Danke an Renate fuer die Uebersetzung dieses Ynet-Artikels von Ron Ben-Yishai.

 

 

Die Vereinigten Staaten lassen Informationen an die Medien durchsickern, um einen israelischen Schlag gegen den Iran zu verhindern: Die US-amerikanische Regierung hat bei ihren Anstrengungen, die einen israelischen Schlag gegen die iranischen Nuklearanlagen zu Jahresende verhindern sollen, kürzlich Vollgas gegeben. Eine wahre Flut von Berichten in den amerikanischen Medien [hier die beruechtigste in 'Foreign Policy'] in den vergangenen Wochen bezeugt nicht nur, dass die USA befürchten, dass Israel seine Drohungen wahr machen könnte, sondern dies deutet darüber hinaus auch an, dass die Obama Regierung die Samthandschuhe, (falls sie je welche trug), entschlossen abgelegt hat. 

 

In der Tat ist die Regierung in den vergangenen Wochen davon abgegangen, ihr Ziel mittels Überredungsbemühungen gegenüber israelischen Entscheidungsträgern sowie der israelischen öffentlichen Meinung zu erreichen. Stattdessen führt sie nunmehr eine ausgeklügelte gezielte Vernichtungsstrategie der israelischen Handlungsmöglichkeiten bezüglich des Iran aus. Dieser “gezielte Schlag” wird durch Berichte in amerikanischen und britischen Medien ausgeführt: Israel Entscheidungsträgern soll somit erschwert werden, der IDF den Befehl zu geben, einen Schlag auszuführen; und was noch schwerer wiegt, damit soll die Fähigkeit der IDF, einen solchen Schlag mit minimalen Verlusten auszuführen, untergraben werden.

 

Das erstrangige und allerwichtigste amerikanische Ziel ist es, potentielle Handlungsmöglichkeiten, die der IDF und dem Staat Israel zu Verfügung stehen, zu eliminieren. Ich beabsichtige nun nicht, genauer oder durch Hinweise auszuführen, welche Möglichkeiten die US-amerikanische Regierung verhindern will, indem sie diese in den Medien bekannt macht. Ein großer Teil der Berichte stammt sowieso aus falschen Informationsquellen oder ist schlichtweg Desinformation. Und es gibt keinen Grund, den Iranern zu offenbaren, was echt ist und was nicht. Jedoch ist eines offensichtlich: die Berichte allein der vergangenen Woche, haben Israel grundsätzlichen diplomatischen Schaden zugefügt, möglicherweise sogar Schaden, der die militärischen Fähigkeiten und den Handlungsspielraum betrifft.

 

Ein weiteres Ziel der US-Regierung besteht darin, die israelische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass ein Schlag gegen den Iran (einschließlich eines US-Angriffs) nicht einmal das Minimum dessen erreichen würde, was erforderlich wäre, um diesen zu rechtfertigen; also eine Verzögerung des iranischen Nuklearprogramms um wenigstens 3-5 Jahre. Dem Bericht des US-Kongresses zufolge beläuft sich die Verzögerung lediglich auf ein halbes Jahr, was die Risiken nicht rechtfertigen würde, im Gegensatz zu einer länger dauernden Verzögerung. Die angegebene Zahl von sechs Monaten ist für die israelische Öffentlichkeit bestimmt. Diese soll dazu gebracht werden, Druck auf Premierminister Binyamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak auszuüben, um einen Angriff zu verhindern – einen Angriff dessen Vergeblichkeit die Amerikaner auf jede denkbare Art und Weise zu beweisen versuchen. Zur gleichen Zeit zielt die Kampagne darauf ab, den Wert von Forderungen zu untergraben, die viele Mitglieder des Kongresses und des Senates äußern – Demokraten wie Republikaner -, die die Untätigkeit des amerikanischen Präsidenten kritisieren.

 

Dem Kongressbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, können verschiedene Ungenauigkeiten, sowohl hinsichtlich der Analyse wie des Inhaltes nachgesagt werden, Jedoch, macht dies letztlich keine Unterschied. Denn das Ziel war keine tiefgründige Analyse, sondern man wollte Schlagzeilen in den Medien Israels und Washingtons machen. Eine echte tiefgründige Analyse ist – erfreulicherweise – auch gar nicht möglich, da die Forscher im Kongress in Washington zu der wirklich relevanten Information gar keinen Zugang haben.

