Thomas Schreiber, Jerusalem, 25.04.2012
Thomas Schreiber kommentiert einen n-tv Artikel (der inzwischen aber anscheinend etwas unter gleichem Link abgeaendert wurde. Das meiste stimmt aber noch genau so:)
Kommentare im Text…
Ägypten will kein Gas mehr an Israel liefern.
Tatsache ist, dass Ägypten seit anderthalb Jahren kein Gas mehr liefert. Neu ist die Aufkündigung des Liefervertrags.
Der Grund sollen die häufigen Anschläge auf die Pipeline sein. Nach dem Sturz von Präsident Mubarak verschlechtert sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern damit weiter. Ägypten liefert bisher rund 40 Prozent des israelischen Gasbedarfs.
In Israel drohen jetzt sogar Stromausfälle.
Falsch. Der Wegfall des Gas bedeutet erhöhte Kosten für Schweröl und Umweltverschmutzung. Die Stromausfälle liegen daran, dass Israel nicht rechtzeitig neue Kraftwerke gebaut hat.
Ägypten hat seine Gaslieferungen an Israel eingestellt.
Schon 2011.
Der Vertrag mit der East Mediterranean Gas Company sei beendet worden, weil vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten worden seien, teilte die nationale Gasgesellschaft mit.
Richtig. Es geht vor allem um den Preis, den Israel zahlen sollte.
Aus dem ägyptischen Ölministerium verlautete indes, die Lieferungen seien auch wegen der häufigen Anschläge auf die Pipeline auf der Sinai-Halbinsel eingestellt worden.
Was hat das mit der jetzigen neuen Kündigung des Liefervertrags zu tun?
Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat daraufhin die Wichtigkeit des Friedensabkommens mit dem arabischen Nachbarland betont. Lieberman sagte dem israelischen Rundfunk, die Wahrung der Friedensvereinbarungen von 1979 seien im “nationalen Interesse” beider Länder. “Die einseitige Aufkündigung des Gasabkommens ist kein gutes Zeichen”, sagte Lieberman. “Wir hoffen, dass dieser Streit wie jeder andere wirtschaftliche Streit gelöst werden wird.” Ägypten war der erste arabische Nachbar, der ein Friedensabkommen mit Israel geschlossen hat.
Das Verhältnis zwischen dem jüdischen Staat und Ägypten hat sich mit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak massiv verschlechtert. Seit Februar 2011 hatte es insgesamt 14 Anschläge von Saboteuren auf die Pipeline gegeben. Vor einigen Monaten hatte ein wütender Mob die israelische Botschaft in Kairo gestürmt und eine ernste diplomatische Krise ausgelöst.
Und es gab den Terroranschlag, von Sinai aus, auf Israel bei Eilat, bei dem 8 Israelis ums Leben kamen, weil dabei auch ägyptische Polizisten getötet worden sind, kam es zu dem Sturm auf die Botschaft.
Viele Ägypter waren gegen die Gaslieferungen an Israel, weil der jüdische Staat arabische Gebiete besetzt hält.
Die übliche Schuldzuweisung. Ägypten waren mit Israel auch vor 1967 verfeindet, weil Israel auf „arabischem Gebiet“ entstanden ist.
Abkommen läuft bis 2023
Über den Lieferstopp hatte zunächst das Zweite Israelische Fernsehen berichtet. Aus Jerusalem gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Außenamtssprecher Jigal Palmor sagte, ihm sei eine solche Entscheidung Ägyptens nicht bekannt. “Wenn es stimmt, ist es aber sehr schlimm.”
Ägypten liefert bislang rund 40 Prozent des israelischen Gasbedarfs.
Richtig, bis Anfang 2011.
Regierungsvertreter in Jerusalem haben bereits vor möglichen Engpässen bis hin zu Stromausfällen im Sommer gewarnt.
Wegen allgemeinem Strommangel, siehe oben. Das hat mit Ägypten zunächst nichts zu tun.
Das betroffene Gaskonsortium EMG erklärte, es sehe die Aufkündigung des Abkommens als illegal an und verlange eine Rücknahme der Entscheidung.
Richtig, wegen Vertragsbruch.
Der Export durch die East Mediterranean Gas Company (EMG) – ein israelisch-ägyptisches Gemeinschaftsunternehmen, an dem Mubaraks Freund Hussein Salem beteiligt ist – hatte 2008 begonnen. Beide Länder hatten ein für 15 Jahre gültiges Abkommen über die Gaslieferungen geschlossen

