Ulrich J. Becker, Jerusalem, 2. Tewet 5772

Chef der Hamas in Gasa, Henijeh, kuesst den Chef der aegyptischen Moslembrueder in Kairo am 26. Dezember 2011

 

Eigentlich sollte es eine einfache – wenn auch noch so tragische und gefaehrliche – Meldung sein, und kein aktueller Meinungskommentar  in einem Blog. Aber da meines Wissens bei Tagesschau und Co. es niemand fuer wichtig erachtete, dem Zuschauer kurz mitzuteilen, dass die mehrheitlichen Wahlsieger der ersten Wahlrunden in Aegypten (ca. 40%) sich ausdruecklich und oeffentlich an die Seite einer genozidalen Terrorgruppe stellen, sich mit ihnen abknutschen, und Aegypten auf dem besten Weg ist, in ein riesen Hamastan umzukippen, sollte dies hier zumindest kurz geschehen. 

 

Die Nahostexperten, die sich in deutschen Fernsehrunden ueber die rosige Aussichten und die Uebertreibung der ‘islamistischen Gefahr’ ausliessen, vermisse ich in den letzten Wochen sehr? Sind sie alle unter Sofa? Vielleicht ein Wenig Groesse und das Eingestehen der Fehler und eine realistische Zukunftsperspektive waeren angebracht.

Aber das aendert auch nichts daran, dass die Hamas sich – und zu grossen Teilen zu Recht – jetzt als grosser bzw. kleiner und frueher Vater des islamistischen Fruehlings darstellen. Sie waren die ersten im arabischen Raum wo das mehrheitlich antisemitisch und islamistisch eingestellte Volk eine Terrorideologie an die Macht waehlte, die sich bis heute haelt.

Und so macht jetzt der Hamaschef in Gasa seine erste Welttournee – vor allem in ‘islamistisch befreiten’ Laender des arabischen Fruehlings (Aegypten, Libyen und Tunesien), aber auch in den Sudan. Das neue Aegypten laesst ihn raus. Hier ist man unter sich und man mag Freudetrunken ueber den historischen Sieg ueber die saeuklaren/sozialistischen/nationalistischen Diktatoren feiern. Jahrzehnte hatte diese immer wieder die Islamisten bekaempft oder auch mal instrumentalisiert. Jetzt riechen sie die Macht ueberall und den Weg zu den grossen Waffen, mit dem das Ur-Boese – der kollektive Jude Israel – im grossen Stil bekaempft werden kann.

Hanijeh in seinen Worten:

 

“Ziel des Besuchs ist es, Hilfe fuer das palaestinensische Volk zu organisieren, die inner-palaestinensische Versoehnung [zwischen Fatach und Hamas] auszubauen, und bei dem internationalen Kogress zum Thema Jerusalem in Khartum dabei zu sein. [...] Wir werden von den Teilnehmern und der gesamten islamischen Gemeinschaft fordern, Verantwortung bei der Verteidigung von Jerusalem und der el-Aksa Moschee zu uebernehmen.”

 

In einem anderen Interview beschreibt er den ‘arabischen Fruehling’ – an dessen Spitze sich die Hamas sieht – wie eine gewaltige Menge Wasser, wie ein “Tzunami” des arabisch-islamischen Volkszorns. Genau dieses Tznuami moechte die Hamas jetzt vor allem auch gegen Israel benutzten und scheint eine halbwegs neue Strategie zu begehen.

 

Den Tzunami des islamistischen Tachrir-Aegyptens (Foto) zur “Verteidigung Jerusalems” bereit machen

 

Sie ist nicht mehr die isolierte kleine Terrorgruppe in Gasa und Syrien mit iranischer Unterstuetzung. Die Hamas riecht jetzt, durch den islamistischen Fruehling sehr viel groesseres und sich selbst als Speerspitze einer riesigen Bewegung. Aus Syrien, dass gegen den islamistischen Fruehlings brutalst ankaempft, sind sie geflohen, das iranische Geld, das Unterstuetzung fuer Assad verlangte, haben sie groesstenteils wohl verloren. Aber der saekulare/sozialistische Koloss Aegypten vor der Tuer hat der Hamas durch die schleichende islamistische Machtuebernahme jetzt seine physischen und geistigen Tore weit geoeffnet und die Hamas schreitet nur zu gerne durch sie hindurch. Das Resultat ist das Foto von oben: Zwei ideologische Brueder vereint. Das kleine Hamastan Gasa bereits im Dauerkampf mit Israel, das grosse Hamastan Aegypten wird langsam bereit gemacht.

Machmud Abbas scheint auch die drehenden Winde erkannt zu haben und will sich nicht wie seine sozialistischen, dikatorischen Kollegen von islamistischen Massen aus dem Amt schlagen sehen, obwohl das hier etwas unwahrscheinlicher waere, und schliesst sich der Hamas nun ganz an. Die Hamas erklaert, dass man auch als neue Taktik gegen Israel den “voelkischen Widerstand” neben den terroristischen, bewaffneten einsetzen wird – und damit duerften vor allem gewaltsame Massenproteste von pal. ‘Zivilisten’ gegen Israel, seine Grenzen, seine Siedlungen und Staedte gemeint sein.

Hanijeh erklaerte in Aegypten, im Hauptquartier der Moslembruederschaft:

 

“Unsere Anwesenheit an der Seite der [aegyptischen] Moslembruederschaft gefaehrdet Israel und laesst es erzittern.”