 

Der US-Kongress im Dienst des Iran

Das dritte Ziel der kürzlichen Veröffentlichungen ist es, der israelischen Öffentlichkeit mit apokalyptischen Darstellungen der möglichen Vergeltung durch den Iran und seine Handlanger einen Schrecken einzujagen. Dieses Ziel verfolgt gleichzeitig den Zweck, die israelischen Entscheidungsträger am Handeln zu hindern. (Hierzu zählt auch jene Erwähnung im Kongressbericht, wonach Israels Heimatfront nicht ausreichend vorbereitet sei, einen Schlag zu ertragen.) Einige Beobachter argumentieren nun, dass diese Berichte nicht schädlich seien, sondern eher die Bedrohung Israels bestätigen würden, und dadurch den westlichen Repräsentanten in den anstehenden Verhandlungen mit dem Iran förderlich seien. Was ist daran verkehrt?

 

Nun, fest steht, dass die Iraner teuere und risikoreiche Geheimdienstanstrengungen unternehmen hätten müssen, um an die geheimen Informationen und Bewertungen zu gelangen, die nun mittels der Presse offenbart worden sind – da liegt der Schaden. In der Tat begreifen die Iraner jetzt bereits, dass der Westen und Israel jede Menge aktuellster Informationen über das iranische Nuklearprojekt besitzen, einschließlich über Zentrifugen Herstellungsstätten in Wohnhäusern in Teheran. Darüber hinaus kann das Ayatollah Regime nun ebenfalls die in Frage kommenden Angriffswege und Angriffsmethoden durch Israel und die Vereinigten Staaten enträtseln.

 

Wie jeder Geheimdienstoffizier weiß, gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen unbestätigten Beurteilungen und soliden Tatsachen oder den Zielen und den Fähigkeiten der IDF. Der jüngste US-Kongressbericht liefert ebenso wie der Bericht des US-Außenministeriums jedem iranischen Geheimdienstanalysten unschätzbare Informationen. Die große Mehrheit aller Informationen wurde ja bereits veröffentlicht, aber anstatt, dass die Iraner nun wenigstens gezwungen gewesen wären, alle die Beurteilungen selber zusammenzufügen, bietet der jüngste Bericht des US-Kongresses ihnen alle Informationen an einem einzigen Platz, einschließlich ausführlicher Analysen.

 

Wie oben bereits gesagt wurde, ist wenigstens ein Lichtblick dabei. Die Forscher im Kongress und ihre Informanten haben offensichtlich Probleme bei dem, was allgemein als Leseverständnis bezeichnet wird.

 

Verrat an einem Verbündeten

Zusammengefasst, haben die amerikanischen Veröffentlichungen folgenden Schaden angerichtet:

 

Ÿ  Dem Iran steht jetzt ein Gesamtüberblick über das Wissen des israelischen und amerikanischen Geheimdienstes zu Teherans nuklearem Programm, seinen Verteidigungseinrichtungen, einschließlich seiner Luftverteidigung, zur Verfügung.

 

Ÿ  Die Iraner wissen jetzt, welche Anzeichen Washington und Jerusalem als “nuklearen Durchbruch” deuteten. Daher hat es der Iran leichter, diese zu verheimlichen.

 

Ÿ  Der Bericht erschwert die Nutzung gewisser geheimer Einflussmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten, auch wenn sie nicht sehr weitgehend sein sollten, hätten von den Vereinigten Staaten zukünftig genutzt werden können, würde der Iran sie nicht mit diplomatischen und militärischen Mitteln zu verhindern wissen.

 

Es erübrigt sich hinzuzufügen, dass man einen Verbündeten nicht in dieser Art und Weise behandeln sollte, auch dann nicht, wenn es sich um die Beziehung zwischen einer Supermacht und einen Satellitenstaat handelt. Diese gezielte Zerstörungskampagne, die gegenwärtig von der US-amerikanischen Regierung unternommen wird, steht zudem in scharfem Widerspruch zu der Erklärung, die Präsident Obama erst kurz zuvor bei der AIPAC Konferenz abgegeben hat. Dieser Erklärung zufolge erkennen er und die USA an, dass Israel ein souveränes Recht zur Selbstverteidigung hat. Man kann nicht diese Worte äußern und im nächsten Moment gegenüber Israel Feinden die Verwundbarkeiten Israels und die möglichen Wege im Fall eines Angriffs offen legen.

 

Tatsächlich gibt es einen Unterschied zwischen legitimen Überzeugungsbemühungen und praktischen Schritten, die der Verhinderung und der Vernichtung der israelischen Vorhaben dienen.

