Ulrich J. Becker, Jerusalem, 23. Aw 5771
Beim Training der neuen undercover Eliteeinheit ‘Rimon’
Auch wenn Israel sich gerade wieder in einer Phase der Eskalation im Sueden befindet, hier kurz auch ein paar Darstellungen, wie Israel sich bereits aktiv auf die sich weiter destabilisierte suedliche Grenze mit Aegypten einrichtet, und am Ende ein paar Hintergruende zum israelischen Raketenabfangsystem Kipat Barsel.
Ein 200km langer Zaun
Zum einen baut Israel gerade einen 200km langen (ich weiss nicht, wie manche auf 250 km kommen?) und 500 Mio. Euro teuren Grenzzaun zu Aegypten, der jetzt durch die Vorfaelle im Sinai in einem Notprogramm beschleunigt gebaut wird, so dass der zustaendige Minister im Radio schon von Materialknappheit wegen der hohen Geschwindigkeit des Baus berichtete.
Zuerst wird jetzt nur die physische Barriere gebaut und in einer zweiten Phase dann die elektronischen Sicherungs-, Ueberwachungs- und Meldeeinrichtungen. Ein wichtiger Teil soll bereits naechsten Monat fertiggestellt werden und der ganze Zaun koennte bereits Anfang 2012 stehen. Urspruenglich wollte man nur die hier unten auf der Karte gekennzeichneten Stellen mit einem Zaun sichern (der letzte Anschlag ereignete sich tatsaechlich in dem suedlichen hier dargestellten Abschnitt), aber nach den Angriffen beschloss man noch mehr Geld in das Projekt zu investieren und die ganze Grenze mit einem Zaun zu sichern.
So ein Zaun ist natuerlich kein Wunderstopper vor Terror, aber er macht das Operieren von Terroristen an der Grenze und dessen Ueberschreiten schwieriger – es wurde in Israel vor einigen Wochen berichtet, dass die physische Beschaffenheit des Zaun (siehe oben) zwar sehr simple aussehe, aber ueberraschend schwer zu ueberwinden sei: Man soll angeblich Gruppen von Golani Soldaten mitsamt Leitern auf den Zaun losgelassen haben mit dem erklaerten Ziel ihn zu ueberwinden, aber niemand soll es geschafft haben…
Und dann sind da noch die Ueberwachungsanlagen, welche schon vor dem Ueberqueren der Grenze die entsprechenden Einheiten vor Eindringlingen alamieren sollten. Man muss dazu auch wissen, dass heute an der Grenze zu Gasa und zum Libanon praktisch alle paar hundert Meter meist weibliche ‘Observatorinnen’ der Armee 24h, sieben Tage die Woche jeden Meter staendig mit elektronischen Ueberwachungsgeraeten optischen durchkaemmen. An der Grenze zum Sinai gab es das nicht (und auch nicht an der zu Jordanien) und war bis vor kurzem im Prinzip auch nicht dringend noetig. Aber unsere Zeiten sind leider nicht gerade auf Entschaerfungen und Entspannung – und schon gar nicht auf Demokratisierung – in der Region ausgerichtet…
Das Widerbeleben einer Wuesteneliteeinheit
Was aber vielleicht die aktuellste und bedeutenste israelische Reaktion auf den Profi-Terror aus dem Sinai war, ist die Neugruendung bzw. Wiederbelebung neuen israelischen Eliteeinheit der Givati Brigade namens Rimon – der Granatapfel bzw. auch Handgranate.
In den 70iger Jahren gruendete Ariel Scharon eine besondere Einheit namens Rimon, die fuer die Sicherung der suedlichen Grenze und der Sinaigegend und die Bekaempfung von Terroristen ausgelegt war. Diese Einheit war nicht dafuer gedacht irgend eine Linie passiv zu verteidigen und auf Angriffe zu warten, sondern sie suchte foermlich nach Terroristen und machte Jagd auf sie. (Nach Scharons Prinzip, dass man umschreiben koennte mit ‘ Besser du kommst zum Terrorist, als der Terrorist zur dir.’) Ariel Scharon beauftragte seinen Vertrauten Meir Dagan, der uns heute vor allem als der letzte Mossadchef bekannt ist, mit der Zusammenstellung und Fuehrung dieser neuen Einheit.
