Danke an Renate fuer die Uebersetzung dieses Ynet-Artikels von Riccardo Dugulin.
Kommentar: Anti-Israel Kraefte im Sinai, in Syrien und im Libanon sind weniger sichtbar, aber haben sich nicht weniger als andere der Vernichtung Israels verschrieben.
Warum ist die Realitätswahrnehmung so verzerrt, dass Israel als regionaler Goliath betrachtet wird? Wenn man Menschen in Europa, Nord Amerika oder dem Nahen Osten reden hört, dann werden die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) so dargestellt, als wären sie ihren Feinden und Gegnern meilenweit überlegen, als gehörten sie nicht zu jenem kleinen Staat mit 7,5 Millionen Einwohnern, die von nahezu jeder Nation, die sie umgibt, bedroht werden.
Diese Betrachtungsweise der IDF als technologisch und strukturell überlegen, führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu strategischen Fehleinschätzungen. Denn die neuen Sicherheitskonzepte, die aus dieser veränderten Sichtweise resultieren, sind der Sicherheit des jüdischen Staates nicht dienlich.
Die konventionellen Armeen der vielen Feindstaaten Israels mögen nicht länger der bedrohliche Riese sein, weil der Riese Goliath, der Israel vernichten möchte, gegenwärtig im Schatten des Niedergangs dieser Staaten handelt. Er lebt im Herzen einer Generation, die von ihren eigenen Regierungen so enttäuscht ist, wie sie gleichzeitig hasserfüllt gegen Israel ist. Der direkte und unmittelbare Feind sind nicht mehr die gepanzerten Divisionen und feindlichen Luftstreitkräfte, sondern die verhetzte fanatisierte Jugend, die strategische Siege vorerst beiseite lässt, solange sie nur vernichtenden und zerstörerischen Schaden zufügen kann.
In den kommenden zwei Jahren kann sich die Umzingelung um Israel vervollständigen. Die nördliche Grenze ist bereits von einer neu gestärkten Hisbollah bedroht, deren Waffenarsenal von der iranischen imperialistischen Außenpolitik aufgebaut wurde. Hisbollah ist nun in der Lage sowohl gezielte Raketenschläge auszuführen, als auch Raketensperrfeuer. Sie besitzen die neuesten Waffen zur Panzerabwehr, zur Flugabwehr und zur Marineabwehr. Und sie sind dabei, die wichtigsten libanesischen Machtstrukturen zu besetzen und zu beherrschen. Zusätzlich zu Hisbollah bleibt Hamas eine beständige Bedrohung mit ihren andauernden terrorisierenden Raketen- und Granatbeschuss.
So sehr wie diese beiden selbsternannten “Widerstandsbewegungen“ in den vergangenen Jahren ein Teil der terroristischen Bedrohung Israels waren, so sehr haben die jüngsten Entwicklungen die Zahl der unberechenbaren Faktoren im Sicherheitsgleichnis vermehrt. Auf der Sinaihalbinsel tummeln sich ungehindert Al-Kaida und andere radikale Elemente, die von der offensichtlichen kriegerischen Feindseligkeit der ägyptischen Bevölkerung gegen Israel unterstützt werden; all das verwandelt den Sinai sehr schnell in einen Stützpunkt für Angriffe gegen die südliche Grenze Israels.
Die Berichte sind unbestätigt, aber es gibt Hinweise, wonach seit dem Sturz von Oberst Gaddafi regionale Dschihad-Netzwerke schwere Waffen und wahrscheinlich eine kleinere Anzahl von Scud-B Raketen in die Sinai Region gebracht haben. Man kann mit Entwicklungen rechnen, bei denen Angriffe “geringer Intensität“ gegen israelisches Sicherheitspersonal und Terrorangriffe gegen Zivilisten innerhalb Israels immer zahlreicher werden. Eine derartige Situation bewirkt ein schwieriges Gleichgewicht, da die IDF um die Entwicklung einer Strategie bemüht ist, bei der sie Feinde, die ägyptisches Gebiet als Ausgangspunkt für Angriffe nutzen, wirksam verfolgen kann.
Die zunehmende Beteiligung von Al-Kaida und lokalen Dschihadisten bei der syrischen Krise erweckt weitere Besorgnisse. Sobald das syrische Regime seine Macht im Land endgültig verliert, kann man damit rechnen, dass die Kämpfe einander verfeindeter Parteien um die regionale wie die nationale Macht im Land losgehen. Es wird damit gerechnet, dass bei diesen Kämpfen versucht werden wird, Israel anzugreifen.
Am Tag nach dem Zusammenbruch des Assad Regimes, wird an der nördlichen Grenze dieselbe Situation entstehen wie an der südlichen Grenze. Die zunehmende Anwesenheit ausländischer Kämpfer mit modernster Waffenausrüstung und dem Bedürfnis, sich zu beweisen, wird die Sicherheitslage kurz bis mittelfristig bestimmen, wobei Israel vor dem Problem steht, wie auf diese Bedrohung reagiert werden kann, ohne dass ein regionaler Konflikt daraus wird.
Ein dritter und letzter Punkt betrifft das Vorhandensein eines sicheren Rückzuggebietes für terroristische Bewegungen. In der Vergangenheit konnten die direkten Feinde Israels auf dem Schlachtfeld besiegt werden, das sich jenseits der Grenzen befand. Aber nun hat der Iran durch die weltweite Ausbildung, Finanzierung und Bewaffnung von Terrororganisationen, die das alleinige Ziel haben, Israel zu schwächen, ein weltweites “Rückzugsgebiet“ für die Feinde des jüdischen Staates geschaffen, das ohne internationale Aktionen nicht vernichtet werden kann.
Der arabische Frühling und die damit einhergehenden Veränderungen in der gesamten Region ändern nichts daran, dass Israel weiterhin David bleibt und von Kräften umgeben ist, die sich dem Kampf verpflichtet haben. Und sie haben die Voraussetzungen und das Menschenmaterial, das dazu erforderlich ist. Goliath tritt heute nicht mehr so offensichtlich auf wie einst und er ist vielleicht auch nicht so stark wie befürchtet, aber er bleibt dennoch tödlich und gefährlich für den jüdischen Staat. Das neue Sicherheitskonzept erfordert ursprüngliche originelle strategische Überlegungen und den erneuerten Geist und Glauben, der David befähigte, den Riesen Goliath mit fünf Steinen und einer Steinschleuder zu besiegen.