 

Sieben Jahr lang habe ich in Washington für Yedioth Ahronoth als Reporter gearbeitet, daher weiß ich sehr gut, dass die US-amerikanische Regierung mit wenigen Ausnahmen fähig ist, das Durchsickern von Informationen an die Medien zu unterbinden – falls sie dies zu tun wünscht. Das gilt auch für den Fall, dass es sich um frühere Regierungsbeamte handelt, und ganz sicherlich, wenn es sich um gegenwärtige Regierungsbeamte handelt. Was wir hier beobachten, ist keine kleine Weitergabe von Informationen hier und da, sondern vielmehr ein starker Informationsstrom, eine wahre Flutwelle. Dies lässt keinen Zweifel daran, dass wir es mit einer organisierten Medienkampagne mit klarer Zielvorgabe zu tun haben.

 

Ein weiterer interessanter Aspekt ergibt sich, wenn man diese Geschichte vom amerikanischen Gesichtspunkt aus betrachtet: Im Jahr 2002, als Präsident George W. Bush die Auseinandersetzung gegen den Irak gesucht hat, haben die US-Geheimdienste ihn mit all den Beweisen versehen, wonach Saddam Hussein große Mengen an nuklearen und chemischen Waffen entwickelt. Nach dem Krieg, als sich dann herausstellte, dass keine Spuren dieser Waffen im Irak zu finden waren, stellte sich in einer Untersuchung durch den Kongress heraus, das Beamte des US-Geheimdienstes Abkürzungen genommen und sich auf unzuverlässige Information verlassen hatten, um den Wunsch ihres Präsidenten erfüllen zu können.

 

Beim Betrachten der amerikanischen Medienberichte der vergangenen Tage, fragt man sich, ob sich die Geschichte hier wiederholt. Wäre es denkbar, dass der US Geheimdienst dem Präsidenten Obama das Material liefert, das dieser aus politischen Gründen benötigt – also, dass genau die Informationen geliefert werden, die den Zweck erfuellen, einen israelischen oder amerikanischen Schlag gegen den Iran aufzuhalten?



14 Comments to “Analyse: Die USA behindern einen israelischen Angriff auf den Iran”

  1. “Die Vereinigten Staaten lassen Informationen an die Medien durchsickern, um einen israelischen Schlag gegen den Iran zu verhindern.”

    Barack Obama erklärt vor dem AIPAC, am 4. Juni 2008, einen Tag nach seiner Inauguration als Kandidat, daß Jerusalem ungeteilt zu Israel gehöre, am 5. Juni nimmt er es auf Grund von Beschwerden der Araber zurück.
    Im Sechstagekrieg haben sie sich ebenso verhalten. Und was die Resolution Nr. 181, vom 29.11.1947 angeht, die wollten sie noch im April 1948 rückgängig machen.

  2. Rainer Lang says:

    Uli, du schreibst ja selbst, dass ein grosser Teil der Berichte “sowieso aus falschen Informationsquellen (stammt) oder ist schlichtweg Desinformation”.

    Von daher leuchten mir die Schlussfolgerungen nicht ein.

  3. Jochanan says:

    Freunde, die Iraner sind ja auch nicht dumm. Ich vermute, dass sie selbst sämtliche Angriffszenarien durchgespielt haben und sich nicht auf Foreign Policy oder andere Zeitungen und die Gnaden der USA, etwas durchsickern zu lassen, verlassen.
    Dies anzunehmen, entspräche wieder ganz der amerikanischen Arroganz under BHO.
    Selbst die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und Israel wird Teheran ja wohl kaum entgangen sein, was ja auch nach den letzten Unfällen von Atomwissenschaftlern deutlich wurde.
    Ich vermute mal, dass wenn der Tag X kommt, Israel erfolgreich tätig wird, und zwar mit einem Plan, der uns aller überraschen wird.
    Am Israel Chai!

  4. Gerd says:

    Also ich denke das die von den USA u. dem UK eingefädelte Medienkampagne in erster Linie der (weiteren) Festigung des weltweiten Antizionismus dienen soll. Die Botschaft ist: „Israel ist verrückt. Wenn sie in der gegenwärtigen Weltwirtschafslage den Iran angreifen stürzen sie die Welt ins Unglück.“ Das begreift jeder. So erzeugt man die Akzeptanz u. Legitimation auf dem Globus um dann vereint gegen den Judenstaat „vorgehen“ zu können.

