Ulrich J. Becker, Jerusalem, 25. Elul  

 

 

Eine kleine Jahresbilanz, Reflextionen, Unterstuetzungsaufruf von aro1 zu Rosch HaSchana… 

 

Ich moechte nicht Jammern, denn natuerlich zwingt mich niemand dazu, das zu tun, was ich hier auf dem Blog mache – ausser vielleicht mein Gewissen und der Funke Hoffnung damit etwas veraendern zu koennen, aber das Bloggen zehrt leider ein wenig an Zeit, Money und Gesundheit und deswegen moechte ich nochmal alle deutschsprachigen, in Israel-lebenden, Zionisten aufrufen, mitzumachen und die Masse der Arbeit zu teilen.

Ich will keinen ‘personal Blog’, sondern eine Plattform aus Israel schreibender Proisraelis und Projuden, die nah an den Geschehnissen sind, unverbluemt und ehrlich Tatsachen berichten und Meinungen kundtun, die so in den aller meisten Faellen im deutschsprachigen Mainstream-Medienraum nicht auftauchen, geschweige denn Gehoer finden.

 

Leider schaffe ich es oft alleine nicht, auf alle relevanten Ereignisse und Artikel einzugehen, sie aus israelischer Perspektive darzustellen, oder an den jeweiligen Stellen zu protestieren und nachzuhaken. Und immer wieder muessen leider auch halbfertige Artikel in den Muell, weil ich es nicht schaffte, sie rechtzeitig zu beenden und sie schon nicht mehr aktuell sind – andere, globalere stehen seit langem in der Warteschleife, die sich leider nicht so richtig leeren will, weil immer wieder ein anderer Terrorangriff oder sonstiger Antisemit dazwischenkommt…

 

 


Aro1

Der Blog soll mit Fakten einseitige antiisraelische Propaganda entlarven, eine Meinungsalternative zum ewig Israelkritischen bieten und einigen Leuten da draussen – darunter ‘Nahostexperten’ und unfair-israelkritischen Journalisten und Politikern – klar machen, dass es Leute gibt, die kein Problem damit haben, ihre Einseitigkeit bis Luegen oeffentlich zu attackieren, ihnen zu widersprechen oder sie gar zur Rede stellen, und ihnen die Frechheit nehmen, zu behaupten, dass die Israelis ja alle ‘ganz anders’ und viel linker seien, als ihre Regierung.

Aro1 versucht all dies staendig mit – meiner Meinung nach – einigem Erfolg:

Vor zwei Jahren war aro1 noch nicht gebohren, heute hat es nach verschiedenen Zaehlungen ca. 500 Leser am Tag (Tendenz zumindest momentan steigend, aber immer wieder nach Vorkommnissen schwankend – beim Marmaravorfall waren es z.B. einige Tausend) und eine staendig wachsende Stammleserschaft in der aro1 Facebookgruppe von momentan bald 200 Leuten.

Dank Renate werden jetzt auch immer wieder proisraelische, englischsprachige Artikel, die es selbst, oder ihre Informationen oder Meinung wohl kaum in den deutschsprachigen Nahostdiskurs schaffen wuerden, fuer aro1 unentgeldlich uebersetzt. Danke auch an Sven, der durch sein freiwilliges Fehlerlesen in vielen Faellen mir noch ein bisschen mehr Zeit zur Verfuegung stellt. Danke auch an alle Leser, die uns weiter verlinken und anderweitig Publik machen.

Und aro1 bleibt nicht ohne einige reale Wirkung:

Von der deutschen Staatsanwalt, dem Chefredakteur der ARD-Tagesschau, bis hin zu Politikern und Bundestagsabgeordneten, kamen Antworten und Reaktionen auf aro1-Kritik und Artikel.

Und viele der einschlaegigen, israelkritischen Journalisten und Nahostexperten tauchen bei Namenssuche bei google.de schon auf der ersten Seite in aro1-Kritiken auf (Sebastian Engelbrecht auf Platz 5 / Christoph Schult auf Platz 6). Einige davon unter den ersten drei Treffern (Ja, selbst ARD No. 1 Israelkorrespondet Richard C. Schneider.) Bettina Marx und Juliane von Mittelstaedt kommen gar auf Platz eins.

