnte und nicht gegen die Araber. Um die guten Beziehungen mit Deutschland nicht zu gefährden wurden israelische Botschaften, jüdische Institutionen und jüdische Gemeinden in aller Welt aufgefordert, keine Kritik an der gescheiterten Befreiungsaktion durch die deutsche Polizei zu veröffentlichen.
Ein weiteres diskutiertes Dilemma war einerseits das Bemühen Israels, sich nicht in die „inneren Angelegenheiten“ eines anderen Landes einzumischen, andererseits aber selber aktiv zu werden, um das Leben bedrohter Israelis zu retten. Ein Minister erklärte, dass das Debakel von München ein Todesurteil für Israelis im Ausland sei. Verkehrsminister Schimon Peres wird mit dem Spruch zitiert: „Es ist lächerlich zu glauben, dass wir alle Israelis schützen könnten.“
Das Ende… – Bis heute weigert sich das olympische Komitee diesen Opfer, die unter ihrer Obhut standen, offiziell gedenken – na klar, the olympic Show must go on, die ollen toten Juden sollen da nicht stoeren…
Nachtrag: Zu mindest die Welt hat einen eingehenden Artikel darueber…






ich habe mir die gesammte veroeffentlichung bei ynet.com durchgelesen… einfach unglaublich.