  5. Rainer Lang says:

    OT.
    “Official Malaysian sermon:

    … The sermon is online. (PDF) Besides quoting the famous Quranic passage on how the rocks and trees will help Muslims slaughter Jews, it says:

    The Jews are a brutal race continually developing series of violence in this holy land….Why we have never felt challenged by the arrogance and Jewish ego against this blessed land? Did not our heart break out in anger against those who insult Islam? Have we forgotten, with Quranic verses above that curse the Jewish people as hostile, who torture and kill Muslims then, now and forever? Why we still do not realize the above atrocities committed by the Jewish people?

    Muslims must first understand that the Jews are the main enemy of Muslims as proven by their egoistic attitude and murders committed by them.”
    http://elderofziyon.blogspot.de/2012/04/official-malaysian-sermon-jews-are.html

  6. jerry1800 says:

    Muslims must first understand that the Jews are the main enemy of Muslims as proven by their egoistic attitude and murders committed by them.

    main reason is that jews remind them of the islamic backwardness

  7. Rainer Lang says:

    @jerry1800.

    “main reason is that jews remind them of the islamic backwardness”

    je mehr ich über die Probleme nachdenke, des do mehr kommt mir der alte Ansatz von Mosse&Co bez. des Auftands gegen die Moderne in den Sinn. Zugegeben, das richtete sich damals gegen den NS, lässt sich allerdings sehr gut auf die islamische Welt anwenden. Auch der Marxismus hatte durchaus reaktionäre Aspekte jenseits des Fortschrittsfetischismus. Demnach haben wir es in allen Fällen, NS, Marxismus, Islam, mit zutiefst reaktionären Gegenbewegungen zur Moderne zu tun, die man mit den Juden identifiziert.

    Die schiere Gegenwart der entwickelten kapitalistischen Ökonomie und fortschrittlichen Demokratie und Kultur Israels, des Leuchturms der westlichen Moderne, umgeben von zutiefst reaktionären, von abscheulichen Klassengegensätzen geprägten islamischen Gesellschaften, mobilisert das ganze reaktionäre Pack dieser islamisch geprägten Gesellschaften. Nicht anders würde es Karl Marx nennen, wenn er denn noch unter uns weilen würde.

  8. Julia says:

    Gerd hat leider recht. Das ist auch meine Meinung. Den falschen Verbündeten soltte man auch mit Falschheit antworten und sich nicht mehr in die eigenen Karten blicken lassen.

  9. Rainer Lang says:

    Ach liebe Julia, wir wissen viel zu wenig. Das alles ist Geheimdiplomatie ersten Grades.

  10. jerry1800 says:

    übrigens, ich suche die Marxschen Zitate über die einzig armen jüdischen Einwohner von Jerusalem

  11. Aristobulus says:

    Wer weiß, Marx, der heute wahrscheinlich so links und wirr wie ein gewisser Abi Melzer wäre, würde sicher davon reden, dass die Radikalmoslems eine weltrevolutionäre Situation herbeiführten (Hinweise auf den arabischen Frühling, der flugs in die Eiszeit überging, würd er als anti-historisch-materialistische Vernebelung beiseitewischen), und dann würde er noch wünschen, dass diese Juden doch endlich mal in den kämpfenden Massen aufgehen und sich assimilieren sollen, anstatt immer weiter ihre bourgeoisen Extrawürste zu braten.

  12. codinenc says:

    Sehe ich genauso, Julia. Israel muss mit den USA so umgehen, wie diese selbst mit ihrem “Verbündeten” Pakistan umgehen. Hat denn jemand ernsthaft Zweifel daran, dass Bin Laden entkommen wäre, wenn die USA Pakistan vorab über den Zugriff informiert hätte?

    Aristobulus: Ein heutiger Marx müsste wohl auch gewisse Fakten zur Kenntnis nehmen, bevor er seine marxistischen Theorien entwickelt: Zum Beispiel die staatstragende Mittelschicht, die zu seiner Zeit nicht existent war. Ich glaube auch nicht, dass ein heutiger Marx der grosse Freund des radikalen Islams wäre… vielleicht wäre er nicht einmal links?

  13. Aristobulus says:

    Codinenc, ein heutiger Marx würde als Marx wohl finalistisch denken, also die Geschichte vorwegnehmen (siehe Karl Popper, Das Elend des Historizismus). Er hätte eine Vision, wie die Geschichte zu laufen habe, würde gar eine Wissenschaft erfinden (damals war’s der historische Materialismus), die andere Auffassungen als fantastisch oder als reaktionär abtut (“diese monoideistische Nötigung!”, schimpfte Massimo Scaligero darüber).
    Im Grund ist al-Qaradawi auch so’n Marx, für ihn steht der Lauf der Geschichte fest, alles steht schon im Koran drin.

Leave a Reply