Und, damit mich hier niemand falsch versteht: Es ist weder die Absicht von aro1 eine ‘Kopfjagd’ und Oeffentliches-an-den-Pranger-stellen von ‘armen’, ‘unschuldigen’ Journalisten durchzufuehren, noch sollte man sich damit bruesten, andere Menschen oeffentlich ‘bloss zu stellen’ – das ist im Judentum ein schweres Verbrechen (dem Mord nahe) – und das tut aro1 auch nicht, auch wenn die Situationen manchmal von der Form halber sehr viel kritisches Selbsthinterfragen und Nachpruefen erfordern. Ich habe mich nicht selten mit juedischen Gelehrten ueber die Frage auseinandergesetzt, inwiefern man Israel-Kritiker, ueber Israel-Hasser, bis Antisemiten, oeffentlich mit Foto und scharfer Kritik angreifen und ‘blossstellen’ darf.

Wie fuer fast alles im Leben, gibt es dafuer im Judentum strickte und sehr situationsabhaenige Regeln, und ich hoffe mich immer an diese zu halten (z.B. nicht persoenlich werden, sondern in der Sache bleiben. Lieber zynisch und ironisch sein, als offen beschimpfen – was ich hoffentlich nicht tue.)

In jedem Fall, was in diesen Tagen des Jahres sich aufzwingt: Sollte hier jemanden etwas auffalen, wo ich diese Linien ueberschreite, bitte ich, das umgehend an die aro1-email mitzuteilen. Und sollte ich hier je einen der ‘netten’ unfairen Angreifer Israels und des juedischen Volkes faktisch oder in der Form selbst unfair behandelt und betitelt haben, bitte ich diese um Entschuldigung und aendere solche Fehler gerne, wenn sie mich darauf hinweisen koennen. 

Die groesste Staerke unserer Waffen – und hiermit meine ich die Feder/Tastatur – ist ihre ‘Reinheit’ vor der Torah, oder wie man bei uns sagt: ‘Tohar HaNeschek’.

Anyway, nach einem langen, schmeichelnden Vorwort kommt natuerlich – richtig geraten –, wie es in unserem brotlosen, ideologischen ‘Gewerbe’ so ueblich ist, eine Bitte um finanzielle Unterstuetzung:

Ich will aro1 auf einen israelischen Server umziehen lassen, was etwas teurer – dafuer aber anscheinend sicherer und hoffentlich weniger fehleranfaelliger – wird, und auch nochmal Zeit und Nerven kosten sollte. Eine sich am politischen deutschen Horizont langsam abzeichnende ‘Gedankenpolizei’ von rechten und pro-israelischen Bloggern moechte ich damit auch vorbeugen, damit aro1 auch zukuenftig einen Antisemit oder anti-israelischen Hetzer oder antijuedischen Linken, als einen solchen bezeichnen nennen kann, wenn er denn so einer ist, ohne wegen ‘Breivik’-Freund-Verdacht in den Knast zu kommen. 

Ich habe es bis jetzt leider nur mit maessigem Erfolg geschafft, auch andere Autoren einzubinden, aber denen, die hier weiterhin immer wieder schreiben, wie Thomas Schreiber und Joschua Cohen, grossen Dank.

Also: Am liebsten waere mir menschliche Hilfe aus Israel, aber auch hier und da zwei drei Euro von dem einen oder anderen koennten den Blog zumindest von den monatlich anfallenden Standardkosten abfedern (Dazu direkt anschreiben: aro1.com@gmail.com). Und wer natuerlich so viel Knete und Ideologie hat, hier einen woechentlichen Arbeitstag oder Sonstiges spendieren zu wollen – den werde ich bestimmt nicht aufhalten, immer gerne, der Blog sollte dadurch vor allem noch besser und serioeser recherchiert werden.

 

Soweit erst mal.

An alle eine bedeutsame Neujahrszeit, gute Taten, erweckende Schofare, und einen guenstigen Gerichtsprozess da oben!

 

 

Aus Rabbi Weinrebs Parasch-Kommentar und zu Rosch HaSchana (und im Gegensatz zum ‘Exklusivitaetsvorwurf’ des Judentums):

 

“Rosch HaSchana wird vielleicht nur von Juden gefeiert, aber es ist nicht nur ein juedischer Feiertag. Es ist der Geburtstag der Welt und der Herr der Welt richtet uns alle, ohne Diskreminierung. [...]

וְכָל בָּאֵי עולָם יַעַבְרוּן לְפָנֶיךָ

…Und alle Erdenbewohner werden [zu Rosch HaSchana] vor dir vorueberziehen…”




14 Comments to “Eine kleine Jahresbilanz von aro1 zum neuen Jahr”

  1. Rainer Lang says:

    finanzielle Unterstützung – gerne, aber wie?