Die Einheit war eine Eliteeinheit und ausser ueberdurchschnittlichen koerperlichen und mentalen Faehigkeiten ihrer Soldaten zeichnete sie sich vor allem auch durch ihre Undercoverwesen aus:
Die Operationen wurden meist verkleidet als Araber oder Beduinen ausgefuehrt. Ihren Namen erhielt die Einheit bei einem Vorfall, wo man auf ein Waffenversteck von Terroristen stiess, dass vor allem aus Handgranaten bestand. Anstatt diese kontrolliert zu sprengen, anderweitig unschaedlich zu machen oder mitzunehmen, beschloss die Einheit den Zeitmechanismus der Handgranaten unerkannt zu veraendern und verkuerzte ihn von fuenf auf eine Sekunde, so dass viele Terroristen in der Folgezeit, die Granaten aus diesem Versteck benutzten, bei Angriffen auf Israel sich schnell selbst ausser Gefecht setzten.
Spaeter wurde die Einheit – nicht zuletzt wegen des Friedensvertrags mit Aegypten – ueberfluessig und wurde aufgeloest. Sie diente aber als Vorbild fuer andere spaetere Eliteeinheiten, besonders fuer die, die verkleidet agieren, wie Duwdewan und Jamas.
Jetzt aber, wo der Friedensvertrag zumindest bruechig wird und die die Kontrolle der aegyptischen Armee ueber den Sinai geschaecht wurde, wird etwas Aehnliches wieder gebraucht und so hat die israelische Armee umgehend einen Offizier einer anderen Eliteeinheit damit beauftragt aus einer Auswahl von Elitekaempfern aus dem Faecher der israelischen Eliteeinheiten diese neue Einheit aufzustellen. Auch sie wird sich wohl sehr oft mit Beduinentuch anstatt Stahlhelmen durch den Sand bewegen.
Erste Bilder der bereits zusammen trainierenden sich bildenden Einheit wurden im israelischen 10. Kanal gezeigt.
Raketenschutzschirm
Zur gleichen Zeit beweist das auf der Welt einzigartige israelische Abfangsystem von Granten, Kurz- und Mittelstreckenraketen ‘Kipat Barsel‘ (Eisenkappe – Iron Dome), dass es anfliegende todbringende Gratraketen made in Iran sehr gut in der Luft abfangen kann. Hier ein Video dazu (bitte die Vulgaersprache des Typen missachten oder Ton ausstellen).
Die Abschussquote liegt bei ueber 90% und insgesamt zerstoerte es bereits ueber 30 Raketen im Anflug auf israelische Staedte aus Gasa.
Was passiert, wenn doch mal eine Grad-Rakete durchkommt, haben wir in Beer Schewa erst vor ein paar Tagen gesehen: Ein Toter, zwei toedlich bis schwer Verletzte und etliche Verwundete und eine Stadt in Schock. Man stelle sich vor, dass alle zig Gradraketen die bis jetzt auf Beer Schewa und Aschkelon abgefeuert wurden, nicht von Kipat Barsel abgefangen worden waeren.
Es gibt momentan nur zwei Batterien dieser ‘Wunderabfangwaffen’, die momentan in Aschkelon und in Beer Schewa stationiert sind. Andere Staedte wie Aschdod oder Ofakim sind ungeschuetzt und es entbrannte schon ein tragischer Kampf der Buergermeister darum, welche Stadt eher mit Kipat Barsel geschuetzt werden sollte.
Israel arbeitet fieberhaft daran, zusaetzliche Kipat Barsel Batterien fertigzustellen. Die Naechste soll in hoechsten drei Wochen einsatzbereit sein – die Soldaten der Luftwaffe, die die Batterie bedienen sollen, sind bereits ausgebildet und warten, dass die Geraete aus der Produktion kommen.