 

Der Fuehrer der aegyptischen Moslembruederschaft Mohammed Badie antwortete ihm – bitte diplomatisch gespitzt hinhoeren – zustimmend:

 

Die Moslembruederschaft sei immer “das Symbol fuer Freiheit/Befreiung, hauptsaechlich fuer die Palaestinenser, gewesen…

 

Recht haben sie: Wir sind besorgt, sehr besorgt, und nein, sie haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie uns vernichten, bzw. wie sie es nennen ‘Palaestina befreien’, wollen. Ja, die Armee-Elite, die die Wirtschaft des Landes als nahezu Monopol in den Haenden haelt, ist noch nicht weg und wird seine Macht und Ressourcen vielleicht nicht ganz kampflos uebergeben, aber zumindest wird bereits berichtet, dass fuehrende aegyptische Generaele ploetzlich alle ganz islamisch fromm werden, in die Moschee gehen oder dass selbst die Frau des momentan defacto-Diktators Tantauwi ihre schicken Pariser-Accessoirs kuerzlich gegen ein Kopftuch eingetauscht hat… 

Fuer uns ist die Sache ziemlich klar. Israel wird seine Militaerausgaben deutlich erhoehen und die Grenze zu Aegypten scheint sich schon jetzt von der Anzahl der Terrorwarnungen und der moeglichen Angriffe der von Gasa zu aehnlen. Israel denkt um. Die Frage ist, ob das auch der Westen tut? Wird er auch der Hamas und den Moslembruedern die Turen oeffnen und sie umgarnen? Oder wird er verstehen, was ein von der Moslembruederschaft gefuehrtes Aegypten bedeutet? Wird er Kontakte kappen, Geldstroeme stoppen, Aegypten international isolieren und Israel diplomatisch oder gar militaerisch beistehen?



12 Comments to “Die Hamas fuehlt sich wie zu Hause in der islamistisch befreiten arabischen Fruehlingswelt – Aegypten, Neu-Hamastan…”

  1. jerry says:

    dank Husain Barak Soetoro

  2. Julia says:

    Ja eben, Jerry. Das war allerdings zu erwarten und sollte niemanden überraschen.Oft kommt er mir vor, wie ein Fluch über Israel und seinem eigenene Land.

  3. Julia says:

    Lieber Karl shalom! Fallst du heute da bei Aro1 liest, denke daran, meine aller besten Gedanken und Wünsche begleiten dich täglich und sind auch für dein Land bestimmt. Hab einen schönen Tag noch! Shalom!

  4. karl says:

    Julia Shalom.
    Ich danke Dir für Deine netten Worte an mich.

    Das die Moslembruderschaft und die terroristische
    Hamas zu sammen gehen werden <<stand schon lange fest.Die Hamas ist ja ein Ablerger der Bruderschaft. Ägyten wird mit Sicherheit ein
    Islamischerstaat werden,so wie der Iran. karl

  5. Julia says:

    Shalom, lieber Karl!
    Ich gebe dir recht, die beide menschenfeindlichen Organisationen passen gut zusammen. Gleich mit Gleich geseelt sich gern. Agypten IST schon zum 2. Iran mutiert:

    http://www.pi-news.net/2011/12/agypten-institut-von-islamisten-niedergebrannt/

    Das Museum in Kairo kommt als nächsten dran und bald werden die auch noch die Pyramiden zerstören und später Märchen im Kaffeehäuser erzählen, wie es war, als Ägypten unter Mubarak noch von Touristen überströmt wurde.
    Es gibt leider Glaubensrichtungen, die massive Probleme mit der Kultur und Wissenschaft haben.

    Shalom Karl und einen schönen Tag noch
    Julia

  6. karl says:

    Shalom meine Freunde.
    Ich wünsche Euch allen ein friedliches und ge
    sundes <<Neues Jahr.<< Karl

  7. Rainer Lang says:

    Liebe Julia, naja die Pyramiden werden sie verschonen, denn brauchen sie wegen der $$$ der Touristen. Damit können sie sich viele Waffen für den Djiad gegen uns jüdische und christliche Hundesöhne und -töchter kaufen.

  8. charly says:

    Was, Du vermisst die deutschen Nahostexperten und vermutest sie unterm Sofa? http://www.tagesschau.de/kommentar/netanjahu234.html
    Nein da muss Sebastian Engelbrecht Dir mal klar machen wo der Fehler liegt.
    Netanjahu ist schuld, dass Euch die “gemäßigten” Moslembrüder nicht lieben. Und am Bruch mit der Türkei. und und und
    Auch wenn man glaubt, es ginge nicht mehr dämlicher, so darf man doch befürchten, dass sich unsere Nahostexperten auch in Zukunft weitere Steigerungen nicht nehmen lassen werden.
    Auf die Kommentare habe ich lieber verzichtet.

  9. GreekMolonLave says:

    Die Augenwischerei der Mainstream-Medien konnte mich nie umerziehen oder steuern.
    Mir war von Anfang an klar was der “Arabische Frühling” für die freiheitliche Welt im Gepäck mit sich führt.
    Haltet die Augen offen….
    Ich wünsche Allen ein Gutes 2012, Glück, Frieden und Gesundheit.

  10. Julia says:

    Lieber Rainer, dass die Islamisten die Pyramiden noch verschonnen werden, liegt vielleicht eher daran, dass sie nicht so leicht mit einem Brand zu zerstören sind, aber sie werden gewiss bei Bedarf, die richtigen Werkzeuge finden. Alles ist möglich und nichts würde mich noch überraschen.

  11. [...] {Quelle: http://www.aro1.com - Ulrich J. Becker, Jerusalem, 2. Tewet 5772} Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt.   Hinterlasse einen Kommentar [...]

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