  2. Julia says:

    Zum Jüdischen Neujahr 5772:
    Bevor ich es vepasse, möchte ich Ulrich, seiner Familie und allen Aro1 jüdischen Kommentatoren und ihren Lieben und natürlich allen Juden auf der ganzen Welt und ihren Familien vom ganzen Herzen:

    שנה טובה ומתוקה
    “EIN GLÜCKLICHES UND SÜSSES JAHR”

    wünschen, aber vor allem FRIEDE und GESUNDHEIT und die Erfüllung eurer allen innigsten Wünsche!

  3. Rainer Lang says:

    Liebe Julia, Danke! danke für deine Wünsche und Danke für deine Präsenz in diesem Blog!

    Heute habe ich irgendwo gelesen, dass Rosch Haschana zwar nur von Jüdischen gefeiert wird, aber alle Menschen gemeint sind. Dumm, wie ich nun einmal bin, habe ich mir die Quelle leider nicht gemerkt. Ich finde wir alle sollten Rosch Haschana feiern, gleich ob wie jüdisch, christlich oder was sonst noch sind!

  4. Nachamu says:

    Gerne Uli,

    ohne Moos nix los ;)

    Bitte schick mir nochmal Deine Kontoverbindung.

    Kannst Du noch was zu der Befreiung von Shane Bauer und Josh Fattal schreiben?

    Und Bravo für die gute Arbeit hier und die Erfolge die dadurch erwirkt worden sind!!!

  5. Julia says:

    Lieber Rainer, wie recht du hast. Wie ich schon erwähnt habe, schon in meiner Kindheit wurden wir von jüdischen Freunden zu ihren Festtagen eingeladen und meine Eltern betrachteten es als eine grosse Ehre und auch wir luden unsere jüdischen Freunde zu unseren Feiertagen ein. Warum soll man nicht zusammen feiern, wenn ein Anlass dazu gibt? Gleich nach dem Jom Kippur Krieg, kaufte mein Vater eine Flasche “Champus” und sagte: “Wie nach dem 6-Tage-Krieg: Wenn das kein Grund zum feiern ist, dann weiss ich nicht mehr!…” Ich glaube das ist auch in deinem Sinne.

    Heute war ich geneigt etwas über Rosch Haschana zu schreiben – für die nicht jüdischen Kommentatoren bei Aro1 – aber irgendwie schien mir nicht recht, dass ich es das tue. Ich will niemanden belehren, wer was wissen will, kann fragen oder einfach googlen.

    Ich habe für deine Anerkennung die du mir gezeigt hast zu danken!

  6. Rainer Lang says:

    Liebe Julia, bitte schreibe über Rosch Haschana!

    Shalom

  7. codinenc says:

    Durchschnittlich 500 Aufrufe am Tag nach nicht einmal zwei Jahren kann sich ja durchaus sehen lassen. Von daher gratuliere ich auch mal ganz herzlich und bedanke mich für die vielen zur Verfügung gestellten Informationen von Dir Ulrich, sowie den Übersetzungen von Renate und den Artikeln von Herrn Schreiber und Herrn Cohen.

    Shana tova an alle jüdischen, sowie nichtjüdischen Leser hier.

    Ist die aro1 at gmail.com Adresse zufällig mit einem Paypalkonto verknüpft?

  8. A.mOr says:

    @Rainer Lang says:
    September 25, 2011 at 22:09
    Da hat wohl einer die Brille auf seiner Nos nicht gefunden! :)
    Schau mal am Ende dieses Artikels…

    @Julia
    „Warum soll man nicht zusammen feiern, wenn ein Anlass dazu gibt?“
    Sehr freundlich gesagt, und auch Dein Vater erscheint mir ein schöner Mann zu sein, herzliche Grüße an Dich und Deine Familie!

    @Uli, da es hier gut hinpaßt: vielen Dank für Deine Mühen, für Deine gute Arbeit, für die gute Auswahl (auch bei Mitarbeitern), dafür, daß Du uns in Verbindung mit erez&medinatJisrael hältst, Sein Angesicht möge uns leuchten, Du und die Deinen seien eingeschrieben!

    Es ist wirklich auch sehr schön, in den Kommentaren soviel Freundlichkeit zu lesen!
    Schalom chawerim, schana towa an alle Freunde und Brüder und Schwestern! (ein paar Minuten haben wir ja noch bis zum Fest… ;) )

  9. Rainer Lang says:

    @A.mOr. Stimmt. Ich sollte meine Brille anziehen. Asche über mein Haupt.