Bis Ende des Jahres will man neun Batterien einsatzfaehig haben um dann irgendwann in 2012 auf dreizehn zu kommen, die erstmal einen grundlegenden Schutz ganz Israels gewaehrleisten sollten. Besonders die Radaranlagen und anderen High-Tech Komponenten sind nicht so schnell und einfach herzustellen. Eine Batterie kostet Israel ca. 50 Mio. USD. Die USA wollen Israel mit 205 Mi. USD bei der Anschaffung weiterer Batterien zu unterstuetzen (um dafuer nicht offensiv gegen den Raketenterror vorzugehen?).
Eine totbringende Rakete zu bauen, kostet nur einige hundert USD-Dollar, aber ein System zu bauen, dass in Bruchteilen einer Sekunde feindliche Raketen erfasst, ihre Flugbahnen berechnet, sich entscheidet, ob die Rakete in bewohnten oder unbewohnten Gebiet runter kommen wird und nur bei Gefahr dann eine bis ueber zehn Abwehrrakete gleichzeitig abschiesst, die zu 90% zielgenau die anfliegenden Raketen vernichtet, ist sehr sehr viel teurer.
Eine einzelne sogenannte Tamir Abfangrakete des Kipat Barselsystem soll ca. 70.000 bis 100.000 USD-Dollar kosten. Wenn man also zehn dieser Tamirraketen auf eine Grad-Salve aus dem Gasastreifen abfeuert, hat man gerade eine Million USD in die Luft geschossen.
Aber dass hier keine Illusion entsteht: Die sind natuerlich nicht ‘verpulvert’ oder umsonst, denn jede der anfliegenden Gradraketen kann ziemlich sicher zum Tod von Zivilisten oder schweren Verletzungen fuehren und nicht nur trocken rechnerisch lohnt es sich da eine 300.000 Schekel Rakete abzufeuern – oder auch zehn.
Das Interesse in der Welt an diesem einzigartigen High-Tech-System ist gross und verschiedene Armee aeussern schon den Willen zur Anschaffung (man denke nur an das von Raketen ebenso bedrohte Suedkorea oder die Armeebasen in Afghanistan und Irak, aber auch anderswo).
Eine Tamirrakete des Kipat Barsel Systems
Mit dem Beginn der letzten Kaempfe um Gasa und den heftigen Gradsalven, stellte man fest, dass die Tamirproduktion zu langsam bei moeglichen laengeren oder heftigeren Konfrontationen waere, und beschloss jetzt ein zweites Fliessband fuer Tamarraketen einzurichten.
Wir koennen nur hoffen, dass wir sie nicht brauen bzw. – um realistischer zu sein -, dass sie moelgichst alle anfliegenden Terrorraketen abfangen und weiter erfolgreich Leben retten.
Ich hoffe nur, dass bei Ehud Barak und Co. nicht die Illussion entsteht, dass ein defensiver Raketenschirm das wichtigste sei, was man dem Terror entgegenzusetzen habe. Nein, man darf sich nie auf rein defensive Mechanismen verlassen, sondern muss unter dem hilfreichen Schirm von Kipat Barsel aktiv Terror bekampfen und an der Wurzel ausschalten.
‘Besser du kommst zum Terrorist, als der Terrorist zu dir…’









Kleiner Tipp an die Beduinen und die verschiedenen Terrorgruppen im Sinai, die fuer die ‘Abschuettlung’ der aegyptischen Zentralregierung kaempfen:
Schreibt euch moeglichst schnell einfach bei der UNO als ‘sinaiisches Volk’ bzw. ‘Sinaiiten’ ein und fordert einen eigenen ‘Staat Sinai’ und das Ende der Besatzung des aegyptischen Apartheidstaats. Man sagt, sowas soll andernorts ganz gut funktionieren…
[...] den Originalbeitrag weiterlesen: Israels aktuelle Antworten und Vorbereitungen auf den Terror aus … Bookmarken Sie uns, Danke! Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen [...]
was ist mit der tavor passiert?
ein breiteres magazin und ein alter triicon????