  10. A.mOr says:

    @Rainer Lang
    Besser Asche als nackig :)

  11. Rainer Lang says:

    Dieter Graumann über Rosch Haschana: http://www.zentralratdjuden.de/de/article/3423.html

  12. Julia says:

    Was feiern die Juden überall in der Welt am
    ROSCH HASHANA (übersetzt: “Haupt des Jahres” DAS JÜDISCHE NEUJARFEST 5772 (das Jahr zwischen 28.-30. September 2011)?

    Ich habe Rainer versprochen über Rosh Hashana aus meiner Sicht als Nichtjüdin zu schreiben, um auch andere nichtjüdischen Lesern die Interesse an die jüdischen Feiertagen und Bräuchen zu erwecken. Da mein Deutsch nicht fehlerlos ist und (wenn auch)unabsichtliche Unrichtigkeiten zu verbreiten vermeiden möchte, habe ich mich entschlossen einen link da zu bringen, der genau das beschreibt, dass meine Familie und ich von meiner Kindheit an unter Rosh Hashana Feiern mit unseren Freunden kenne, denn auch unsere Freunde bezeichneten sich als liberale Juden.

    http://www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=79

    Hier noch einige Bemerkungen von mir:

    Das Festessen:
    Nach dem Abendgebet findet das Festessen statt. Normalerweise findet es nach dem Kiddush (Segnung des Weines) die Zeremonie der Simanim statt. “Simanim” heisst übersetzt “Zeichen” und es handelt sich hierbei um bestimmte Essenszubereitungen, welche man in einer vorgeschriebenen Reihenfolge isst. Dazu gehören unbedingt natürlich Apfel, die in Honig getaucht werden, die ein süsses gutes Neues Jahr symbolisieren. Jedes einzelne kleine Menu hat seinen speziellen Segen und seine eigene Bedeutung. Die Simanim sind auch ein Symbol dafür, dass jeder Jude sein eigenes Schicksal ändern kann, natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten.
    Eines der Simanim – Menus ist das Fleisch, denn es soll etwas Fleisch aus einem Fisch oder Schafskopf gegessen werden. Das Fleisch aus dem Fischkopf symbolisiert, dass man am Beginnn von etwas stehen will und nicht nur am Ende.

    Eine äußerst wichtige Rolle spielt dabei der Honig. Das ganze Jahr über verteilen die Juden auf die Challot (Shabbatbrote) etwas Salz, aber an Rosh Hashana taucht man alles in Honig. Vor allem Chassidimdie Strenggläubige essen ihr Brot mit Honig bis mindestens Hoshana Rabbah (Ende von Sukkot – Laubhüttenfest, 5 Tage nach Jom Kippur – Versönnungstag).

    Die wichtigste Mitzwa/Mitzwe (Gebot) am Rosh HaShana ist, dass ein jeder das Schofar hört (s. Uli’s Bild oben). Das aus Widder- oder Kuduhorn gefertigte Instrument hat seinen Ursprung in der jüdischen Religion und dient vor allem rituellen Zwecken. Das Schofarablasen findet erst zum Morgengebet statt, also Morgen. Die Töne des Schofars erwecken bei allen eine sehr tiefe emotionale Empfindung. Die Töne des Schofars soll in jemandem zur Umkehr aufrufen. Ob Religiöse oder Liberale, alle lauschen still in der Synagoge dem Schofar, denn es ist für alle ein besonderer Moment.

    Es gibt vieles, von dem wir voneinander lernen können und sollen, unabhängig unserer Traditionen und die Feste bieten eine gute Gelegenheit, den anderen besser kennen zu lernen, ihn zu verstehen und ihm mit Respekt und Achtung zu begegnen, denn egal woran wir wirklich glauben, der Glaube, an das Gute in den meisten Menschen gibt uns die Kraft und motiviert uns, das Böse und das Ungerechte im Rahmen unserer Möglichkeit zu bekämpfen.

    In diesem Sinne, liebe Leser, wünsche ich allen Juden auf der ganzen Welt nochmals “Ein glückliches, süsses Jahr, Friede, Gesundheit und das Beste!
    Shana Tova!שנה טובה

  13. Yael says:

    Hi Uli, dir und allen Juden wünsche ich Schana tova u’metuka!

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